Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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virtually pt.1
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Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von virtually pt.1 » Montag 13. Januar 2020, 22:13

Hallo zusammen
Ich bin neu hier und eröffne ein neues Thema, das natürlich immer das gleiche Thema ist...
Seit einem Viertel Jahrhundert nun schon plage ich mich mit der Frage, warum ich offensichtlich keine normale Beziehung zu anderen Menschen im Allgemeinen und zum weiblichen Geschlecht im Besondern habe. Einzelgängerisches, grüblerisches Wesen und Unzufriedenheit mit mir selbst haben mich wohl immer schon ausgemacht, mit den Jahren wurde daraus aber nach und nach ein Leben geprägt von Angst und sozialem Rückzug. Warum das so ist, weiß ich bis heute nicht so wirklich, aber eines weiß ich mit Bestimmtheit - dass es so einfach nicht weiter gehen kann.
Ich möchte hier schriftlich einige Selbstreflexionen festhalten, einerseits für mich (ich schreibe jetzt mit größtmöglicher Spontaneität), andereseits für andere - wer hat ähnliche Erfahrungen gemacht? Ich habe mich schon etwas in das Forum eingelesen und finde hier sehr viel, das ich total unterschreiben kann, das ich selbst erfahren habe, aber auch einiges, was ich komplett anders sehe.
Zunächst bin ich davon überzeugt, dass "ABtum" / "unfreiwillige Beziehungsosigkeit" ein psychologisches Thema ist. Jeder, der darunter leidet (und wenn jemand nicht darunter leidet, ist diese/r jemand offensichtlich glücklich) hat zunächst und vor allem ein Problem mit sich selbst. Ich schreibe jetzt aus meiner Perspektive, aber glaube man kann vieles davon gut verallgemeinern.
Ich gebe jetzt ganz einfach einmal ein paar Beispiele, die sich mir aus meinem bisherigen Leben fest ins Gedächtnis eingebrannt haben.
Während meiner Schulzeit, mit 16/17, kannte ich ein Mädchen aus meiner Klasse, das mich geküsst hat - ziemlich intensiv sogar, aber es waren wohl "Freundschafts" bzw. spielerische Küsse. Von wem die Initiative ausging, kann ich nicht mehr sagen. Mehr wurde daraus jedenfallls nicht. Kurze Zeit später erfuhr ich, dass sie einen Freund hat. Von den Klassenkameraden wurde ich, wenn schon nicht gemobbt, damit aufgezogen.
Damals war ich jedenfalls guter Dinge, dass sich bei mir alles "normal" entwickeln würde und ich wohl bald eine Freundin finden / sexuelle Erfahrungen sammeln würde, wie so viele Gleichaltige (dunkle Vorahnungen, dass es anders kommen könnte, hatte ich allerdings auch schon...)
Die nächsten Jahre herrschte diesbezüglich Funkstille.
Darauf folgten dann mehrere Begegnungen, die jeweils von dem Mädchen / der Dame ausgingen (!). Konkret, ein Treffen am Rande einer Studentendemo. Sie: "Gehen wir noch was trinken" (oder so ähnlich), ich: Nein! :wuetend:
Nach einer nicht bestandenen Führerscheinprüfung, sie: "Gehen wir noch...", ich: Nein! :wuetend:
Ich hatte damals schlicht Angst, richtige Panik. Vor Nähe, darauf, das "es" sich jetzt endlich ergeben könnte. Diese hält sich bis heute.
