Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

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kreisel
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von kreisel » Sonntag 12. August 2018, 21:31

Ich antworte dann auch mal. Ich war beruflich eh immer zögerlich und hab mich durch was gequält was mir kaum liegt.
Als dann noch die Depression stärker wurde mit Klinik wurde ich arbeitslos, 11,5 Monate, und JC im Nacken.

Ich denke, dass Agentur System (Alg1) ist lange noch nicht so rigide wie das Alg2 System, wo es noch mehr an die Selbstoffenbarung und an die Existenz geht (zu große Wohnung muss innerhalb v. 6 M. abgeschafft werden.)

Durch eine Maßnahme der Agentur hab ich dann auf dem letzten Drücker eine Arbeit gefunden, wo ich dachte "bloß nicht,
wie soll ich das aushalten" (Tag durchstehen, Art der Kontakte usw), habs aber dann gemacht.
Hat Jahre der Akklimatisierung gebraucht.
Ich hasse aber Abhängigkeit, sowohl von der Familie, als auch von einem System wie JC. Dann eben Abhängigkeit
vom AG, denn ohne Abhängigkeit unter völlig freien Vorausetzungen leben, geht m.E. nicht und da nehme ich das für
mich kleinere Übel.

Zu den Fragen von der Optimistin, ich habe z T Verwaltungsrecht gehabt und kenne auch einiges von der "Exekutive des JC" , wenn das von der Warte mal interessant ist. (meine es aber eher informativ und nicht um als Prellbock der Systemhasser zu dienen oder um hier endlose pro contra Diskussionen zu führen)
Mir hat es die ein oder anderen Vorurteile und Schreckensvorstellungen abgebaut, zumindest mal das Gesetz zu verstehen, und zu ahnen, wie es gemeint ist.

Ob man dann die Kraft findet, dass im Einzelfall durchzufighten ist nochmal ne andere Sache.
Wenn man eh geschwächt ist und psychisch belastet, ist eine Begleitung mitnehmen sicher nicht schlecht.
Optimistin hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 07:51
Wie läuft das denn ab mit dem Jobcenter, wenn man jahrelang Unterstützung bezieht - muss man da auch alle 4 Wochen hin und nachweisen, wo man sich überall beworben hat?
Es wird ein Eingliederungsplan gemacht und jeder wird individuell "profiled". Dann wird unterteilt in "marktnah" und "marktfern".
Der Eingliederungsplan fällt in der Regel nicht vom Himmel sondern wird von zwei Leuten abgeschlossen, es ist eine
Vereinbarung nach einem Gespräch, wo Ziele und Stärken, aber auch Hindernisse besprochen werden.

Das Profiling kann man sich übrigens gerade auch im Rahmen der neuen Datenschutzverordnung mal zeigen lassen und
gucken, ob man damit einverstanden ist.

Zu Bewerbungen verpflichtet sein macht halt nur Sinn, wenn keine anderen Dinge von der Arbeit abhalten wie Gesundheit, Wohnungslosigkeit ect, und es einen konkreten Beruf gibt, der ausgeübt werden kann.

Ansonsten würden ( z B beim Fallmanager, der eher für die sozialeren Faktoren zuständig ist), erst andere Dinge bearbeitet, psych. Krankheit- Netzwerk aufbauen, Wohnung, Schulden, ....
Werden einem jedes 2. Mal Umschulungen vorgeschlagen oder muss man sich da selber drum kümmern?
Es muss ins Profiling passen (Umschulung ist das Hindernis, ansonsten wuppt es mit dieser sofort in die Arbeit) und es muss der Paragraph § 81 SGB III erfüllt sein. (darf keine Ausbildung schon vorhanden sein, min. 3 jährige relevante Berufspraxis, Träger muss zertifiziert sein, die Weiterbildung muss verkürzbar sein auf 2 Jahre, und noch paar andere Dinge).
Weiterbildung ist NICHT sanktionierbar, hab ich hier auch irgendwo gelesen. Auch wenn der SB was anbietet und es ist
eine Weiterbildung nach § 81, kann hier nicht sanktioniert werden.
Und wenn man krank ist (wie einige hier schrieben), muss man dann jahrelang immer fortlaufend eine Krankschreibung vom Arzt beibringen? Irgendwann wird man doch Mal nem Amtsarzt vorgestellt oder?
Ja, in der Regel schon. liegt daran, dass SGB II besagt, dass hier sich arbeitsfähige vermittelbare Personen aufhalten.
Es ist zwar eine Form von Grundsicherung, aber immer mit dem Aspekt Vermittlung und Erwerbsfähigkeit.
Wenn Vermittlung nicht geht, gibt es im Sozialgesetz noch eine andere Grundsicherung, nämlich die des Sozialgelds / Kreisverwaltung. (dürfte dann SGB XII??) sein.
Und wie ist das mit dem berühmten 1-€ Job, bekommt man den "verordnet"?
Es muss ins Profiling passen.
Immer nachrangig zum ersten Arbeitsmarkt, und wenn z B so Faktoren wie "Sucht, fehlende Tagesstruktur" eine Rolle spielen.
Und gibt es einen oder mehrere Zeitpunkte, wo das Jobcenter sagen kann "Du machst jetzt diesen Job oder wir streichen das Geld"?
Die Vorschläge müssen zumutbar sein (Zumutbarkeit ist auch ein Paragraph irgendwo am Anfang vom
SGB II).
Es gibt in Deutschland keinen Berufsschutz, Zumutbarkeit ist alles was gesundheitlich geht und in den Tagespendelbereich liegt.

