Meine Geschichte und wo ich hin will

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Caligari
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Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Dienstag 11. Februar 2020, 03:16

Weiß nicht ob jemand, diesen langen Text hier überhaupt lesen will, aber diese Gedanken bedeuten mir etwas. Und sie wollen irgendwie raus. Bei den ganzen Threads hier über Dating oder Beziehungsanbahnung oder oder oder, lese und schreib ich zwar auch gerne mit, aber sie treffen gerade nicht das was ich eigentlich will. Ja, ich hätte gerne eine Beziehung, aber das ist gerade nichts, was ich wirklich beeinflussen könnte. Deswegen denke ich viel über mich nach, wer ich eigentlich bin, wer ich sein will und warum beides irgendwie in den letzten Jahren nicht so zusammengepasst hat. Ich hab das Gefühl, ich muss was tun. Nicht für andere oder um besser zu anderen zu passen. Sondern für mich, um wieder sagen zu können, das bist wirklich du und nicht deine Ängste, oder sonstwas.
Würde mich auf jeden Fall freuen, falls sich jemand die Mühe macht und es liest und vielleicht auch Gedanken dazu hat.


Also…
Ich hatte so mit 17/18 Jahren richtig große Probleme mit der Schule, die sich dann auf mein ganzes Leben zu der Zeit ausgewirkt haben. War wirklich eine schlimme Zeit damals. Die düsterste Zeit meines Lebens, würde ich sagen.
Irgendwann hab ich eigentlich gar nichts mehr gemacht und nur noch auf irgendeine Hilfe von außen gewartet. Die kam dann, zum Glück auch. Stationärer Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Ich mein, ich wollte da nicht hin, wer will das schon. Aber ich war mittlerweile 18, ich hätte jederzeit Nein sagen können. Hab ich aber nicht, weil ich einfach wollte, dass sich was ändert. Irgendwie. Also bin ich am einem kalten Februartag dort gelandet. War ein wirklich komisches Gefühl, so eine Mischung aus Jugendherberge und Krankenhaus mit natürlich strengeren Regeln. Erstmal werden deine Sachen gecheckt, ob du nicht irgendwas scharfes dabei hast und das war so der Moment, wo mir klar geworden ist, wo ich hier gerade wirklich gelandet bin. Also saß ich dann da auf meinem Zimmer, erstmal für mich allein. Die Mitpatienten, die schon länger da waren, hatten vormittags alle Programm. Ich saß da und hatte keine Ahnung was nun passieren würde. Ganz komisches Gefühl, was ich kaum beschreiben kann. Weder positiv noch negativ, sondern einfach nur ungewohnt und neu. Nach einiger Zeit, weiß nicht mehr wie lange, ist ja auch schon einige Jahre her, kam dann mein Zimmergenosse. Ein Junge, ungefähr mein Alter, vom Aussehen klassischer Emo-Typ. Haben uns dann etwas unterhalten, die erste Frage, die jedem dort gestellt wird, ist dann, warum man hier ist.
Ums kurz zu machen, wir waren uns weder besonders sympathisch noch besonders unsympathisch. Kamen gut miteinander klar, er war dann nach 2 Wochen aber auch nicht mehr da. Aber was ich bis heute noch weiß, ist dieser Moment, wo ich erfahren hab, dass er mit einer Mitpatientin dort zusammen war. Das kam mir zu diesem Zeitpunkt so absurd vor. Du kommst an diesen Ort, wo du nicht sein willst, dir gehts richtig dreckig und du bist am Tiefpunkt. Und andere finden an diesem Ort dann sogar eine Beziehung. Unglaublich.
Wie dem aber auch sei, die ersten Tage dort vergingen relativ ereignislos. In die Therapiesachen ist man die erste Woche, wo man da ist, noch nicht eingebunden und hat so viel „freie“ Zeit. Die ich meist für mich verbracht hab. Habe viel gelesen, etliche Bücher, Musik gehört und in meinen Gedanken geschwelgt. Dann im Verlauf der Zeit hab ich natürlich auch die Mitpatienten kennengelernt. Erstmal wollte ich eigentlich nichts mit denen zu tun haben. Wozu auch. Ich hatte meine eigenen Problem und die waren ja auch aus irgendwelchen Gründen da. Also eine Mischung aus Angst, Desinteresse und Unsicherheit, würde ich sagen, waren die Gründe, warum ich nichts mit anderen dort zu tun hatte. Trifft einiges heute leider auch noch zu :(
Aber mit der Zeit, ob ich wollte oder nicht, änderte sich das. Da gabs einige Fälle, oft waren das die jüngeren, wo du schnell gemerkt hast, da sind schwerwiegende Problem. Bei den älteren, würde jetzt sagen, alles so ab 14/15 Jahren, war das nicht immer so leicht zu merken, warum die hier waren. Natürlich waren die „Klassiker“ dabei, welche, die sich geritzt haben oder Magersüchtige. Da war ich jetzt also auch dabei und mittendrin.
Und was soll ich sagen, mit der Zeit hat sich was verändert. Ich bin „aufgetaut“. Denn es gibt zwei positive Dinge, wenn du an einen solchen Ort kommst:
1. Wenn du ganz unten bist, am absoluten Tiefpunkt, kann es nur nach oben gehen. Und jeder kleinste Schritt nach oben fühlt sich an, als würdest du endlich wieder Licht am Ende des Tunnels sehen. Verdammt gut und befreiend.
2. Du fühlst dich nicht mehr wie der einzige, der wirklich Probleme hat. Du musst nichts spielen. Musst nicht so tun, als würdest du klar kommen. Denn den anderen geht es genau so, sonst wären sie auch nicht dort.