Auch gab es wohl den Versuch eines damals bestehenden (längst nicht mehr existierenden) Freundeskreises, mich mit Anfang 20 zu verkuppeln, jedenfalls interpretiere ich das rückblickend so. Natürlich erfolglos. :wuetend:
...wieder ein paar Jahre nichts...
Dann, mit Ende 20, die Bekanntschaft während eines Praktikums bei einem Verlag. Plötzlich küsst sie mich am Bahnhof, Meine Reaktion? Ich habe es komplett ignoriert! :wuetend: Warum bin ich nicht _irgendwie_ darauf eingegangen?! Sie muss mich für einen kompletten Idioten oder für schwul (kein Disrespekt!) gehalten haben.
Wieder jahrelange Pause...
Bis vor ein paar Jahren, mittlerweile im Berufsleben angekommen und vom grauen Büroalltag gestresst /gelangweilt, Begegnung mit einer Kollegin aus der Nachbararbteilung. Eine unausgesprochene Verliebtheit, ich glaube fast sicher beidseitig. Nach einiger Zeit hat sie die Firma verlassen , bei der Verabschiedung war es mir, als bestehe eine zarte, geistige Verbindung zwischen uns, als würden wir einander zuflüstern: "Ich liebe dich!"... Das mag sich jetzt total lächerlich lesen, aber es war so. WARUM habe ich nicht in irgend einer Form darauf reagiert?! :wuetend:
Seitdem nichts mehr...
Fazit: Offensichtlich ist es nicht an meinem Äußeren gelegen, keine "handfesten" Begegnungen mit dem weiblichen Geschlecht gemacht zu haben in einer Altersspanne, wo das für die "normale Mehrheit" selbstverständlich ist. Was auch in diesem Forum immer wieder zu lesen ist, dass es an Äußerlichkeiten liegt. Das ist meiner Ansicht nach vollkommen falsch und auch empirisch wiederlegt.
Vielmehr lag und liegt es offensichtlich an einem verkehrten Denken und Wahrnehmen, psychischen Erkrankungen. Über die Jahre hat sich in mir auch die Überlegung gefestigt, dass ich irgendwo auf dem autistischen Spektrum angesiedelt sein könnte und deswegen immer wieder "normale" Situationen falsch interpretiere. Allerdings habe ich diesbezüglich keine Diagnose und werde mich auch nicht selbst in eine Schublade stecken.
Man wird ohnehin ständig von anderen Menschen beurteilt und bewertet.
Zwischen diesen minimalen Begegnungen gab es auch immer wieder die Überlegung: Vielleicht bist du einfach zu etwas anderem berufen. Oder der Gedanke: Es ist doch sowieso egal, eine Beziehung zu haben oder nicht, die Welt dreht sich auch ohne dem weiter.
Aber es ist eben nicht egal - unfreiwillge Beziehungslosigkeit, tiefe Einsamkeit und soziale Isolation machen einen kaputt...
Es muss sich endlich etwas ändern!
Deswegen habe ich für mich für 2020 ein "Programm" entworfen:
- Mich endlich meinen Ängsten zu stellen und neue Verhaltensweisen zu lernen
- Aufzuhören, mich mit anderen, "normalen" Menschen zu vergleichen
- Die Gelegenheit, wenn mein Gegenüber den ersten Schritt macht, NIE WIEDER :wuetend: komplett lethargisch verstreichen zu lassen
- Selbst die Initiative zu ergreifen, auf Menschen zuzugehen
- Gegebenenfalls professionelle Hilfe (=Psychotherapie) in Anspruch zu nehmen
So jetzt habe ich doch mehr geschrieben als geplant, danke an alle die sich das durchgelesen haben...

