Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Antimainstream » Dienstag 12. Juni 2018, 22:34

In letzter Zeit passiert sehr viel in meinem Kopf. Es schleudert mir regelrecht sowohl meine Gedanken- als auch meine Gefühlswelt durcheinander. Sicher es ist jetzt keine Überraschung und in mir arbeitet es bereits seit Jahren - eben seitdem ich mir meinem AB-Tum bewusst bin. Aber ich kenne das nicht in dieser positiven Intensität, wie im Moment. Angefangen hat Das anfang April diesen Jahres, als ich bei einem Konzert von einer Frau angemacht wurde (ich berichtete: https://www.abtreff.de/viewtopic.php?f=1&t=24093). An diesem Tag war ich schon von früh morgens an nervös, als wenn ich eine Ahnung hätte, dass etwas Entscheidendes passieren würde. Gut, passiert ist an dem Abend nichts, ich war mit der Situation schlichtweg überfordert. Aber es hat einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.

Mir ist richtig klar geworden, dass Frauen keine unerreichbaren Wesen für mich sind. Ich sehe seitdem die Mädels auch wieder bewusster an. Ich starre nicht, aber dass ich verschämt den Kopf wegdrehe glaube ich, ist mir in letzter Zeit auch nicht mehr passiert. Ich hoffe, ich konnte rüberbringen was ich meine. Es fällt mir schwer, es richtig zu formulieren was da gerade in mir abgeht. Und scheinbar sende ich auch unbewusst Signale. Neulich hat ein Mädel in der Disco gewollt, dass ich mittanze. Was ich auch verlegen gemacht habe und dann wieder in mein Eck verschwunden bin. Ja, ich weiß ich muss noch an mir arbeiten und mich überwinden. Bei einem anderen Konzert hat mir ein Mädel total grundlos zugewunken. Es ist schon seltsam. Ich war doch ewig Luft für die Mädels. Mehr als ein sympathisches Lächeln kam da nicht. Und das hatte Seltenheitswert - aber kam vor :mrgreen: .

Und vergangenes Wochenende war ich in meinem Techniker-Kurs. Dort saß ich neben einem Mädel, die es schon im Herbst mal geschafft hatte mich zu faszinieren. Damals musste ich feststellen, dass sie einfach allgemein ein interessierter Mensch ist. Ich war da schon so geflasht davon, dass sich ein Mädel für mich interessiert, dass die Fantasie mit mir durchgegangen ist. Als sie sich am nächsten Unterricht, trotz freien Platz nicht neben mich setzte war ich damals schon enttäuscht.
Aber dieses Wochenende war es doch wieder mal soweit. Sie hat es geschafft mich mit ein paar banalen Fragen zu flashen. Mit dem Kollegen zu ihrer Rechten, hat die sich über seine Freundin unterhalten und ob die beiden schon mal an Kinder gedacht hätten. Er sagte, dass er die Aussicht schon aufgegeben hätte, da seine Freundin schon 41 wäre (ja, ja unser Klassen-Opa :mrgreen: ). Daraufhin drehte sie sich zu mir um und fragte mich wie alt ich bin. Und als sie über ihre Wohnsituation redeten drehte sie sich wieder zu mir und fragte mich, ob ich alleine wohne. Daraufhin
fragte ich sie noch etwas über ihre Wohnsituation aus und sie wohnt auch alleine. Diese Situation hat einen Gedanken-Coctail in mir verursacht, als ich Zeit hatte mir das Ganze nochmal durch den Kopf gehen zu lassen. Hammer... es flogen sogar später noch die Schmetterlinge im Bauch! Und Das nur wegen zwei banaler Fragen.

Als ich am Abend auf ein Konzert bei mir im Ort ging, wollte ich dort mich mit Musikern einer regionalen Band, die als Zuschauer kamen, etwas unterhalten (ich würde es so cool finden Kontakt mit richtigen Musikern zu haben). Aber, davon abgesehen, dass ich es noch schaffen muss mich zu überwinden und nicht immer zu denken "was machst du, wenn dir im Dialog nichts mehr zum reden einfällt?", fühlte ich mich auf einmal so erschöpft. Ich hatte keine mentale Kraft, keinen Antrieb mehr. Ich konzentrierte mich auf Grund dessen nur noch auf das Konzert und ging dann heim. Ich habe den Verdacht, dass Das von den heftigen Emotionen kommt die ich ein paar Stunden vorher noch hatte. Kann das sein? War das
dann vielleicht doch mal zu viel? In letzter Zeit habe ich auch manchmal schlafprobleme, weil meine Gedanken zu meiner
aktuellen Situation nicht zur Ruhe kommen und dann obendrein noch diese heftige Emotion.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von BTVS » Mittwoch 13. Juni 2018, 09:30