Ich fühlte mich zum ersten Mal wieder einigermassen gut. Und ich lernte die Leute dort kennen, ihre Probleme. ihre Eigenschaften und ihren Charakter. Ich bekam einen neuen Zimmergenossen mit dem ich von der ersten Minute auf einer Wellenlänge war. Ich war offen. Ich konnte auf neue Menschen dort zugehen. Ich war Teil einer Gemeinschaft. Die Welt da draußen, in der ich nicht mehr klar gekommen war, war für eine Zeit lang egal. Dinge schienen wieder möglich, wo ich vorher keine Ahnung gehabt hatte, wie ich sie schaffen sollte. Ich hatte Hilfe, ein Sicherheitsnetz.
Und auf ein Mal kommt einem die Tatsache, dass man sich dort verliebt gar nicht mehr so absurd vor. Denn wo lernst du Leute so gut kennen, verbringst so viel Zeit mit ihnen. Und das ohne Maske, ohne irgendwelche Oberflächlichkeiten, die eh nichts wirklich zählen.
Und so ging’s mir dann auch. Nicht von heute auf morgen. Sondern ganz allmählich.
Sie war eine Mitpatientin, zwei Jahre jünger als ich und kam ungefähr eine Woche vor mir dort hin. Die erste Zeit ist sie mir nicht aufgefallen. Ich wüsste nicht, dass wir in meiner ersten Woche dort auch nur ein Wort gewechselt haben. Aber du brauchst auch deine Zeit um dort anzukommen, deine Rolle zu finden, herauszufinden, wer du eigentlich bist. Ich hatte wirklich andere Gedanken als Beziehungen in dieser Phase dort, wie glaube ich, jeder, der dort hinkäme.
Sie war auch eher ruhig und zurückhaltend und wie mir irgendwann im Laufe der Wochen aufgefallen ist, echt süß und verdammt hübsch.
Ich kam ja mit eigentlich allen dort gut klar. Aber ab irgendeinem Zeitpunkt verbrachte ich meine gesamte freie Zeit dort entweder mit meinem Zimmergenossen, mit dem ich mich echt gut verstand, oder eben mit ihr.
Abends saß die gesamte Gruppe immer im Aufenthaltsraum und es wurde Fernsehen geguckt. Ich weiß noch, wie wir dort saßen und sie sich an mich gekuschelt hat. Ist immer noch eine meiner schönsten Erinnerungen. Menschliche Nähe zu spüren von der Person, die du magst und der es auch gefällt deine Nähe zu spüren, ist ein wunderbares Gefühl. Fehlt mir.
Also ich hatte mich verliebt und werde nie erfahren wie es ihr ging, aber komplett egal scheine ich ihr ja auch nicht gewesen zu sein.
Leider hat diese Geschichte kein Happy End. Denn nach ungefähr 3 Monaten war meine Zeit dort vorbei. Ich saß eines Morgens mit meinen Eltern bei der zuständigen Psychologin, dir mir sagte, ich könne wieder nach Hause.
Nicht das wir uns falsch verstehen, ein Teil von freute sich wirklich. Das Problem, warum ich mal dort hinkam, war längst gelöst. Andere Problem waren mir damals, auch wenn es sie schon gab, nicht bewusst und ich wollte über sie nicht reden oder war noch nicht so weit. Und ganz ehrlich, welche 18-jährige mag es schon wenn ihm gesagt wird, wann er in Bett muss, wie sein Tagesplan aussieht und was es zu essen gibt. Von daher ja, ich hab mich auch gefreut wieder nach Hause zu kommen. Aber tief in mir, war ich nicht glücklich. Ich wollte nicht weg. Weg von diesen Menschen, weg von dieser Gemeinschaft, weg von dem Sicherheitsnetz und weg von ihr.
Ich hätte was sagen sollen, wurde ja gefragt, ob ich denke, ob ich so weit sei, war ich nicht. Aber ich hab nichts gesagt. Das ist die einzige Entscheidung, die wirklich bereue. Nicht das es groß was geändert hätte, außer vielleicht ein paar Wochen oder so mehr dort. Aber trotzdem.
Hab meine Sachen gepackt, mich von allen verabschiedet. Mit meinem Zimmergenossen gabs eine Umarmung und mir ihr natürlich auch eine sehr innige Umarmung und dann war ich raus.
Wieder in der „wirklichen“ Welt. Hier mach ich es jetzt kurz. Ich hab versucht Kontakt zu halten. Wirklich. Aber es war nicht dasselbe. Ich war nicht mehr dieser offene Mensch. Eine Hülle, die mich auf Distanz zu anderen hält, war auf einmal wieder da. Ich hab mit ihr, sie war ja noch in der Klinik, gechattet oder telefoniert. Und wir haben uns auch noch zweimal so getroffen. Aber das war nicht mehr dasselbe. Ich war wieder verschlossen, voller Selbstzweifel und traute mich nicht wirklich ich zu sein. Ihr zu zeigen, wie sehr ich sie mochte. So wurde die ganze Geschichte immer distanzierter, der Kontakt weniger und irgendwann war es vorbei.
Bis heute, würde ich sagen, dass einzige Mal wo es mir wirklich weh getan hat, zu wissen, dass ich diesen Menschen nie mehr wieder sehen. Sie in meinem Leben keine Rolle mehr spielt. Ich wirklich verliebt war.
Das ist jetzt etliche Jahre her. Warum schreibe ich also diesen Roman? Es ist nicht so, das ich dieser Zeit noch hinterhertrauere oder ständig an sie denke. Ich würde heute bestimmt einiges anders machen, bin nicht mehr derselbe Mensch. Ein paar Jahre älter, um einige Erfahrungen reicher und schlauer und, denke ich, kenne mich mittlerweile auch wesentlich besser.
Auch kriege ich diese Zeit, diese Menschen und die Gefühle von damals nicht mehr zurück. Aber manchmal ich erinnere mich noch gerne mit etwas Wehmut daran.
Und umso mehr ich das tue, umso mehr will ich wieder dieser Mensch sein, der ich in der kurzen Zeit dort war. Jemand der sich selbst mag und mit sich im reinen ist. Offen, mit weniger Selbstzweifel, mit anderen verbunden. Teil von etwas sein. Geht nicht von heute auf morgen. Aber etwas hab ich in den letzten Monaten schon geschafft und ich will weiter machen.
Und deswegen musste das hier jetzt raus.

:oops:
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Anouk-M » Dienstag 11. Februar 2020, 05:42

Hallo,

du hast einen tollen, langen Text geschrieben! Es war sehr schön ihn zu lesen. Ich selbst habe so etwas noch nie gemacht, obwohl im Nachhinein betrachtet hätte mir ein Aufenthalt an so einen Ort bestimmt auch gut getan.

Ich kann dich verstehen, irgendwann hast du einfach resigniert und konntest nicht mehr. Ein Aufenthalt in/bei einer Kinder- und Jugendpsychiatrie ist wahrscheinlich ein ultraharter Schnitt, allerdings glaube ich das es manchmal das Beste ist was man machen/erleben kann.

Ich habe gehört das Menschen, die ihre Zeit zusammen verbringen müssen, sich meist auch zusammenraufen ... auch wenn zusammenraufen ein starkes Wort ist ... miteinander abfinden würde evtl besser passen.

Und nachdem du aufgetaut bist, hast du dich geöffnet. Ich denke das ist vollkommen normal ... hoffe ich - wie gesagt ich bin selbst kein Profi was zwischenmenschliches angeht.

Das du dann ein Mädchen dort kennen gelernt hast, war m. M. n. der nächste (logische) Schritt. Denn ich denke du hast deine 'Verteidigungsmechanismen' ausgeschaltet, was allerdings nur in einer geschützten Umgebung funktioniert. Ich denke nicht dass das in der normalen Welt gehen würde.

Das du den Kontakt zu dem Mädchen nicht gehalten hast, kann dir niemand zum Vorwurf machen. Denn die richtige Welt ist kein geschützter Raum in dem sich Menschen entspannen können. Darum hast du wieder angefangen diesen Schutzwall aufzubauen.

Du hast recht, du bekommst das leider nicht mehr zurück, aber deine schönen Erinnerungen daran kann dir niemand nehmen.

Ich finde es sehr schön das du auf deinem richtigen Weg bist und entschlossen bist weiterzumachen. Denn wenn du irgendwann zurückschaust und erkennst was für eine Strecke du zurückgelegt hast, dann wirst du stolz auf dich sein können!

Ich hoffe das meine Antwort dir etwas geben kann und nicht zu oberflächlich ist. Ich kenne dich leider nicht, aber ich bin fest davon überzeugt dass du ein wirklich toller Mensch bist.

Ich wünsche dir viel Erfolg, viel Glück, viele schöne Momente und viele schöne Begegnungen.

Viele Liebe Grüße
Anouk
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Ich wäre gerne mutiger, klüger, stärker und schöner ... aber wäre ich dann noch ich selbst?