Das liegt am Prinzip der Subsidarität im Sozialstaat: Jeder ist in erster Linie für seinen Unterhalt erst mal verantwortlich und tut was er kann.
Würde ein zumutbares Angebot abgelehnt und die Gründe sind nicht nachvollziehbar, wird eine Kürzung geprüft. (war es zumutbar, gibt es einen wichtigen Grund?)
Sollte ein Sachbearbeiter sanktionieren trotz nicht passender Vorausetzungen (Entfernung, fachliche Voraussetzungen) oder nachgewiesener Einschränkungen (Attest liegt schon vor ect), da der SB persönlich so drauf ist,
gibt es in jedem JC eine Widerspruchsstelle.
Sollte diese auch ablehnen, bleibt der Weg der Klage über das Sozialgericht.
Hat jemand von euch, wie oben erwähnt, Mal ganz ohne staatliche Unterstützung gelebt, also vom Ersparten, Hand in den Mund, o.ä.?
würde ich dann erstmal tun, vom eigenen leben, oder wenn ich gesundheitlich nicht ganz kann, zumindest einen Mini Job versuchen, und es verzögern;
aber irgendwann wird der Punkt kommen, wo es mit der Miete und halbwegs ordentlicher Versorgung nicht mehr klappt. Persönlich habe ich da auch Hürden, aber dafür wäre eine Sozialsicherung ja da, dass man es beantragen kann. Ich denke aber, mit der Perspektive, möglichst wieder selbst auf die Füße zu kommen.

Manchmal sind die Faktoren aber so komplex, eine oder mehrere Krankheiten, andere Probleme, oder min. 3 Kinder (da gibts dann auch ne Klausel, dass höchstens eine TZ Tätigkeit zumutbar ist), dass das so schnell nicht geht; sollte hier zuviel gedrängt werden, liegt das dann wohl auch am Sachbearbeiter und wäre nicht rechtens.
Das Gesetz an sich unterscheidet zwischen "kann nicht" und "will nicht".
Sicher wehrst du dich mit Händen und Füßen gegen Arbeitsmaßnahmen des Amtes. Wie geht dein Sachbearbeiter damit um? Versucht das Jobcenter dich nicht deshalb rauszukegeln? Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wie die sich Arbeitsverweigerung bieten lassen, nach dem was ihr bisher so berichtet habt :gruebel:
@Montecristo- lustige Idee, dass der Sicherheitsdienst zur Arbeit trägt, so ähnlich wie die Polizei Schulverweigerer
zur Schule bringen, aber nee.
Diesen Dienst gibt es bei mir in der Region nicht, vielleicht in Großstädten (also zum Schutz bei Gewalteskalationen,
nicht zur polizeilichen Überwachung der Arbeitsaufnahme).

Ein Problem waren wohl mal ne Weile die "Reichsbürger", die sich ideologisch verweigern,aber halt trotzdem das Geld vom Staat, den sie verachten, wollen. Meist hat da dann wohl auch die Geschäftsführung in Zusammenarbeit mit Polizei ein Auge drauf, nur auf Sachbearbeiterebene wirds eher ein nutzloses Katz- und Mausspiel.
Zuletzt geändert von kreisel am Sonntag 12. August 2018, 22:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Sonntag 12. August 2018, 21:58

kreisel hat geschrieben:Es wird ein Eingliederungsplan gemacht und jeder wird individuell "profiled". Dann wird unterteilt in "marktnah" und "marktfern". Der Eingliederungsplan fällt in der Regel nicht vom Himmel sondern wird von zwei Leuten abgeschlossen, es ist eine Vereinbarung nach einem Gespräch, wo Ziele und Stärken, aber auch Hindernisse besprochen werden.
So sollte es in der Tat regelmäßig sein. In der Praxis findet aber ein richtiges Profiling, das den Namen auch nur ansatzweise verdient, also mit der Analyse der individuellen Stärken und Hindernisse und daraus abgeleitet eine stringente Wiedereingliederungsstrategie, nur sehr selten statt. Dem Erwerbslosen werden stattdessen vorgefertigte Textbausteine zur Unterschrift vorgelegt - so sieht die Realität bei der Masse alller Eingliederungsvereinbarungen aus. Eigentlich gut aus Sicht des Kunden, denn spätestens vor dem SG oder LSG würden diese Pseudo-EGV und daraus abgeleitete Verpflichtungen für nichtig erklärt werden.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von kreisel » Sonntag 12. August 2018, 22:03