So wie du deine Situation beschreibst kann es durchaus sein, dass die vielen neuen Erfahrungen und Erlebnisse eine Art Reizüberflutung erzeugt haben, weshalb du das erstmal verarbeiten musst. Das kostet Kraft und kann Einschlafprobleme durch zuviel Kopfkino verursachen. Wenn du damit klarkommst und dir gleichzeitig bewusst machst, dass die sehr positiven Erlebnisse möglicherweise doch nicht zu Ergebnissen führen können würde ich dieses Gefühl einfach genießen. Aber baue dir nicht gleich Luftschlösser und bewerte alles objektiv.

Ich habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht letztes Jahr bin dann aber u.a. durch einen Korb mit dem ich überhaupt nicht gerechnet habe in ein tiefes Loch gefallen. Ich hatte die Situation wegen Übermut und überhöhten Vorstellungen einfach falsch eingeschätzt. Das wünsche ich dir natürlich nicht und so wie du alles schilderst scheint tatsächlich Interesse vonseiten der Frauen vorhanden zu sein.

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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Nonkonformist » Mittwoch 13. Juni 2018, 14:19

HSPs (Hochsensensibelen) sind von starken emotionen schnell ueberfordert, auch von positiven emotionen.
Und brauchen sich dann zum erholung zurueckziehen.
Kenne ich bei mir auch.
Vielleicht ist das der erklaerung.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Axolotl » Mittwoch 13. Juni 2018, 14:58

Antimainstream hat geschrieben:
Dienstag 12. Juni 2018, 22:34
Aber, davon abgesehen, dass ich es noch schaffen muss mich zu überwinden und nicht immer zu denken "was machst du, wenn dir im Dialog nichts mehr zum reden einfällt?"
Das ist eher ein Ausdruck von Unsicherheit, als wirklich emotionale Erschöpfung.
Antimainstream hat geschrieben:
Dienstag 12. Juni 2018, 22:34
Ich hatte keine mentale Kraft, keinen Antrieb mehr. Ich konzentrierte mich auf Grund dessen nur noch auf das Konzert und ging dann heim. Ich habe den Verdacht, dass Das von den heftigen Emotionen kommt die ich ein paar Stunden vorher noch hatte. Kann das sein? War das
dann vielleicht doch mal zu viel? In letzter Zeit habe ich auch manchmal schlafprobleme, weil meine Gedanken zu meiner
aktuellen Situation nicht zur Ruhe kommen und dann obendrein noch diese heftige Emotion.
Ich sehe das als völlig normal. Jeder Mensch hat eine gewisse Toleranzschwelle, bis zu der er emotionale eindrücke problemlos verarbeiten kann. Nun sagst du ja selbst, dass du schon selbst permanent unter emotionalem Stress stehst. Kommt dann von Außen ein sehr starkes Erlebnis, so kann das die Reserven aufzehren und man muss dann eben erstmal zurückziehen.
Es ist möglich keine Fehler zu machen und trotzdem zu verlieren. Das ist keine Schwäche, das ist das Leben.

Früher habe ich mich darüber geärgert, dass das Leben nicht fair ist. Dann habe ich erkannt, dass es noch viel schlimmer wäre, wenn das Leben fair wäre.

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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Stabil » Mittwoch 13. Juni 2018, 15:49

Antimainstream hat geschrieben:
Dienstag 12. Juni 2018, 22:34
In letzter Zeit habe ich auch manchmal schlafprobleme, weil meine Gedanken zu meiner
aktuellen Situation nicht zur Ruhe kommen und dann obendrein noch diese heftige Emotion.
Heftige positive Emotionen kosten Kraft und Energie. Das ist ganz normal.

Sich da dann zwischendurch eine Pause zu gönnen, um sich zu erholen kann gut helfen. Wenn einem so richtig viel Aufwühlendes durch den Kopf geht, kann man mit dem Zoom des Kopfkinos experimentieren. Zur Abwechslung kann man mal eine distanziertere Sicht einnehmen oder auch eine Aussenperspektive. Natürlich meine ich NICHT dass man grundsätzlich alles distanziert sehen sollte oder aus der Sicht einer dritten Person. Nur mal vorübergehend experimentieren, und schauen, ob man so zu ein Wenig Übersicht oder zu neuer Information kommen kann.