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von klecks » Dienstag 11. Februar 2020, 07:26

Hallo Caligari,
ich habe deinen Text gelesen - danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst. :umarmung2:
Ich glaube, dass du etwas formuliert hast, was einige kennen - nur nicht so gut formulieren können ... Ich finde es schade, dass wir "hier draußen" oft so distanziert und unpersönlich miteinander umgehen. Würde es uns nicht allen guttun zu wissen, dem/der anderen geht es im Grunde relativ ähnlich?
Ich wünsch dir ein gutes Gespür für dich selbst!

Und du hast ja einen Schatz, den du in dir trägst: Du kennst das Gefühl, wie es ist, sich mit einem Mädchen verbunden zu fühlen ... Es wird ganz sicher wieder Gelegenheiten bekommen, wieder zu erwachen!

:winken: Willkommen hier!

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Calliandra » Dienstag 11. Februar 2020, 16:32

Ich habe deinen Text auch gelesen und finde es toll, dass du diese Entwicklung gemacht hast – auch wenn du schreibst, dass du diese Offenheit und Authentizität im "normalen Leben" leider nicht so beibehalten konntest. Aber ich denke, das liegt einfach an der gesellschaftlichen Dynamik, dass man sich nicht immer und überall völlig authentisch gibt, sondern es einfach auch normal ist, im Alltag gewisse Dinge für sich zu behalten, was ja auch eine Art Selbstschutz ist.
Aber ist doch toll, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass du es trotzdem schaffst, dich vor bestimmten Leuten in einem geschützen Rahmen authentisch und mit allen Schwächen zu zeigen. Vielleicht kannst du ja zumindest versuchen, Freunde zu finden, die dir diese Vertrauensbasis bieten, dass du auch diese persönlichen Dinge in bestimmten Situationen ansprechen kannst – bzw. wenn du gute Freunde hast, dich ihnen peu à peu etwas mehr zu öffnen.

Wenn es dir in Freundschaften schwer fällt, wäre vielleicht eine Selbsthilfegruppe hilfreich, die man z. B. einmal wöchentlich besucht – denn auch da hat man ja einen ähnlichen Hintergrund wie in deiner damaligen Therapiegruppe – jeder hat ein Problem, mit dem er allein nicht weiterkommt und man tauscht sich dazu aus. Weswegen es auch wichtig ist, ehrlich zu sein und keine Fassade aufzubauen. Und da sich jeder verletzlich zeigt, ist es auch einfacher, das selbst zu machen.

Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass ich es sehr befreiend fand, hier die SHG zur AB-Problematik gefunden zu haben und mich da auf Augenhöhe austauschen zu können, ohne mich verstellen zu müssen.
Und das hat dann bei mir auch dazu geführt, dass ich dann endlich auch nach Ewigkeiten mal mit einigen engeren Freunden richtig darüber reden konnte. Auch wenn ich es z. B. immernoch nicht schaffen würde, mit meinen Eltern dieses Thema mal offen auf den Tisch zu packen (und mir momentan auch nicht vorstellen kann, dass das jemals möglich ist).

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Dienstag 11. Februar 2020, 17:17

Anouk-M hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 05:42
Hallo,

du hast einen tollen, langen Text geschrieben! Es war sehr schön ihn zu lesen. Ich selbst habe so etwas noch nie gemacht, obwohl im Nachhinein betrachtet hätte mir ein Aufenthalt an so einen Ort bestimmt auch gut getan.

Ich kann dich verstehen, irgendwann hast du einfach resigniert und konntest nicht mehr. Ein Aufenthalt in/bei einer Kinder- und Jugendpsychiatrie ist wahrscheinlich ein ultraharter Schnitt, allerdings glaube ich das es manchmal das Beste ist was man machen/erleben kann.

Ich habe gehört das Menschen, die ihre Zeit zusammen verbringen müssen, sich meist auch zusammenraufen ... auch wenn zusammenraufen ein starkes Wort ist ... miteinander abfinden würde evtl besser passen.

Und nachdem du aufgetaut bist, hast du dich geöffnet. Ich denke das ist vollkommen normal ... hoffe ich - wie gesagt ich bin selbst kein Profi was zwischenmenschliches angeht.

Das du dann ein Mädchen dort kennen gelernt hast, war m. M. n. der nächste (logische) Schritt. Denn ich denke du hast deine 'Verteidigungsmechanismen' ausgeschaltet, was allerdings nur in einer geschützten Umgebung funktioniert. Ich denke nicht dass das in der normalen Welt gehen würde.

Das du den Kontakt zu dem Mädchen nicht gehalten hast, kann dir niemand zum Vorwurf machen. Denn die richtige Welt ist kein geschützter Raum in dem sich Menschen entspannen können. Darum hast du wieder angefangen diesen Schutzwall aufzubauen.

Du hast recht, du bekommst das leider nicht mehr zurück, aber deine schönen Erinnerungen daran kann dir niemand nehmen.

Ich finde es sehr schön das du auf deinem richtigen Weg bist und entschlossen bist weiterzumachen. Denn wenn du irgendwann zurückschaust und erkennst was für eine Strecke du zurückgelegt hast, dann wirst du stolz auf dich sein können!

Ich hoffe das meine Antwort dir etwas geben kann und nicht zu oberflächlich ist. Ich kenne dich leider nicht, aber ich bin fest davon überzeugt dass du ein wirklich toller Mensch bist.

Ich wünsche dir viel Erfolg, viel Glück, viele schöne Momente und viele schöne Begegnungen.

Viele Liebe Grüße
Anouk

Danke für die wirklich netten Worte und das Kompliment. Kann ich nur zurückgeben. Ehrlich gesagt hat mir dein Text über das "misslungene" Date die Inspiration dafür geben, mir die Zeit zu nehmen und meine Geschichte hier aufzuschreiben. Auch ein großes Danke dafür.
Ja, Stolz auf sich selbst sein und Komplimente annehmen zu können, sind auch Dinge, die ich lernen musste und zum Teil sich noch immer irgendwie komisch anfühlen. Bin wahrscheinlich auch nicht der einzige, dem es da so geht.
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Dienstag 11. Februar 2020, 17:30

klecks hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 07:26
Hallo Caligari,
ich habe deinen Text gelesen - danke, dass du deine Gedanken mit uns teilst. :umarmung2:
Ich glaube, dass du etwas formuliert hast, was einige kennen - nur nicht so gut formulieren können ... Ich finde es schade, dass wir "hier draußen" oft so distanziert und unpersönlich miteinander umgehen. Würde es uns nicht allen guttun zu wissen, dem/der anderen geht es im Grunde relativ ähnlich?
Ich wünsch dir ein gutes Gespür für dich selbst!

Und du hast ja einen Schatz, den du in dir trägst: Du kennst das Gefühl, wie es ist, sich mit einem Mädchen verbunden zu fühlen ... Es wird ganz sicher wieder Gelegenheiten bekommen, wieder zu erwachen!