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pink_raven
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von pink_raven » Montag 13. Januar 2020, 23:24

Ich wünsche dir alle Gute :vielglueck: und denke, dass dein "Angriffsplan" da schon ziemlich gut und reflektiert aussieht! ;)

Wie sieht es denn mit Hobbies, Freunden und sozialen Kontakten aus? Vielleicht kannst du da ja auch das ein oder andere ausprobieren, neue Sportart, Verein, Freunde von Freunden kennenlernen...? Ich denke einfach wenn man generell sein soziales Umfeld erweitert, gewinnt man immer. Im besten Fall eine(n) Partner(in) und im zweitbesten Fall neue Freunde.

:cooler:

Diese Angst, die du beschreibst, weswegen du bisher alle Frauen abgeblockt hast, die solltest du allerdings ergründen. Sonst stehst du dir auch bei den nächsten Gelegenheiten weiter im Weg und ärgerst dich wieder. Da würde ich mir im Zweifelsfall auch wirklich professionelle Hilfe suchen, das ist eine gute Idee. :daumen:
Nicht jede Veränderung ist eine Verbesserung, aber wenn sich etwas verbessern soll, muss sich etwas verändern!

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Daniog » Montag 13. Januar 2020, 23:29

das kenne ich teilweise. Mit 15 wollte mich eine Klassenkameradin mit einer Freundin verkuppeln, ich hatte zu meinen Schulkameraden ein eher gespanntes Verhältnis und habe ihr nicht vertraut. Es einfach ignoriert. Hat sich viele Jahre später als Fehler heraus gestellt.

Mit 17 hat sich eine Schulkameradin an mich angenähert, ich habe die Zeichen nicht erkannt.

Irgendwie erkennen wir die Anzeichen nicht. Warum auch immer.

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Menelaos » Dienstag 14. Januar 2020, 06:48

Daniog hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 23:29
Irgendwie erkennen wir die Anzeichen nicht. Warum auch immer.
Hab gelesen dass das bei der Partnerfindung deutlich wichtiger ist als das Aussehen.
Das ist eine Sicht auf Liebe und Beziehungen die ich von einer Disneyprinzessin erwarten würde...

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Ninja Turtle » Dienstag 14. Januar 2020, 07:00

Das mit dem Verallgemeinern ist zwar ein ziemliches Glatteis, aber ansonsten kann ich mich im Geschriebenen gut wiederfinden.

Wie willst du deine Vorhaben denn umsetzen?
:kopfhoerer: :tanzen2: :umarmung2:

Die SHG-Frankfurt trifft sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat. (Dann besaufen wir uns und feiern wilde Sexorgien. Man kann aber auch nur zugucken.) :mrgreen:

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Himbeere » Dienstag 14. Januar 2020, 18:18

Hallo! Ich finde mich in deiner Schilderung auch ein Stück weit wieder. Gerade diese ungenutzten Gelegenheiten kommen mir doch bekannt vor. Wobei ich die lange nicht als solche bewertet habe oder aber sie als Problem ansah. Es waren nicht viele, aber im Prinzip ging ich immer gleich damit um. Ich stieg einfach auf nichts ein. Entweder bemerkte ich gar nicht, was wirklich Sache war, oder ich wehrte es bewusst ab. Zum Beispiel, als ein Kommilitone und Freund mir selbst aufgenommene Musik mitbrachte, mir ein Plüschtier schenkte, mich laufend sehen wollte und meinetwegen Fußballspiele sausen ließ, stand ich komplett auf dem Schlauch und zwar über Jahre. Und wenn ich ausnahmsweise mal was kapierte, war klar, dass das nun gar nicht geht.
Ich denke, ich hatte einfach Angst. Wahrscheinlich habe ich die bis heute, wobei ich es nicht genau weiß, da ich seit vielen Jahren niemanden mehr traf, bei dem die gefühlte Gefahr bestand, dass sich Interesse anbahnt. Nachdem ich vor Jahren eine Psychotherapie wegen allgemeiner Ängste gemacht, dabei aber das Thema Liebesbeziehungen ausgeklammert habe, scheint es mir langsam an der Zeit, das doch noch zu bearbeiten. Vielleicht ist alles zu spät, aber heute interessiert es mich, wenigstens zu erfahren, was eigentlich die ganze Zeit über mit mir los war. Das muss ich zeitnah anleiern, mal sehen wie peinlich schon alleine das für mich werden wird.
Ich wünsche dir viel Spaß im Forum!
Das Leben ist kein Ponyschlecken.

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von virtually pt.1 » Dienstag 14. Januar 2020, 21:23

pink_raven hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 23:24

Wie sieht es denn mit Hobbies, Freunden und sozialen Kontakten aus?

Diese Angst, die du beschreibst, weswegen du bisher alle Frauen abgeblockt hast, die solltest du allerdings ergründen.
Ich habe ausschließlich Hobbies, die man gemeinhin alleine macht - Musik hören (nicht im Konzert), lesen... Ein Freundeskreis besteht schon lange nicht mehr und soziale Kontakte beschränken sich auf den Arbeitsplatz und die Verwandschaft.