Einfach nur ich hat geschrieben:so sieht die Realität bei der Masse alller Eingliederungsvereinbarungen aus. Eigentlich gut aus Sicht des Kunden, denn spätestens vor dem SG oder LSG würden diese Pseudo-EGV und daraus abgeleitete Verpflichtungen für nichtig erklärt werden.
ich sag ja, das Gesetz an sich ist gar nicht so dumm ;) und Wissen ist Macht.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Sonntag 12. August 2018, 22:18

kreisel hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:03
Einfach nur ich hat geschrieben:so sieht die Realität bei der Masse alller Eingliederungsvereinbarungen aus. Eigentlich gut aus Sicht des Kunden, denn spätestens vor dem SG oder LSG würden diese Pseudo-EGV und daraus abgeleitete Verpflichtungen für nichtig erklärt werden.
ich sag ja, das Gesetz an sich ist gar nicht so dumm ;) und Wissen ist Macht.
Ja, Wissen ist Macht. Nur was nützt es einem, wenn man wie bei einem Großteil aller Kunden der Jobcenter psychisch schon so gegen die Wand gefahren ist, dass sich eine nennenswerte Gegenwehr als unlösbare Aufgabe erweist. Dazu kommt, dass man bei vielen deutschen Sozialgerichten schon mal 2 bis 3 Jahre auf ein Urteil warten darf. Geht es in die nächste Instanz zum LSG, dann halt noch länger. Zudem ist effektiver Rechtsschutz in der Provinz vielerorts schon gar nicht mehr gegeben, weil es schlicht keine Anwälte gibt, die sich mit dieser Materie auskennen oder beschäftigen wollen. Hartz-IV-Recht ist sehr kompliziert und komplex - auch, weil ständig die gesetzlichen Grundlagen geändert werden und höchstrichterliche Rechtssprechung dazukommt. Selbst die Vergütung in diesem Bereich wirk eher abschreckend für die Advokaten.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von kreisel » Sonntag 12. August 2018, 22:27

Einfach nur ich hat geschrieben:Ja, Wissen ist Macht. Nur was nützt es einem, wenn man wie bei einem Großteil aller Kunden der Jobcenter psychisch schon so gegen die Wand gefahren ist, dass sich eine nennenswerte Gegenwehr als unlösbare Aufgabe erweist. Dazu kommt, dass man bei vielen deutschen Sozialgerichten schon mal 2 bis 3 Jahre auf ein Urteil warten darf. Geht es in die nächste Instanz zum LSG, dann halt noch länger. Zudem ist effektiver Rechtsschutz in der Provinz vielerorts schon gar nicht mehr gegeben, weil es schlicht keine Anwälte gibt, die sich mit dieser Materie auskennen oder beschäftigen wollen. Hartz-IV-Recht ist sehr kompliziert und komplex - auch, weil ständig die gesetzlichen Grundlagen geändert werden und höchstrichterliche Rechtssprechung dazukommt. Selbst die Vergütung in diesem Bereich wirk eher abschreckend für die Advokaten.
ich denke, wenn man so stark in den "ja aber" und "alles sinnlos" Gedanken ist, wäre vermutlich
therapeutische Hilfe ganz gut. Das hat allerdings möglicherweise auch seine Grenzen, bis die passende Behandlung
steht.
Ggf. noch über gesetzlichen Betreuer nachdenken, der da mehr in die Hand nehmen könnte?
Oder Hartz IV Vereine?
Es gibt keine Anwälte, hmmm, also mein Schulkollege ist ein reiner Hartz IV Anwalt. Er sagt sogar er liebt den Job
und wird garantiert nicht arbeitslos.
Ich vermute aber wirklich, diese unüberwindlich Gefühle und Gedanken haben eher mit der Grundverfassung zu tun.
Da finde ich nachrangig zu sehen, ob es einen Schuldigen wie Eltern gibt oder "Vater Staat".
Mag ja sein dass das alles eine Wechselwirkung hat zum System außen, aber hilft das bei der Lösung?
Und Sachen politisch lösen wollen könnte auch Jahrzehnte brauchen und nur minimal voran gehen und vielleicht nur teilweise
in die gewünschte Richtung, da halte ich psychologische Hilfe und den wirklichen eigenen Umkreis beeinflussen irgendwie für effektiver.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Sonntag 12. August 2018, 22:35

@kreisel:

Was willst du damit ausdrücken? Ich versteh's nicht ganz, sorry.