:winken: Willkommen hier!
Danke, freut mich wirklich, wenn anderen der Text auch was gibt.
Das man in der Welt draußen oft mit "Maske" rumläuft, ist wohl so. Was irgendwie natürlich in Grenzen auch nützlich und normal ist. Andererseits, so gehts zumindest mir, gefallen einem ja gerade die Menschen, die einen hinter diese "Maske" gucken lassen, oft besonders gut. Weil es etwas zu entdecken gibt und, weil es, finde ich, ein großer Vertrauensbeweis ist, wenn andere sich einem so zeigen, wie sie wirklich sind.
Wenn man anderen gegenüber das selber nicht macht, verpasst man vieles und wahrscheinlich auch viele tolle Menschen.

Ja, die Erinnerungen an die Gefühle und die ganze Zeit bleiben. Würde ich auch nicht hergeben.
Ich hatte aus der Zeit ja auch noch einiges an Zeugs. So Handwerkszeug, was man da als "Therapie" bastelt. Hab ich irgendwann alles weggeschmissen. Was soll ich auch damit. Und dann gabs noch ein Poster, was jeder Patient dort bekommt, wenn er/sie entlassen wird. Da unterschreiben dann alle Mitpatienten und die Betreuer drauf und schreiben noch nette Sätze dazu. Von ihr steht drauf: Ich werde dich vermissen. :oops:
Das hab ich immer noch. Liegt in meinem Elternhaus in meinem alten Zimmer hinterm Schrank. Werde ich immer behalten.
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Dienstag 11. Februar 2020, 20:41

Calliandra hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 16:32
Ich habe deinen Text auch gelesen und finde es toll, dass du diese Entwicklung gemacht hast – auch wenn du schreibst, dass du diese Offenheit und Authentizität im "normalen Leben" leider nicht so beibehalten konntest. Aber ich denke, das liegt einfach an der gesellschaftlichen Dynamik, dass man sich nicht immer und überall völlig authentisch gibt, sondern es einfach auch normal ist, im Alltag gewisse Dinge für sich zu behalten, was ja auch eine Art Selbstschutz ist.
Aber ist doch toll, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass du es trotzdem schaffst, dich vor bestimmten Leuten in einem geschützen Rahmen authentisch und mit allen Schwächen zu zeigen. Vielleicht kannst du ja zumindest versuchen, Freunde zu finden, die dir diese Vertrauensbasis bieten, dass du auch diese persönlichen Dinge in bestimmten Situationen ansprechen kannst – bzw. wenn du gute Freunde hast, dich ihnen peu à peu etwas mehr zu öffnen.

Wenn es dir in Freundschaften schwer fällt, wäre vielleicht eine Selbsthilfegruppe hilfreich, die man z. B. einmal wöchentlich besucht – denn auch da hat man ja einen ähnlichen Hintergrund wie in deiner damaligen Therapiegruppe – jeder hat ein Problem, mit dem er allein nicht weiterkommt und man tauscht sich dazu aus. Weswegen es auch wichtig ist, ehrlich zu sein und keine Fassade aufzubauen. Und da sich jeder verletzlich zeigt, ist es auch einfacher, das selbst zu machen.

Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass ich es sehr befreiend fand, hier die SHG zur AB-Problematik gefunden zu haben und mich da auf Augenhöhe austauschen zu können, ohne mich verstellen zu müssen.
Und das hat dann bei mir auch dazu geführt, dass ich dann endlich auch nach Ewigkeiten mal mit einigen engeren Freunden richtig darüber reden konnte. Auch wenn ich es z. B. immernoch nicht schaffen würde, mit meinen Eltern dieses Thema mal offen auf den Tisch zu packen (und mir momentan auch nicht vorstellen kann, dass das jemals möglich ist).
Auch dir, danke.
Ja, das mit dem Öffnen ist immer ein gewisses Problem. Wobei ich da sagen würde, dass ich den letzten anderthalb Jahren schon gute Fortschritte gemacht hab. Hab seit ich hier mit meinem Studium angefangen hab, einen Freundeskreis aufgebaut, der jetzt nicht gigantisch groß ist, aber ein paar Leute sind es schon und mit denen kann ich auch vertrauter reden und die auch mit mir.
Es gibt so Leute, bei denen ich direkt das Gefühl habe, auf einer Wellenlänge zu sein. Da findet man schnell Gemeinsamkeiten und das Ganze läuft irgendwie wie von selber.
Was ich immer noch schwierig finde, ist der ganze Rest. Menschen, die mir nicht unsympathisch sind, wo es aber nicht, wie gefühlt, von selbst läuft. Da bin oft immer noch unsicher und wenn ich in so einem Gespräch dann das Gefühl habe, ich bin derjenige der das ganze jetzt führen soll, der aktiv sein soll und auf andere zugehen soll, hab ich immer noch meine Unsicherheiten und fühle mich unwohl. Da kommen dann auch schnell wieder alte Selbstzweifel.
Aber, ich glaube, man darf auch nicht zu viel auf einmal erwarten. Das ganze ist ein Prozess. Und gerade bin ich eigentlich ziemlich zufrieden.
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Poseidon » Dienstag 11. Februar 2020, 22:47

Hey caligari

Danke für deine Geschichte. Dass du sie mit uns teilst!
Sie hat mich wirklich berührt!

Ich denke, das, was du in dieser Einrichtung erlebt hast, ist sehr typisch.
Man geht dahin und es ist wie eine eigene kleine Welt, die von Einflüssen von Aussen viel besser geschützt ist.
Die Menschen, die da sind, haben einen ähnlichen Background und man verbringt mit ihnen auch viel mehr Zeit, redet vielleicht über Themen, die man ansonsten nicht anschneiden würde. Das verbindet.
Wieder draussen, wird man aus der kleinen geliebten Welt rausgerissen und man muss sich gegen so vieles Verteidigen, was einem Angst macht, einem Schaden könnte.
Schlechte Erinnerungen kochen hoch und so bauen wir ganz schnell wieder eine Mauer um uns herum, die uns schützen soll.
Das ist in gewisser Weise auch wichtig, aber manchmal merken wir gar nicht, dass wir uns selbst hinter diesen dicken Mauern eingeschlossen haben und sie zu dick und zu hoch ist, um sie einreissen zu können.

Dass du das Gefühl von Verliebtsein erfahren durftest, ist ein grosser Schatz, auf den du sehr stolz sein kannst und den du unbedingt bewahren solltest!
Es gibt so viele Menschen, denen das Gefühl von Verbundenheit verwehrt bleibt. Es gibt so viele Menschen, die es mit Abhängigkeit von jemandem verwechseln oder die sich nur durch gegenseitiges Ausnutzen verbunden fühlen.
Ich darf mich auch glücklich schätzen, dass ich dieses Gefühl schon erleben durfte, wenn auch wie bei dir, am Ende nichts daraus geworden ist.
Aber vielleicht ist es gerade das Erlebte, was die Hoffnung am Leben erhält?
Immerhin wissen wir, dass wir intensive Gefühle zulassen können.

Zu lesen, wie es du Fortschritte machst, und dass es dir besser geht, ist toll! Und wenn du Menschen triffst, die sich wirklich dafür interessieren, was hinter deiner Maske oder der Mauer verbirgt, musst du diese unbedingt bewahren. Wie den Schatz!
Das ist oft anstrengend und nicht immer leicht, wie ich selbst gerade feststellen muss, denn irgendwie kehren mir gerade alle den Rücken zu, aber es ist auf jeden Fall machbar und lohnt sich am Ende.