Meine Angst will ich ergründen, ja. Auch wenn mir vielleicht nicht gefällt, was da auf dem Grund zu finden ist...
Daniog hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 23:29
Irgendwie erkennen wir die Anzeichen nicht. Warum auch immer.
Wollen oder können sie nicht kennen... ich weiß es nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, mir selbst im Weg zu stehen und genau davor Angst zu haben, was ich eigentlich will.
Ninja Turtle hat geschrieben:
Dienstag 14. Januar 2020, 07:00
Das mit dem Verallgemeinern ist zwar ein ziemliches Glatteis, aber ansonsten kann ich mich im Geschriebenen gut wiederfinden.

Wie willst du deine Vorhaben denn umsetzen?
Ich bin Theoretiker und neige daher zu Verallgemeinerungen... bin mir natürlich bewusst, das die Problematik vielfältig und jeder Mensch einzigartig ist.

Mein Vorhaben will ich in kleinen Schritten umsetzen und habe das bereits begonnen. Ich glaube, der einzig realistische Rahmen für mich ist die Arbeitsplatzumgebung. Heute zB. wieder hatte ich smalltalk in der Teeküche und habe einer Kollegin die Tür aufgehalten. Dabei versucht, Augenkontakt zu halten und einfach sympathisch zu wirken. Freilich sind beide Damen schon vergeben. Aber es sind kleine Schritte, Selbstvertrauen aufzubauen und es funktioniert ganz gut.
Himbeere hat geschrieben:
Dienstag 14. Januar 2020, 18:18
Vielleicht ist alles zu spät, aber heute interessiert es mich, wenigstens zu erfahren, was eigentlich die ganze Zeit über mit mir los war. Das muss ich zeitnah anleiern, mal sehen wie peinlich schon alleine das für mich werden wird.
"Zu spät" kam es mir schon mit 20 vor, jetzt bin ich doppelt so alt... Man liest ja immer wieder, dass es nie zu spät ist, darauf hoffe ich! Peinlich ist mir schon nichts mehr. Ich bin ich, take it or leave it.

Ich hoffe jetzt erst einmal auf die viel zitierten Frühlingsgefühle in den nächsten Monaten.

Danke für eure Antworten!

Agnar
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Agnar » Dienstag 14. Januar 2020, 22:50

virtually pt.1 hat geschrieben:
Dienstag 14. Januar 2020, 21:23
pink_raven hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 23:24

Wie sieht es denn mit Hobbies, Freunden und sozialen Kontakten aus?

Diese Angst, die du beschreibst, weswegen du bisher alle Frauen abgeblockt hast, die solltest du allerdings ergründen.
Ich habe ausschließlich Hobbies, die man gemeinhin alleine macht - Musik hören (nicht im Konzert), lesen... Ein Freundeskreis besteht schon lange nicht mehr und soziale Kontakte beschränken sich auf den Arbeitsplatz und die Verwandschaft.

Meine Angst will ich ergründen, ja. Auch wenn mir vielleicht nicht gefällt, was da auf dem Grund zu finden ist...
Daniog hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 23:29
Irgendwie erkennen wir die Anzeichen nicht. Warum auch immer.
Wollen oder können sie nicht kennen... ich weiß es nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, mir selbst im Weg zu stehen und genau davor Angst zu haben, was ich eigentlich will.
Ninja Turtle hat geschrieben:
Dienstag 14. Januar 2020, 07:00
Das mit dem Verallgemeinern ist zwar ein ziemliches Glatteis, aber ansonsten kann ich mich im Geschriebenen gut wiederfinden.

Wie willst du deine Vorhaben denn umsetzen?
Ich bin Theoretiker und neige daher zu Verallgemeinerungen... bin mir natürlich bewusst, das die Problematik vielfältig und jeder Mensch einzigartig ist.