Nur mal ein Bsp. zur Vergütung der Anwälte: Als bei unserem SG seinerzeit die Untätigkeitsklagen gegen die Jobcenter überhandnahmen, weil die Widersprüche nicht mal ansatzweise in der vorgegeben Frist laut SGG bearbeitet wurden, senkte das SG einfach das Anwaltshonorar dafür. Somit reduziert man ebenfalls das Interesse von Anwälten, sich auf diesem Gebiet zu engagieren.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von kreisel » Sonntag 12. August 2018, 22:40

Einfach nur ich hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:35
@kreisel:

Was willst du damit ausdrücken? Ich versteh's nicht ganz, sorry.

Nur mal ein Bsp. zur Vergütung der Anwälte: Als bei unserem SG seinerzeit die Untätigkeitsklagen gegen die Jobcenter überhandnahmen, weil die Widersprüche nicht mal ansatzweise in der vorgegeben Frist laut SGG bearbeitet wurden, senkte das SG einfach das Anwaltshonorar dafür. Somit reduziert man ebenfalls das Interesse von Anwälten, sich auf diesem Gebiet zu engagieren.
ich will sagen, dass du dir viele negative Gedanken machst, was nicht geht und was unmöglich und sinnlos ist.

Da denke ich, dass bei dir auch eine psychische Belastung vorliegen könnte.

Und ich denke, dass die Lösung da nicht im weiter negativ denken und beweisen liegt, sondern eher gucken,
ob man Hilfe findet (Psychologe z B),
und wenn man das auch nicht schafft und diese Idee der Hilfe wird vom negativen Denken gefressen, vielleicht auch einen
gesetzlichen Betreuer sich sucht, der erstmal einige Dinge gemeinsam mit einem regelt.

Kostenlose Unterstützung erhält man an den meisten Orten wohl von Hartz IV Vereinen, sind wohl oft ehrenamtliche,
die auch begleiten können, wenn man selber kraftlos ist.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Sonntag 12. August 2018, 22:50

kreisel hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:40
Einfach nur ich hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:35
@kreisel:

Was willst du damit ausdrücken? Ich versteh's nicht ganz, sorry.

Nur mal ein Bsp. zur Vergütung der Anwälte: Als bei unserem SG seinerzeit die Untätigkeitsklagen gegen die Jobcenter überhandnahmen, weil die Widersprüche nicht mal ansatzweise in der vorgegeben Frist laut SGG bearbeitet wurden, senkte das SG einfach das Anwaltshonorar dafür. Somit reduziert man ebenfalls das Interesse von Anwälten, sich auf diesem Gebiet zu engagieren.
ich will sagen, dass du dir viele negative Gedanken machst, was nicht geht und was unmöglich und sinnlos ist.

Da denke ich, dass bei dir auch eine psychische Belastung vorliegen könnte.

Und ich denke, dass die Lösung da nicht im weiter negativ denken und beweisen liegt, sondern eher gucken,
ob man Hilfe findet (Psychologe z B),
und wenn man das auch nicht schafft und diese Idee der Hilfe wird vom negativen Denken gefressen, vielleicht auch einen
gesetzlichen Betreuer sich sucht, der erstmal einige Dinge gemeinsam mit einem regelt.

Kostenlose Unterstützung erhält man an den meisten Orten wohl von Hartz IV Vereinen, sind wohl oft ehrenamtliche,
die auch begleiten können, wenn man selber kraftlos ist.
Solche Unterstützung gibt es vielerorts in der Provinz einfach nicht. Im Fall der Fälle müsste ich nach Berlin fahren, um wirklich versierte Juristen auf diesem Gebiet zu finden. Dort habe ich dann freilich Auswahl. Das Ganze ist aber kostenintensiv und anstrengend.