Meine Antwort ist schon wieder viel zu lange und wahrscheinlich steht nichts drin, was dir irgendwas nützt. :mrgreen:
Deswegen bedanke ich mich einfach nochmals dafür, dass du deine Geschichte mit uns geteilt hast. :)

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von TaxiDriver » Mittwoch 12. Februar 2020, 03:43

Schöner Text, wirklich...

Das erinnert mich an meine Reha die Ich 2011 mal gemacht hab. auch wegen Kontaktangst usw. Ich war damals auch bei einem Psychologen in Behandlung deswegen.

Das waren jedenfalls die schönsten 8 Wochen in meinem Leben.

Ich hatte da auch eine Frau kennengelernt mit der Ich mich auf einer freundschaftlichen Ebene sehr gut verstanden habe. wir haben in den 8 Wochen auch viel zusammen unternommen. Leider riss der Kontakt danach unmittelbar ab....

Aber es stimmt was du schreibst: Man ist da wie in einer Seifenblase vor allem schlechten geschützt wenn man sowas macht und wird danach unvermittelt wieder in das reale Leben hineingeworfen... ging mir auch so.

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Anouk-M » Mittwoch 12. Februar 2020, 06:36

Caligari hat geschrieben:
Dienstag 11. Februar 2020, 17:17

Danke für die wirklich netten Worte und das Kompliment. Kann ich nur zurückgeben. Ehrlich gesagt hat mir dein Text über das "misslungene" Date die Inspiration dafür geben, mir die Zeit zu nehmen und meine Geschichte hier aufzuschreiben. Auch ein großes Danke dafür.
Ja, Stolz auf sich selbst sein und Komplimente annehmen zu können, sind auch Dinge, die ich lernen musste und zum Teil sich noch immer irgendwie komisch anfühlen. Bin wahrscheinlich auch nicht der einzige, dem es da so geht.
Hallo,

vielen lieben Dank. Es ist schön das ich dir die Inspiration gehen konnte. Das ist ein sehr schönes Gefühl :shylove:

Nein, da bist du wirklich nicht der einzigste ^^ das ist aber auch schwer, manchmal.
Nachts kommt alles hoch, was man den ganzen Tag über verdrängt hat.

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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Dienstag 18. Februar 2020, 23:42

Der letzte Text und die Reaktionen darauf haben mir wirklich was bedeutet und mir ein gutes Gefühl gegeben. Und schreiben mag ich einfach. Deswegen dachte ich mir, ich könnte Gedanken ja immer mal wieder so für mich ordnen und vielleicht haben andere ja auch irgendwelche Gedanken dazu.
Dieser Text ist bestimmt nicht so „schön“, so geordnet und für mich auch nicht so bedeutsam, wie der erste, aber ich wollte ihn trotzdem schreiben und hier reinstellen. Vielleicht fällt ja wieder jemandem was dazu ein.


Also...
Letzte Woche war ich auf zwei WG-Partys. Was wirklich außergewöhnlich ist, auch wenn ich in einer absoluten Studentenstadt wohne. Irgendwie aber kommt es dennoch sehr selten dazu. Was nicht heißt, das ich außerhalb der Uni nichts mache. Aber das läuft meist auf Abende in einer der vielen Studentenkneipen mit Freunden hinaus.
Also letzten Donnerstag waren wir bei der WG-Party einer Bekannten von einem meiner Freunde. Auf der einen Seite macht mir ja sowas durchaus Spaß. Bisschen rumsitzen, sich mit Bekannten unterhalten, was trinken und so weiter. Ich war mit einer Gruppe von vier Freunden da. Hab ein paar Bier und ein paar Shots getrunken und würde durchaus sagen, ich hatte eine gute Zeit. Aber was mir auch auffällt sind andere Situationen. Die meisten Menschen scheinen so viel besser darin zu sein, neue Menschen kennenzulernen. Für mich scheint das wirklich in Sekundenbruchteilen zu passieren. Da achte ich einen Moment nicht auf die eine Person, schaue wieder zu ihr hin und schon redet diese Person mit jemandem, den er/sie noch noch zuvor gesehen hat. Ich kann das irgendwie gar nicht oder noch besser gesagt, ich komme gar nicht in Situationen, wo ich es können müsste. Ich glaube, da laufen bei mir irgendwelche unterbewussten Prozesse ab, die dafür sorge, dass ich gar nicht in die Nähe von Menschen komme, die ich nicht kenne. Und ich glaub auch, dass ich das ausstrahle, nämlich dass ich mich nicht für neue Menschen interessiere. Aber ich hab wirklich keine Lust mehr auf diese Abwehrmechanismen mehr.
Am Tag darauf war ich auf der WG-Party eines Freundes. Und hab wieder viel von dem gleichen erlebt. Ich mein die Feier an sich war jetzt nicht so gut, wie am Tag zuvor. Ich war ehe noch etwas fertig vom Tag zuvor. Von den Leuten, mit denen ich gerne meine Zeit verbringe, sind einige schon früh gegangen und es waren ein paar Menschen da, die ich echt nervig fand. Fühlte mich an irgendeinem Moment wie Beobachter, aber nicht wie ein Beteiligter bei der ganzen Feier. Andere Menschen lernen neue Menschen kennen, reden mit einander und haben Spaß. Und ich stehe irgendwie daneben. Und ich weiß auch, dass ich das eigentlich kann. Aber wenn ich in solchen Situationen bin, sagt mir mein Gehirn nur: Verhalte dich normal. Und das ist echt der blödeste Gedanke, den du haben kannst. Weil was ist denn normal? Was solch ich mit diesem Gedanken anfangen? Wie soll ich mich da verhalten. Wenn ich denke, verhalte dich normal, mach ich alles aber bestimmt nicht mich „normal“ verhalten. Also gehe ich gar nicht erst auf andere Menschen zu. Und betrachte nur voller staunen (und mit etwas Neid), wie andere einfach sie selbst sind. Sie selbst und nicht irgendeine Form von „normal“.
Das gute ist, finde ich, ist es schonmal, dass mir sowas mittlerweile auffällt. Wenn auch erst danach. Aber man muss ja wo anfangen.
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Emily_Sturm » Mittwoch 19. Februar 2020, 11:12

Hmm eigentlich passt das doch alles super zusammen. Ich hab deine Story im Übrigen echt gern gelesen und es ist sehr spannend dir zu folgen. Ich danke dir bezüglich der Offenheit wegen der Therapie. Solche Einblicke sorgen dafür, dass solche Therapien nicht mehr so ein Tabu sind, über das man nicht spricht.

In deinem ersten Text hast du davon berichtet, dass du während deines stationären Aufenthalts Freunde gefunden hast, bzw eine junge Frau, die dir sehr zugesagt hat. Dass da diese Barrieren nicht waren, die dich gefangen gehalten haben, weil jeder etwas hatte. Man war nicht der Außenseiter, der nicht rund läuft. Du warst einer von vielen, die Probleme mit ihrem Leben haben/hatten und zwar Probleme unterschiedlichster Art. Und das ist auch gut so. Man lernt, dass man kein Aussätziger ist, dass man nicht allein ist, dass man das Recht auf Hilfe hat und diese auch bekommt. Man hilft aber auch anderen, weil man in den Bereichen besser klar kommt, als der Betroffene.
Heißt es ist hier ganz klar, dass du dich angenommen gefühlt hast. Niemand, der "komisch" ist, weil es nicht so klappt, weil es bei so vielen Leuten nicht klappt dort und sie alle ihr Päckchen tragen.
Du hast gesagt, nachdem du wieder draußen warst (das klingt irgendwie schräg nach Knast, ist aber nicht so gemeint), dass es sich änderte. Du hast dich in deine Mauer zurückgezogen und wieder Schutz gesorgt. Selbst Menschen, die dir zuvor wirklich nahe standen, entfernten sich durch diverse Mauern, die einfach dazwischen aufgetürmt waren.