Mein Vorhaben will ich in kleinen Schritten umsetzen und habe das bereits begonnen. Ich glaube, der einzig realistische Rahmen für mich ist die Arbeitsplatzumgebung. Heute zB. wieder hatte ich smalltalk in der Teeküche und habe einer Kollegin die Tür aufgehalten. Dabei versucht, Augenkontakt zu halten und einfach sympathisch zu wirken. Freilich sind beide Damen schon vergeben. Aber es sind kleine Schritte, Selbstvertrauen aufzubauen und es funktioniert ganz gut.
Himbeere hat geschrieben:
Dienstag 14. Januar 2020, 18:18
Vielleicht ist alles zu spät, aber heute interessiert es mich, wenigstens zu erfahren, was eigentlich die ganze Zeit über mit mir los war. Das muss ich zeitnah anleiern, mal sehen wie peinlich schon alleine das für mich werden wird.
"Zu spät" kam es mir schon mit 20 vor, jetzt bin ich doppelt so alt... Man liest ja immer wieder, dass es nie zu spät ist, darauf hoffe ich! Peinlich ist mir schon nichts mehr. Ich bin ich, take it or leave it.

Ich hoffe jetzt erst einmal auf die viel zitierten Frühlingsgefühle in den nächsten Monaten.

Danke für eure Antworten!
Hallo,

Mir fällt dazu folgendes folgendes ein.
Sorge vor dem verarscht werden. Angst vor falsch gedeuteten Signalen und folgender Ablehnung. Eventuell auch darauf folgendes lächerlich machen bzw. gemacht werden.

Gruß

Emily_Sturm
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Emily_Sturm » Mittwoch 15. Januar 2020, 10:54

virtually pt.1 hat geschrieben:
Montag 13. Januar 2020, 22:13
Deswegen habe ich für mich für 2020 ein "Programm" entworfen:
- Mich endlich meinen Ängsten zu stellen und neue Verhaltensweisen zu lernen
- Aufzuhören, mich mit anderen, "normalen" Menschen zu vergleichen
- Die Gelegenheit, wenn mein Gegenüber den ersten Schritt macht, NIE WIEDER :wuetend: komplett lethargisch verstreichen zu lassen
- Selbst die Initiative zu ergreifen, auf Menschen zuzugehen
- Gegebenenfalls professionelle Hilfe (=Psychotherapie) in Anspruch zu nehmen
So jetzt habe ich doch mehr geschrieben als geplant, danke an alle die sich das durchgelesen haben...
Guter Plan! als erstes würde ich dir raten, dieses Unterscheiden zwischen dir und "normalen" Menschen aufzuhören :) Du bist nicht unnormal. Jeder Mensch hat sein Laster und jeder hat mit etwas anderem Probleme.
Es gibt so viele Ängst, die alle für jemanden nicht normal sind, wenn er die Angst nicht hat. Angst vor großen Plätzen, Angst vor Enge, Angst vorm Telefonieren, Angst vor Tieren, Angst vor was auch immer. Jemand, der nachts panisch herum läuft oder sich nicht mehr raus wagt, weil er Angst vor der Dunkelheit hat, der bezeichnet sich ebenfalls nicht als normal. Es ist "einfach nur" eine Angst vor etwas. Die Person hättest du aber evtl. auch als völlig normal bezeichnet, wenn du ihr tagsüber begegnest.
Also, nur weil ein bestimmter Teil von dir nicht der Norm entspricht, bist du dennoch nicht unnormal :) Ich finde das klingt immer besser.