Deine Ablenkung finde ich ja echt putzig. Als ob sich die realen Probleme, die ich und andere ansprachen, dadurch ändern ließen. Psychologen senken nicht die jahrelangen Wartezeiten auf Urteile beim Sozialgericht, zaubern keine kompetenten Anwälte in der Provinz herbei, sorgen nicht dafür, dass das Recht und die Vorgaben der BA in den Jobcentern angewandt werden.
Zuletzt geändert von Einfach nur ich am Sonntag 12. August 2018, 22:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Montecristo » Sonntag 12. August 2018, 22:51

kreisel hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 21:31
@Montecristo- lustige Idee, dass der Sicherheitsdienst zur Arbeit trägt, so ähnlich wie die Polizei Schulverweigerer
zur Schule bringen, aber nee.
Diesen Dienst gibt es bei mir in der Region nicht, vielleicht in Großstädten (also zum Schutz bei Gewalteskalationen,
nicht zur polizeilichen Überwachung der Arbeitsaufnahme).
Hatte ich so gemeint. Ansonsten Google Suchbegriff -> Jobcenter, Frankfurt, Security.

Und mit großen Diskussionen brauchst Du hier keinem zu kommen...
Bis 45 HC AB: Es kann sich ändern.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von kreisel » Sonntag 12. August 2018, 23:28

@mods
von mir aus können meine Beiträge hier auch wieder gelöscht werden. Mir brannte es etwas untern den Fingern,
die Aspekte des Sozialgesetzes reinzubringen oder wie es auch durchgeführt werden (sollte),
weil ich es auch schade finde, wie wenig darüber anscheinend gewusst wird.

Da ich aber selber vorher schon sagte, was mir zu politisch ist oder wozu auf die immer selben Mühlen
aufspringen / mitmachen, ist mein Verhalten wohl etwas inkonsistent.

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Kief » Montag 13. August 2018, 05:17

RaymondF hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 19:07
Optimistin hat geschrieben:Hat jemand von euch, wie oben erwähnt, Mal ganz ohne staatliche Unterstützung gelebt, also vom Ersparten, Hand in den Mund, o.ä.?
Vom Ersparten ja. Das ging aber bei mir nicht über längere Zeiträume.
In meinem Umfeld sind ja ein paar politische Aktivisten.
Manche von denen haben auch heftige Sanktionen.
Ralph Boes ist langzeit-100%-sanktioniert, bekommt also nichtmal Miete und Essen, lebt(e) allein von Spenden.
Eine Mutter kann die Miete nicht ueberweisen, kaempft darum, nicht rausgeschmissen zu werden. Bekommt durch die ausbleibenden Zahlungen Sorgerechtstrouble mit dem Vater, der ihre Situation ihr zur Last legt, soll sie doch zum Wohle des Kindes ihre Proteste und Rechte aufgeben!
Optimistin hat geschrieben:Versucht das Jobcenter dich nicht deshalb rauszukegeln? Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, wie die sich Arbeitsverweigerung bieten lassen, nach dem was ihr bisher so berichtet habt :gruebel:
Ich bin zwar nicht Kief aber antworte darauf trotzdem mal. [ ... ] Abwehr vieler Massnahmen möglich. [ ... ] Vielen Arbeitslosen fehlt nur die Energie und das Wissen [ ... ]
Genau das.
Gibt also durchaus Moeglichkeiten - aber das ist eben ggf. ein kraftzehrender Kampf, fuer den nicht immer die Energie da ist.
Zu den meisten Terminen sorge ich daher fuer Begleitung.

Allerdings trete ich selten so provokant auf, wie sonst im Privatleben.
Ich bin Harmonie-Mensch.
Das Ziel ist stets, mit meinem Vorgehen Harmonie zu erreichen.
Nur manchmal ist das mit vertretbarem Aufwand nicht erreichbar.
Manche Leute wollen belogen wollen.
Dann lohnt sich die Muehe nicht, und der politische Background kommt gar nicht erst zur Sprache.
Meine letzte Sachbearbeiterin hat vermutlich wegen meiner Schwerbehinderung von 60% durch Autismus mich massiv unterschaetzt, und wie im Kindergarten gesprochen. (Beim dritten Termin hat mich das dann genervt, aber zumindest war ich mir so sicher, dass sie sich keine Schikanen traut.)



Ausserdem unterscheide ich, ob ich einer Institution etwas vorwerfe, oder einem Individuum.
Unter den Angestellten mag es zwar auffallend viele Sadisten geben, aber auch die sind vermutlich weniger als 25%.
Und auch, wenn die ehrbaren gering an Zahl sind, so gibt es die doch.
Ich habe sogar unter dem Security-Personal jemanden gefunden, der unsere Proteste unterstuetzt.
Wenn ich also eine unbekannte Person vor mir habe, halte ich mich immer noch an die Unschuldsvermutung.