Man denkt sich, jetzt bin ich wieder unter normalen Menschen, die werden mich verurteilen für meine Probleme oder weil ich nicht so aus mir herauskommen kann. Was aber, wenn ich dir sage, dass auch jeder Mensch sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Egal, wie groß es ist. Jeder hat irgendeinen Tick oder ein Problem, niemandes Leben läuft komplett rund, so ist das Leben. Du solltest erstmal damit aufhören die "Anderen" von dir zu unterscheiden. Du bist okay so, wie du bist, du musst dich selbst aber auch akzeptieren. Unbewusst gehst du doch in der realen Welt immer in diese Abwehrhaltung und vermutlich wirkt das auch daher nach Außen, sodass die anderen diese Barriere spüren, obwohl du das gar nicht willst. Wenn du da einige Freunde hast, würde ich dir raten dich erstmal in dieser Gruppe aufzuhalten und Spaß zu haben. Sind deine Freunde richtige Vertraute? Also wissen Sie von deinen Geheimnissen? :) Wenn nein, wäre da jemand bei, mit dem du dir vorstellen könntest darüber zu sprechen? Evtl. kann dir so geholfen werden, dass du mit deiner sicheren Gruppe mehr ins Geschehen eintauchst.

Ich wurde bisher immer wegen Ehrlichkeit belohnt und das interessante ist ja, dass man von sich selbst irgendwie denkt, man wäre nicht gesellschaftskonform oder würde sich schräg verhalten. Dabei ist das im Grunde gar nicht so. Wir sehen uns nur so. Irgendwann letztes oder vorletztes Jahr, was eine meine düstersten Zeiten in meinem Leben war, haben mich Freunde irgendwann gefragt, wie ich denn darauf käme, dass mich niemand mögen würde? Ich hätte doch schließlich sie! Freunde! Und sie haben mir eine Rückmeldung gegeben, wie ich auf andere Menschen wirke und bis auf etwas schüchtern, war da nie ein Problem. Mir hat meine Therapie da extrem bei geholfen das endlich zu kapieren. Mittlerweile hilft mir die Einstellung, ich sag das, was ich sagen will und klar bin ich auch höflich, aber ich verstelle mich nicht. Wer mich nicht mag, der mag mich eben nicht, dem will ich aber auch nicht gefallen, weil dann müsste ich mich verstellen. Und die richtigen Menschen mögen und lieben dich so, wie du bist.

Es ist glaube ich ganz wichtig, dass du verstehst, dass du kein Außenseiter bist. Du bist einfach etwas ruhiger, aber stille Wasser sind bekanntlich tief. Trau dich! Hol dir ein Getränk, wenn da jemand steht, frag die Personen, was sie studieren, welches Semester, wegen wem sie hier sind oder so... einfach drauf los reden und nicht warten, bis jemand zu dir kommt. Stell dir dein Worst Case Szenario vor und überlege dir, wie wahrscheinlich es ist, dass dieses eintrifft. Meistens ist das sehr, sehr unwahrscheinlich.

Es geht irgendwie immer noch alles darauf zurück, dass du deine Mauer aufrecht erhältst und dass du Angst hast, dass da jemand zu genau einen Blick hinter werfen könnte aus Angst vor der Ablehnung und Verurteilung. Dich wird es aber überraschen, wie tolerant die meisten Menschen sein können. Außerdem will niemand von dir deinen Lebenslauf direkt zu beginn wissen. Erstmal geht es nur um die Neugierde, dass da ein fremder Mensch mit einer ganz eigenen, spannenden Geschichte ist. Menschen sind unglaublich neugierig. :cooler:
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Freitag 21. Februar 2020, 23:14