Dich deinen Ängsten zu stellen klingt super. Evtl. hilft es dir auch, eine Art Tagebuch hier aufzuschreiben oder einen Problemthread zu eröffnen, dann kann man dir nämlich aufzeigen, wo dein Verhalten vielleicht nochmal überdacht werden sollte. Grundsätzlich habe ich damals immer auch zu allem Nein gesagt. Ich habe mich dann regelrecht dazu gezwungen nichts mehr abzulehnen (also so gut wie nichts mehr :lach: ) und ich hatte dadurch viele neue Begegnungen (nicht unbedingt Partnerschaftlich, aber ich denke dein "Problem" liegt ja nicht nur bei der Beziehung, du hast ja auch gesagt du hättest wenige soziale Kontakte). Zum Beispiel... Laufgruppe in der Firma, oder... Kegelgruppe in der Firma, oder gemeinsam irgendwohin gehen von der Arbeit. Ein neues Hobby usw usf. Einfach ausprobieren und meistens sind die Gedanken, die man sich ausmalt viel schlimmer, als das, was eigentlich dann passiert, was meistens gar nicht schlimm war. Wie gesagt, ich habe so viele Leute kennengelernt, indem ich mich einfach mal was getraut habe.
Beispiel: 2016 hab ich mein Hobby "Malerei" an den Nagel gehängt, da keine Motivation mehr und zeitgleich mit der Fotografie angefangen. Ich habe hobbybasierend Menschen und Tiere fotografiert und das erstmal in einer Gruppe Fotografen oder nur unter Freunden versucht und angeboten (kostenlos). Dann irgendwann hat sich die Fotogruppe aufgelöst und ich hatte eine Entscheidung zu treffen:
1. Hobby aufgeben und in meiner Komfortzone bleiben, weil ich müsste ja Leute fotografieren und denen Anweisungen geben, was sie tun sollen u nd dafür sorgen, dass sich Menschen vor meiner Kamera wohl fühlen... DAS KANN ICH DOCH GAR NICHT! DAS SCHAFF ICH NICHT!!! Dafür hätte ich aber mein neues Hobby verloren, dank dem ich damals schon viel mehr neue Leute kennengelernt habe.
2. Hobby behalten und ins kalte Wasser springen.

Ich bin ins kalte Wasser gesprungen und biete heute Shootings an. Die Menschen sagen mir, dass sie sich enorm wohl bei mir fühlen, sie bewerten meine Bilder gut und sind selbst happy, wenn ich nicht immer zu 100% glücklich bin. Ich scheine mich richtig entschieden zu haben. es gibt so viele Kurse, die man buchen kann, bei denen man andere Menschen kennenlernt und das sogar ohne selbst Shootings anzubieten. Einfach nur als Hobby, weil es Spaß macht. Workshops in Zoos, allgemein andere Workshops usw. Das boomt und macht Spaß und dafür muss man wirklich keine Shootings anbieten, aber man lernt neue Leute kennen. Ich habe in den 4 Jahren in denen ich nun fotografiere, so viele Menschen kennengelernt, wie in den letzten 15 Jahren nicht. Und das tut verdammt gut. Zu sehen, dass Menschen einen doch mögen und niemand einen mobbt.

Ich wurde auch gemobbt und dieses Denken, dass man sich zurück zieht und lieber duckt, ist mir sicher nicht fern. Aber man kommt da raus.