Selbst wenn ich einem ueblen Subjekt gegenuebersitze, bleibe ich hoeflich, bis ich Unverschaemtheiten identifiziere.
Bin ich in Begleitung, fallen die meistens eh geringfuegig aus.
Aber manchesmal, da verstehe ich die Unverschaemtheiten auch erst nach dem Treffen.
Gerade wenn ich alleine bin, passiert das leicht.
Dennoch - es ist im persoenlichen Kontakt wesentlich leichter, Grenzen zu wahren.
Eskalationen werden nicht ewig groesser, nur ganz dreiste und psychopathische Menschen machen das von Angesicht zu Angesicht, wenn ich/man auf Respekt pocht.

Im persoenlichen Kontakt funktionieren dezentere Hinweise, ich brauche nicht so dauer-provokant aufzutreten.
Ich bin nicht wie Ralph Boes oder die alleinerziehende Mutter.
Solange ich respektvoll behandelt werde, meine Grenzen respektiert werden, verwende ich durchaus ne Menge Energie auf fuer deeskalative Gespraeche.


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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Nonkonformist » Montag 13. August 2018, 16:40

Optimistin hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 07:51
Mir ist ein Sachverhalt doch noch schleierhaft:

Wie läuft das denn ab mit dem Jobcenter, wenn man jahrelang Unterstützung bezieht - muss man da auch alle 4 Wochen hin und nachweisen, wo man sich überall beworben hat?
Werden einem jedes 2. Mal Umschulungen vorgeschlagen oder muss man sich da selber drum kümmern? Und wenn man krank ist (wie einige hier schrieben), muss man dann jahrelang immer fortlaufend eine Krankschreibung vom Arzt beibringen? Irgendwann wird man doch Mal nem Amtsarzt vorgestellt oder?
Und wie ist das mit dem berühmten 1-€ Job, bekommt man den "verordnet"?
Und gibt es einen oder mehrere Zeitpunkte, wo das Jobcenter sagen kann "Du machst jetzt diesen Job oder wir streichen das Geld"?
Hat jemand von euch, wie oben erwähnt, Mal ganz ohne staatliche Unterstützung gelebt, also vom Ersparten, Hand in den Mund, o.ä.?
Als freiberufler hat man nicht so etwas wie arbeitslosengeld. Man spart um die luecken zwischen den auftraege zu uebebruecken und wann die reserven aus sind gibt es nur Hartz IV.
Dann gibt es beim Jobcenter sachbearbeiter und sachbeartbeiter. Ich hatte solche und solche.
Ich bin bevor ich hier ein Hartz IV beantragt habe aus den Niederlaendischen krankenversicherung rausgerutscht. Nicht krankenversichert, kein arbeitslosengeld, und wie ich mich ohne geld haette versichern sollen war mein problem, laut meine sachbearbeiterin. Ich bekam eine zeitbeschraenkte job in einen anderen stadt, muesste mein zimmer in clearinghaus aufgeben und bin nach einige monate obdachlos zurueck gekommen und letztendlich in einen obdachlosenheim gelandet.
Meine AGH-stelle (1,5, jetzt 2-Euro Job), war ganz freiwillig, ich wuerde dazu nicht gezwungen. Es war mir lieber mich zumindestens halbwegs nutzlich zu machen als nur rum zu sitzen. Man vermeidet zudem eine weile in einen wirklich nicht passenden, zumutmbaren job gezwungen zu werden. Termine beim jobcenter gibt es in diesen konstellation nur jedes halbes jahr. Der AGH-massnahme wuerde von maximum zwei jahre auf drei jahre verlaengert.
Jetzt wuerde mich einen weiterbildung im meinen eigenen fachgebiet, animation, benehmigt.
Meine arbeitsvermittlerin von einen maennerfuersorgeverein hat mich diese mit vermittelt, nachdem einige vorstellungsgepraeche bei nicht passenden arbeitsstellen gescheitert sind.
Seit ich mal zwangsgeraumt wuerde und eine weile obdachlos war, zudem beruflich schwer vermittelbar, bin ich schon eine art haertefall.
Ich kann mich am ende eigentlich nicht beschweren aber es ist sehr von den sacharbeitern abhaengig.
Wer nicht kooperiert kann tatsaechlich gekurtzt werden, eine ehemalige WG-mitbewohnerin ist das mal passiert, nachdem sie einen jobvorschlag verweigerte. (Einen job aks sozialarbeiterin - den arbeitsbereich wo sie vorher mit einen schlimmen burnout ausgestiegen war.)

Von Hartz IV kann man ueberleben aber nicht so ganz viel mehr.
Ich habe kaum ein sozialleben und komme noch zwei mal pro jahr ins kino.
Urlaub, nada.
Es gab fuer mich diesen fuersorgeverein, diese organisiert gratis ausfluege und so, da habe ich mich auch mal beteiligt, aber mit den Jobcenter hat das nichts zu tun.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Nell The Sentinel » Montag 13. August 2018, 16:45

Tyralis Fiena hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 19:59
Nell The Sentinel hat geschrieben:
Samstag 11. August 2018, 22:09
Ah, alles klar. Ist bei mir ähnlich: Ich hab den Glaubenssatz verinnerlicht, dass es ohnehin egal ist, was ich will. Also kämpfe ich erst gar nicht. Oder ich gebe freiwillig auf, weil ich zu viel Schiss habe zu kämpfen und zu verlieren.