Emily_Sturm hat geschrieben:
Mittwoch 19. Februar 2020, 11:12
Hmm eigentlich passt das doch alles super zusammen. Ich hab deine Story im Übrigen echt gern gelesen und es ist sehr spannend dir zu folgen. Ich danke dir bezüglich der Offenheit wegen der Therapie. Solche Einblicke sorgen dafür, dass solche Therapien nicht mehr so ein Tabu sind, über das man nicht spricht.
Vielen Dank für die lieben Worte. Ja, finde ich auch wichtig, dass man psychologischen Themen raus aus dem Tabu holt und "normalisiert".
Dein Text hat mir wirklich viel zum reflektieren gegeben. Hat Spa0 gemacht zu antworten.
In deinem ersten Text hast du davon berichtet, dass du während deines stationären Aufenthalts Freunde gefunden hast, bzw eine junge Frau, die dir sehr zugesagt hat. Dass da diese Barrieren nicht waren, die dich gefangen gehalten haben, weil jeder etwas hatte. Man war nicht der Außenseiter, der nicht rund läuft. Du warst einer von vielen, die Probleme mit ihrem Leben haben/hatten und zwar Probleme unterschiedlichster Art. Und das ist auch gut so. Man lernt, dass man kein Aussätziger ist, dass man nicht allein ist, dass man das Recht auf Hilfe hat und diese auch bekommt. Man hilft aber auch anderen, weil man in den Bereichen besser klar kommt, als der Betroffene.
Heißt es ist hier ganz klar, dass du dich angenommen gefühlt hast. Niemand, der "komisch" ist, weil es nicht so klappt, weil es bei so vielen Leuten nicht klappt dort und sie alle ihr Päckchen tragen.
Du hast gesagt, nachdem du wieder draußen warst (das klingt irgendwie schräg nach Knast, ist aber nicht so gemeint), dass es sich änderte. Du hast dich in deine Mauer zurückgezogen und wieder Schutz gesorgt. Selbst Menschen, die dir zuvor wirklich nahe standen, entfernten sich durch diverse Mauern, die einfach dazwischen aufgetürmt waren.
"Draußen" passt schon ganz gut. Ist ziemlich genau die Wortwohl, die mir dazu auch einfällt. Das schwierige ist, dass ich gar nicht immer merke, dass ich gerade so Mauern hochziehe. Das war damals unbewusst und ist es auch heute noch zum Teil. Mittlerweile ist es aber schon mal so, dass ich dass währenddessen oder kurz nach irgendwelchen Situationen merke. Nach dem Motto: Hey, dass warst doch gerade gar nicht du, sondern nur so eine Art Hülle von dir. Als würde ich im Kontakt mit anderen auf eine Art Autopilot schalten. Aber das ist auch schon deutlich besser geworden und alles gerade Work in Progress. Nächste Schritt ist dann diesen Autopiloten gar nicht erst anzuschalten. :boxing:
Man denkt sich, jetzt bin ich wieder unter normalen Menschen, die werden mich verurteilen für meine Probleme oder weil ich nicht so aus mir herauskommen kann. Was aber, wenn ich dir sage, dass auch jeder Mensch sein eigenes Päckchen zu tragen hat. Egal, wie groß es ist. Jeder hat irgendeinen Tick oder ein Problem, niemandes Leben läuft komplett rund, so ist das Leben. Du solltest erstmal damit aufhören die "Anderen" von dir zu unterscheiden. Du bist okay so, wie du bist, du musst dich selbst aber auch akzeptieren. Unbewusst gehst du doch in der realen Welt immer in diese Abwehrhaltung und vermutlich wirkt das auch daher nach Außen, sodass die anderen diese Barriere spüren, obwohl du das gar nicht willst. Wenn du da einige Freunde hast, würde ich dir raten dich erstmal in dieser Gruppe aufzuhalten und Spaß zu haben. Sind deine Freunde richtige Vertraute? Also wissen Sie von deinen Geheimnissen? :) Wenn nein, wäre da jemand bei, mit dem du dir vorstellen könntest darüber zu sprechen? Evtl. kann dir so geholfen werden, dass du mit deiner sicheren Gruppe mehr ins Geschehen eintauchst.
Auch da ist viel richtiges dabei. Wobei ich sagen würde, auf diesem Weg bin ich schon. Aber jahrelang antrainierte Denkmuster ändern sich (leider) auch nicht über Nacht, von daher immer weiter arbeiten. Schritt für Schritt.
Vertrauen in andere Menschen ist zum Beispiel sowas, was ich erst wieder lernen musste und immer noch muss. Ich weiß auch gar nicht, warum das im Laufe meiner Jugend mir irgendwann abhanden gekommen ist. Ich hab eigentlich nie wirklich schlechte Erfahrungen mit anderen Menschen, die mir nahe standen, gemacht. Keine Ahnung.
Ja, ich hab zwar keinen riesigen Freundeskreis und durch das Studium, was auch noch nicht so lange dauert, sind das auch alles relativ neue Freunde. Aber da sind doch ein paar dabei, denen ich schon einiges privates erzählt habe und dir mir auch einiges privates von sich erzählt haben. Was das angeht, fühle ich mich wirklich so gut, wie lange nicht mehr.
Ich wurde bisher immer wegen Ehrlichkeit belohnt und das interessante ist ja, dass man von sich selbst irgendwie denkt, man wäre nicht gesellschaftskonform oder würde sich schräg verhalten. Dabei ist das im Grunde gar nicht so. Wir sehen uns nur so. Irgendwann letztes oder vorletztes Jahr, was eine meine düstersten Zeiten in meinem Leben war, haben mich Freunde irgendwann gefragt, wie ich denn darauf käme, dass mich niemand mögen würde? Ich hätte doch schließlich sie! Freunde! Und sie haben mir eine Rückmeldung gegeben, wie ich auf andere Menschen wirke und bis auf etwas schüchtern, war da nie ein Problem. Mir hat meine Therapie da extrem bei geholfen das endlich zu kapieren. Mittlerweile hilft mir die Einstellung, ich sag das, was ich sagen will und klar bin ich auch höflich, aber ich verstelle mich nicht. Wer mich nicht mag, der mag mich eben nicht, dem will ich aber auch nicht gefallen, weil dann müsste ich mich verstellen. Und die richtigen Menschen mögen und lieben dich so, wie du bist.
Das freut mich für dich, und die Erfahrung kann ich gut nachvollziehen. Die Erfahrung, dass andere Menschen (egal in welche Art von Beziehung) einen wirklich mögen, ist manchmal was, was einem gar nicht richtig klar und deutlich ist. Umso schöner, wenn man sich dessen doch bewusst wird.
Ich merk bei mir immer so einen kleinen inneren Skeptiker, der versucht, dass wieder irgendwie beiseite zuschieben. Der ist zwar schon deutlich leiser, aber auch doch gibt es immer noch Momente. Der andere, viel positivere Teil, den muss ich noch lauter bekommen.
Es ist glaube ich ganz wichtig, dass du verstehst, dass du kein Außenseiter bist. Du bist einfach etwas ruhiger, aber stille Wasser sind bekanntlich tief. Trau dich! Hol dir ein Getränk, wenn da jemand steht, frag die Personen, was sie studieren, welches Semester, wegen wem sie hier sind oder so... einfach drauf los reden und nicht warten, bis jemand zu dir kommt. Stell dir dein Worst Case Szenario vor und überlege dir, wie wahrscheinlich es ist, dass dieses eintrifft. Meistens ist das sehr, sehr unwahrscheinlich.
Im Moment kommt mir das immer noch wie ein ziemlich hoher Berg vor, aber zumindest ein paar Meter hab ich da schon gemacht. Und das ist auch wo ich hin will.
Es geht irgendwie immer noch alles darauf zurück, dass du deine Mauer aufrecht erhältst und dass du Angst hast, dass da jemand zu genau einen Blick hinter werfen könnte aus Angst vor der Ablehnung und Verurteilung. Dich wird es aber überraschen, wie tolerant die meisten Menschen sein können. Außerdem will niemand von dir deinen Lebenslauf direkt zu beginn wissen. Erstmal geht es nur um die Neugierde, dass da ein fremder Mensch mit einer ganz eigenen, spannenden Geschichte ist. Menschen sind unglaublich neugierig. :cooler:
Ja, ich hätte lange Zeit immer gesagt, dass sich andere Menschen nicht für mich und ich mich nicht für anderer Menschen interessiere. War ein fester Glaubensgrundsatz.
Der stimmt aber nicht. Ich interessiere mich für andere Menschen. Das ist nur im Laufe der Zeit irgendwie unter einem Berg an negativen Gedanken und Ängsten begraben wurden und komm jetzt so ganz langsam, Schritt für Schritt, wieder zum Vorschein.
Und andere Menschen interessieren sich auch für mich. Sonst wär ich nicht gefühlt alle Paar Tage mit Freunden hier in der Stadt unterwegs.
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Re: Meine Geschichte und wo ich hin will

Beitrag von Caligari » Mittwoch 26. Februar 2020, 01:17

Ich hoffe es ist okay, wenn ich denselben Betrag in zwei verschiedene Threads poste. Aber ich hätte alle meine "Gedankenordnungs-Posts" (schönes Wort :lol:) doch gerne in einem Thread beisammen. Und der Karnevalsbeitrag passt ja auch hier rein.
Wenn jemand dazu was schreiben will, kann er/sie sich den Thread ja frei auswählen. ;)