Ich finde es schön zu lesen, wie du neue Erfahrungen machst. Mich berührt es auch immer wieder, wie freundlich die Frauen sind, wenn man sich offen zeigt. Das hat oft nichts mit einem gezielten Interesse ihrerseits zu tun. Aber es gibt so viele Möglichkeiten, herauszufinden, wie es persönlicher werden könnte.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von TheRealDeal » Mittwoch 13. Juni 2018, 18:58

Stabil hat geschrieben:
Mittwoch 13. Juni 2018, 15:49
Antimainstream hat geschrieben:
Dienstag 12. Juni 2018, 22:34
In letzter Zeit habe ich auch manchmal schlafprobleme, weil meine Gedanken zu meiner
aktuellen Situation nicht zur Ruhe kommen und dann obendrein noch diese heftige Emotion.
Heftige positive Emotionen kosten Kraft und Energie. Das ist ganz normal.
Das sehe ich auch so. Und im "Nachhall" kosten sie Kraft durch Selbst-Reflexion. Grübeln noch mehr, aber das tue ich nicht mehr.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Stabil » Mittwoch 13. Juni 2018, 19:10

TheRealDeal hat geschrieben:
Mittwoch 13. Juni 2018, 18:58
Stabil hat geschrieben:
Mittwoch 13. Juni 2018, 15:49
Heftige positive Emotionen kosten Kraft und Energie. Das ist ganz normal.
Das sehe ich auch so. Und im "Nachhall" kosten sie Kraft durch Selbst-Reflexion. Grübeln noch mehr, aber das tue ich nicht mehr.
Stimmt, die Reflexion - auch ohne ins Grübeln zu verfallen - kostet Kraft.
Das bringt mich auf noch einen weiteren Aspekt: Das scheinen für dich, Antimainstream, recht neue Eindrücke zu sein. Da beginnt oft eine Neuorientierung und das alles muss verarbeitet werden. Das ist eine gewaltige geistige Anstrengung, auch wenn das Meiste davon unbewusst abläuft.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von TheRealDeal » Mittwoch 13. Juni 2018, 19:29

Abgesehen davon "macht" ja alles irgendetwas mit uns, weil wir irgendwie am Gesamtsystem angeschlossen sind. In Phasen, wo ich depressiv bin, scheine ich diese Bindung mehr oder weniger stark zu verlieren. Ich spüre dann kaum noch etwas, am wenigsten mich selbst. Und das tut keinem Menschen gut. Jedenfalls keinem, dem ich je begegnet bin. Sich und etwas zu ist ein Zeichen von leben und lebendig sein. Das ist das Geschenk, auch wenn es sich gerade vielleicht nicht so anfühlen mag.
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Re: Erschöpfung durch heftige, positive Emotionen - geht das?

Beitrag von Antimainstream » Freitag 15. Juni 2018, 17:35

Ein geistiger Umbruch scheint bei mir schon seit längerem im Gang zu sein. Wenn ich so überlege, wie ich mich im Kopf die letzten 1 - 1,5 Jahre geändert habe... das ist ja Wahnsinn.
Außerdem haben sich meine Prioritäten geändert. Das fällt mir vorallem im Job auf. Vor zwei Jahren war ich noch in der Lage, ziemlich viele Auskünfte aus dem Stegreif zu geben. Das hat sich drastisch reduziert. Inzwischen muss ich vieles Nachsehen. Teilw. ist es sogar schon vorgekommen, dass ich erst mal gar nicht wusste von was die Kollegen reden :mrgreen: . Mein privates Leben, in dem sich momentan so viel ereignet, ist um so viel wichtiger geworden. Die Arbeit ist sogar manchmal schon lästig geworden. Diese Woche habe ich einen richtigen Wutausbruch bekommen, als ein nerviger Kunde wieder wegen einer Kleinigkeit anrief (natürlich nachdem ich aufgelegt hatte :D ).
Manchmal frage ich mich, ob ich in eine verspätete Pubertät komme (mit 28 :mrgreen: ). Meine Teenager-Zeit war nicht so aufregend, wie das was sich im Moment ereignet. Und ich glaube bezüglich Stimmung, war ich damals für mein Umfeld auch pflegeleichter. Inzwischen bin ich etwas unberechenbarer geworden.
Morgen ist wieder Straßenfest in der Nachbarschaft bei meinen Eltern. Es ist immer gut. Die Leute sind super, Stimmung ist super usw. Vor Jahren war das für mich immer noch DAS Ereignis. Inzwischen bin ich selber so aktiv über das ganze Jahr mit meinen Konzert-Gängen usw., dass es für mich halt "nur" noch ein schönes treffen ist. Es hat für mich einfach an "Faszination" verloren. Außerdem sind da ja nur lauter "alte" Leute. Also niemand in meinem Alter. Das wäre mir vor Jahren noch nicht aufgefallen.
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