*nickt* So ähnlich war das vor allem während meiner depressiven Phasen, da war mir auch alles shit egal. Daneben sind andere Empfindungen wieder ambivalent. Einerseits kann man froh sein, dass man unterstützt wird, aber andererseits schlägt man sich damit rum, sich gefühlt als "Verdächtiger" permanent rechtfertigen zu müssen.
Bei mir ist es keine stimmungsabhängige Einstelllung, sondern Teil meines Störungsmodells - Teil meiner Selbst. Ich muss also viel Arbeit reinstecken, um diese internalisierte Entwertung wieder aus meinem System zu kriegen. Denn egal ist es mir ja nicht. Ich würde eigentlich gern für mich einstehen, aber durch mein soziales Umfeld habe ich in meinen Kinder- und Jugensdjahren gelernt, dass meine Bedürfnisse nicht zählen und einfach über meinen Kopf hinweg für mich entschieden wird. Ich selbst habe dabei kein Mitspracherecht - die anderen wissen besser, was gut für mich ist.

Und wenn ich mich mit dem Wissen einem Sachbearbeiter gegenüber setze, der geübt darin ist Anträge abzuweisen, dann gehe ich als Verliererin vom Platz.
Erwachsensein ist schon scheiße

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Strange Lady » Sonntag 19. August 2018, 22:39

Einfach nur ich hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:50
kreisel hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:40
Einfach nur ich hat geschrieben:
Sonntag 12. August 2018, 22:35
@kreisel:

Was willst du damit ausdrücken? Ich versteh's nicht ganz, sorry.

Nur mal ein Bsp. zur Vergütung der Anwälte: Als bei unserem SG seinerzeit die Untätigkeitsklagen gegen die Jobcenter überhandnahmen, weil die Widersprüche nicht mal ansatzweise in der vorgegeben Frist laut SGG bearbeitet wurden, senkte das SG einfach das Anwaltshonorar dafür. Somit reduziert man ebenfalls das Interesse von Anwälten, sich auf diesem Gebiet zu engagieren.
ich will sagen, dass du dir viele negative Gedanken machst, was nicht geht und was unmöglich und sinnlos ist.

Da denke ich, dass bei dir auch eine psychische Belastung vorliegen könnte.

Und ich denke, dass die Lösung da nicht im weiter negativ denken und beweisen liegt, sondern eher gucken,
ob man Hilfe findet (Psychologe z B),
und wenn man das auch nicht schafft und diese Idee der Hilfe wird vom negativen Denken gefressen, vielleicht auch einen
gesetzlichen Betreuer sich sucht, der erstmal einige Dinge gemeinsam mit einem regelt.

Kostenlose Unterstützung erhält man an den meisten Orten wohl von Hartz IV Vereinen, sind wohl oft ehrenamtliche,
die auch begleiten können, wenn man selber kraftlos ist.
Solche Unterstützung gibt es vielerorts in der Provinz einfach nicht. Im Fall der Fälle müsste ich nach Berlin fahren, um wirklich versierte Juristen auf diesem Gebiet zu finden. Dort habe ich dann freilich Auswahl. Das Ganze ist aber kostenintensiv und anstrengend.

Deine Ablenkung finde ich ja echt putzig. Als ob sich die realen Probleme, die ich und andere ansprachen, dadurch ändern ließen. Psychologen senken nicht die jahrelangen Wartezeiten auf Urteile beim Sozialgericht, zaubern keine kompetenten Anwälte in der Provinz herbei, sorgen nicht dafür, dass das Recht und die Vorgaben der BA in den Jobcentern angewandt werden.
Mein Bruder -einfacher Abiturient - hat sich selbst vertreten, bis hoch zum Landessozialgericht und ist erfolgreich gewesen. Das JC musste ihm nachträglich mehrere Tausend Eur auszahlen.

Einfach selbst informieren und Widerspruch einlegen. Zum Glück ist Deutschland ein funktuonierender Rechtsstaat.

Wenn ich eins kapiert habe: Widerspruch einlegen ist schon die halbe Miete
00201220000021020101

Kief
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Kief » Sonntag 19. August 2018, 23:30

Strange Lady hat geschrieben:
Sonntag 19. August 2018, 22:39
Einfach selbst informieren und Widerspruch einlegen. Zum Glück ist Deutschland ein funktuonierender Rechtsstaat.