Also...
So zwei Tage Karneval in Köln liegen hinter mir. Waren insgesamt schöne Tage. Und ich fand’s auch sehr lehrreich und interessant. Sonntag nachmittags sind wir (2 Freunde & ich) in die Stadt reingefahren und ich mag einfach diese generelle Partystimmung, die dann in der ganzen Stadt herrscht. Muss man natürlich auch bereit sein irgendwie mitzumachen, also wer gar nichts für Alkohol, laute Musik und große Menschenmengen übrig hat, für den werden diese Tage wohl absolut furchtbar sein. Aber das Problem hab ich, trotz aller Introvertiertheit und vermeintlicher Sozialphobie, zum Glück nicht. Ziemlich schnell sind wir dann in einer der Kölner Kneipen gelandet, die wir schon vom letzten Jahr konnten und wo die Atmosphäre echt gut ist. Für 2 Tage gefällt mir dann auch das Kölner Liedgut, was natürlich überall läuft. Da saßen wir dann, haben ordentlich Kölsch getrunken und gelabert. Später ging es dann noch in zwei andere Kneipen. Ist auch interessant, wie unterschiedlich die Atmosphäre je nach Kneipe ist. Eine war so eine klassische leicht alternative Studentenkneipe, die irgendwie gar nicht so recht in das ganze Karnevalstreiben hineinpasste. Normalerweise wär das echt mein Ding, aber an dem Sonntag hat es bei mir eher für melancholisch Gedanken gesorgt. Die andere Kneipe war dann wieder Karneval pur. Dieses mal auch mit Tanzen, was in der ersten Kneipe nicht wirklich geht, weil das überall noch Tische stehen. Nun bin ich wirklich kein großer Tanzfreund, aber wenn du eh schon was getrunken hast, die ganze Kneipe um dich herum eh feiert und du die Musik nicht komplett bescheuert findest, wirst du da einfach mitgerissen. Und dann macht mir das auch Spaß.
Das sind dann aber auch Momente, wo ich merke ich muss das irgendwelche diffusen Ängste und Denkmuster aktiv beiseite schieben, um wirklich einfach nur in dem Moment ich zu sein und Spaß zu haben. Das ist irgendwie anstrengend, aber auch schön für jeden Moment wo ich das schaffe. Deswegen bin ich auch ein bisschen stolz, dass ich dieses Jahr zum ersten Mal seit langem wieder richtig im Kostüm unterwegs war und dann auch noch eins was in gewisser Weise zu mir wirklich passte. Hat sich gut angefühlt und zumindest vereinzelte Komplimente gab es auch noch dafür. Auch sonst gab es ein paar Momente, wo ich gemerkt hab, so hier kannst du jetzt wieder dein Denkmuster erfüllen oder du machst es aktiv anders. Und bei einigen kleinen Sachen hat das auch geklappt.
Aus Sicht von jemandem, der gerne eine Beziehung hätte, ist Karneval natürlich auch interessant.
Die Tage laufen so viele attraktive Mädels durch Köln und das zum Großteil auch noch in verdammt heißen Kostümen.
Ich staune auch immer wieder, dass denen bei dem Wetter in den kurzen Sachen nicht kalt ist.
Auf der einen Seite schön anzuschauen, auf der anderen Seite natürlich auch etwas deprimierend, wenn du in den Kneipen dann ständig Pärchen, welcher Art auch immer, um dich herum hast, die eng aneinander geschmiegt tanzen oder sonst irgendwie rummachen. Aber schlußendlich lass ich mir dadurch auch nicht den Spaß am Karneval verderben. Ich bin eh jemand, der auch wenn er eine attraktive Frau sieht, kaum das Verlangen hat, da irgendwas zu unternehmen. Das ist kein wirkliches Verlangen da, die anzusprechen oder so. Das hab ich eigentlich nur bei bestimmten Frauentypen, die etwas zurückhaltend, ruhiger und schüchterner wirken. Ist halt so. Ob das jetzt wirklich ich bin oder ob das wieder irgendwelche über Jahre antrainierten Verhaltensweisen bzw. Verdrängungsmechanismen sind, weiß ich auch noch nicht.
Auf jeden Fall hab ich dieses Jahr irgendwie unbewusst viel mehr auf die Menschen um mich herum geachtet als die Jahre zuvor. Das war nicht geplant, ich finds im Nachhinein auch ganz gut, obwohl ich mir in ein paar wenigen Momenten doch sagen musste. Hör auf die Leute um dich herum zu beachten, raus aus deiner Gedankenwelt und hab einfach Spaß. Das klappte dann aber auch.
Am Rosenmontag waren wir dann natürlich erst mal beim Umzug dabei und haben uns den zum Teil angeguckt. Mein Gott dauert das lange, immerhin wird man gratis mit Essen versorgt :)
Hab auch bewusst wieder auf das ganze Umfeld um mich herum geachtet. Da kriegt man dich einiges an Flirts und Anmachen mit, wenn man mal drauf achtet. Ist irgendwie lustig mitanzusehen, manchmal auch irgendwie nervig. Mir fehlt da ehrlich gesagt auch die Phantasie mich in so einer Situation vorstellen zu können. Generell auf Leute aktiv und offen auf Leute zugehen lieht momentan ja leider noch außerhalb meiner Komfortzone, das an Karnal bei irgendeinem Mädel zu machen, ist gleich ein komplett andere Planet. Wie gesagt, zum Glück stört much das die meiste Zeit nicht. Trotzdem fand ich es interessant wie einfach das anderen Menschen zu gelingen scheint oder wie egal es ihnen ist, wenn es nicht gelingt. Das Leben kann so einfach sein.
Nach dem Zug sind wird noch etwas in der Innenstadt herumgelaufen, haben Kölsch getrunken und sind dann in einer wirklich guten Kneipe gelandet. War auch wieder eher zum Tanzen, hat eine richtig gute Atmosphäre gehabt und war wirklich voll.
Da kannst du dann während du feierst wirklich gut die komplette Bandbreite an menschlichem Verhalten und „Balz“ beobachten. Hat zum Teil echt Humorpotential. Von einer die sich durch die halbe Kneipe knuscht und die etwas genervten Blicke der Typen, die vorher dran waren und sich wohl mehr erhofft hatten bis zum Pärchen, dass den ganzen Abend eng miteinander verschlungen herumtanzt. Ich ich war mittendrin, guck mir das mit einem leicht melancholischen Auge an und hatte aber trotzdem verdammt viel Spaß an der ganzen Sache.
Aufgefallen sind mir dann noch zwei Mädels, die gemeinsam da waren und die genau meinem Frauentyp entsprachen. Also eher etwas zurückhaltender und ruhiger. Eine von den beiden fand ich auch optisch echt wirklich süß und attraktiv.
Das sind so Momente, wo ich doch irgendwie hadere so zu sein, wie ich bin oder besser gesagt, wie ich gerade bin. Denn natürlich traue ich mich da nicht, gerade in der Situation, irgendwie aktiv zu werden. Und selbst wenn ich das könnte, hätte ich überhaupt keinen Plan was und wie. Hab dann aus dem Augenwinkel noch mitbekommen wie ein Typ die andere von den beiden angesprochen und mit ihr kurz getanzt hat und dann versucht dafür zu sorgen, dass sich sich sein Kumpel, den der noch dabei hatte, davon zu überzeugen sich doch mit ihrer Freundin (die ich attraktiv fand) zu beschäftigen. Der hatte dazu aber überhaupt keine Lust. C’est la vie, so unterschiedlich können augenscheinlich Geschmäcker sein.
Kurz darauf waren die beiden weg und so ne dreiviertel Stunde später waren auch die beiden Mädels weg.
Wir waren dann bis, glaube ich, 3 Uhr in der Kneipe und haben dann auch Feierabend gemacht. Auf den Straßen war da schon deutlich weniger los und die Kehrmaschinen kamen raus und fingen an die Spuren von Rosenmontag zu beseitigen. Es dann auch irgendwie ein schönes Abschlussbild vom Rosenmontag in Köln.
Das Fazit? Mit leicht melancholischer Note hat es trotzdem verdammt viel Spaß gemacht und wenn nichts dazwischenfunkt sind wir wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder in Köln.
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