Wenn ich eins kapiert habe: Widerspruch einlegen ist schon die halbe Miete
Also, diejenigen, deren Sorgen ich mitbekomme, da gibt es eher haufenweise Klagen, dass unser Rechtssystem ausgehebelt ist.
(Oder dass bei den Entscheidungen die kritischen Punkte vermieden werden, weil sich zu viele Richter nicht trauen.
Schon echte Unterstuetzung zu finden ist ein rares Gut, welche Rechtsanwaelte das nicht des Geldes wegen machen, sondern bei Grundsatzverfahren auch Stress in Kauf nehmen.)

Da koennen die JobCenter zwar nicht ewig ihre kriminellen Entscheidungen aufrechterhalten,
aber der eine kaempft ewig darum, dass das JobCenter dann dem Urteil Folge leistet, und muss dann doch darunter bluten, waehrend das JobCenter einfach aussitzen kann,
und diverse andere wuerden gerne grundlegend den JobCentern die kriminellen Machenschaften austreiben, aber scheitern an juristischen Winkelzuegen.
Wenn vorsaetzlich in Entscheidungen kleine Besonderheiten gezielt eingebaut werden, damit Fehler eingeraeumt werden koennen, Beschluesse annuliert werden, bevor die Buerger sich nach Karlsruhe fuer Grundsatzentscheidungen durchsetzen koennen, oder indem ploetzlich Kulanzmoeglichkeiten herangezogen werden, damit die Sanktion bloss nicht aehnlich genug ist, um sie mit anderen Verfahren zu vergleichen, und Sammelverfahren so ausgehebelt werden.



Funktionieren darf nur, was nicht zu gefaehrlich die Grundsaetze hinterfragt.
Aber wenn es hart auf hart kommt, dann funktionieren Prozesse nicht mehr so "klaglos" ...
dann ist es ein knallharter Papierkrieg, in dem Unerwuenschtes bis zum Kollaps ausgebremst werden kann.

Wer an diversen Baustellen genug andere Probleme hat, der hat kaum die Ruhe, sich in die juristischen Ablaeufe und Fallen einzuarbeiten.


K

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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Montag 20. August 2018, 00:34

Strange Lady hat geschrieben:Mein Bruder -einfacher Abiturient - hat sich selbst vertreten, bis hoch zum Landessozialgericht und ist erfolgreich gewesen. Das JC musste ihm nachträglich mehrere Tausend Eur auszahlen.
Schön, dass es dein Bruder sogar allein geschafft hat, sich vor dem LSG erfolgreich durchzusetzen. Die Allermeisten würden es sicher nicht ohne anwaltliche Hilfe schaffen, weil sie psychisch/gesundheitlich oder auch intellektuell dazu gar nicht in der Lage wären oder weil sie schlicht nicht über Jahre auf tausende Euro verzichten könnten wie dein Bruder. Zahlte ihm sein Jobcenter nach dem Urteil eigentlich ohne extra Aufforderung die zustehenden Zinsen in Höhe von 4 % p. a. gem. § 44 SGB I?

@Kief: Du hast einige Probleme bei der effektiven Rechtsdurchsetzung gut skizziert. Interessieren würde mich auch mal, warum das Bundesverfassungsgericht die Richtervorlage betreffend die Sanktionen im Bereich des SGB II bis dato immer noch nicht entschieden hat. Sie stammt aus dem Jahr 2016; dazu sollte bereits letztes Jahr ein Urteil ergehen. 2018 neigt sich langsam, aber sicher auch schon dem Ende zu und nix passiert.
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Re: Grundsicherung - eine Frage an Bezieher

Beitrag von Einfach nur ich » Freitag 31. August 2018, 17:23

Ein guter Beitrag, der einen Blick in die reale Welt von Hartz IV liefert, wurde gestern bei "Plusminus" im Ersten gesendet. Nachfolgend das 7-minütige Video, das über die Links noch bis zum 05. September '18 verfügbar ist:

https://www.daserste.de/information/wir ... k-100.html

https://www.daserste.de/information/wir ... r-100.html
Rechtsanwalt Dirk Feiertag hat geschrieben:"Ich habe hier Fälle gehabt, da hat sich ein Mann über Monate von Blättern ernährt, weil er tatsächlich kein Geld bekommen hat, noch nicht einmal Lebensmittelgutscheine. Die Dunkelziffer von Menschen, die nie zum Anwalt gehen, die nicht zum Gericht gehen, die keinen Widerspruch einlegen, ist gerade bei Sanktionen unheimlich hoch. Das Leid, was dadurch verursacht wird, ist extrem."
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