Und da komme ich zu deinem letzten Punkt - professionelle Hilfe suchen. Die Annahme psychischer Hilfe war ja lange, lange Zeit ein Tabuthema was ich extrem schade finde. Wenn mir ein Gelenk weh tut, geh ich doch auch zum Physiotherapeuten oder Orthopäden. Warum darf ich dann, wenn mir meine Seele weh tut nicht auch zum Psychotherapeuten gehen? Informiere dich da.
Es gibt da eine große Auswahl an Therapeuten, die in Frage kommen. Aktuell sehe ich bei dir 2 Richtungen, die interessant sein könnten,w eil sie für mich interessant waren: tiefenpsychologische Therapie oder die Verhaltenstherapie.
Tiefenpsychologie befasst sich im Groben mit deiner Vergangenheit. Sie geht tiefer und versucht aufzuklären, woher diese Probleme stammen... vom Mobbing, von Beziehungen zu Elternteilen oder Großeltern usw. Die Verhaltenstherapie interessiert sich da nur am Rande für, konzentriert sich mehr darauf aufzuzeigen, was du konkret ändern musst und welches Verhalten umgepolt werden muss. In den seltensten Fällen geht es aber darum, dass du eine Aufgabe bekommst, die sagt "Geh heute Abend raus und sprich 3 Frauen an." Es geht viel mehr darum dein Verhalten und deine Haltung zu verändern.
Beispiel: Ich hab damals gesagt. "Mein Problem ist, dass ich keine Beziehung hatte und mich deswegen keiner will." In einem ERSTGESPRÄCH! (muss jeder Therapeut eigentlich anbieten und Freiraum für haben) sagte mir die Therapeutin "Das ist nicht Ihr Problem. Das ist das Problem des Anderen. Wenn der damit nicht klar kommt, dann ist das sein Problem, denn es ist eigentlich kein Problem und nichts, was man nicht lernen kann. Wenn der Ihnen die Chance nicht geben will, weil er zu faul oder selbst ein falsches Kopfkino hat, dann hat er Vorurteile deswegen und schreibt wegen so einer Lappalie einen Menschen ab... es ist SEIN Problem, nicht Ihres."
Das hat mir deutlich den Kopf gewaschen. Ich bin schlussendlich aber nicht bei ihr gelandet, sondern bei einer Tiefenpsychologin und auch noch nicht mal, wie erhofft mein einer Einzeltherapie, sondern glücklicherweise (jetzt spreche ich von Glück, denn vorher fand ich das eher befremdlich, es völlig fremden Menschen zu sagen) eine Gruppentherapie. Es hat mir enorm geholfen. Man bekommt direkt die Reaktion der Teilnehmer, findet Anschluss in einer Gruppe die alle Probleme haben, von denen sich niemand als "Normal" bezeichnet und dennoch kann man sich untereinander helfen oder auch sagen "okay cool, ich hab damit kein Problem, ich helfe dir dabei und ich merke, dass ich kein komplettversager bin, weil dein "Problem" habe ich nicht."
Vorteil ist, bei der Gruppentherapie ist es einfacher, einen Platz zu bekommen, weil natürlich mehr Leute gleichzeitig therapiert werden. Wir haben da eine WhatsApp Gruppe gegründet und haben auch so noch zwischendurch Kontakt. da gibt's dann auch die Möglichkeit auf gleichaltrige zu stoßen. Ich bin 30 und bin bisher auf Leute zwischen 22 und 64 dort gestoßen.
Ein weiterer Aha-Effekt in der Gruppe war bei der Aussage "Ich frage mich, was der wohl von mir denkt" oder "Ich frage mich, warum der mir gestern nicht geantwortet hat." Diese Gedankengänge kennt wohl jeder und was kommt dabei raus? Genau, ein Gedankenkarussell warum wer anders etwas nicht gemacht oder doch getan hat und was wohl seine Gründe sind. Diese Gedanken kreisen dann so lange und langen beim schlechtesten Grund überhaupt "Die Person hasst mich einfach!" Was sagte meine Therapeutin? "Falscher Adressat! Sie müssen nicht SICH fragen, was der andere denkt, fragen Sie doch denjenigen? Was bringt es Ihnen zu sagen, weil er mich hasst, wenn er schlichtweg sein Handy auf dem Schreibtisch in der Arbeit vergessen hat und deswegen nicht geantwortet hat? Oder er hatte Besuch? Oder er war im Kino... oder oder. Es gibt so viele Gründe, warum eine Person so reagiert, wie sie reagiert hat, aber es ist der falsche Adressat, wenn Sie sich das selbst fragen und nicht den einzigen Menschen, der diese Frage wirklich beantworten kann."

Es gibt in der Therapie einige Momente, wo man sein Denken überdenkt und zu hinterfragen beginnt. Eine Therapie ist ein Selbstprozess. Nur man selbst kann dafür sorgen, dass die Therapie ein Erfolg wird. Wer dahin geht mit dem Anspruch geheilt zu werden, der muss entweder sehr viel selbst dafür arbeiten oder schafft es nicht.
Ich bin mit der Problematik "Ich finde keinen Partner, weil mich keiner will, weil..." zu den Erstgesprächen gegangen. Meine Diagnose war schlussendlich eine Mischung aus Selbstwertproblemen und kleinen depressiven Verstimmungen. Es hätte weder für eine Depression gereicht, noch wirklich für was anderes, daher die Mischung. Und ich bin in die Gruppenphase gestartet mit einer Problematik, die wir in 5 Einzelstunden aufgearbeitet haben "Ich habe Probleme mit meinem Selbstwert!". Und es ist wirklich interessant. Die Gründe, warum mich keiner wollte lagen ALLE in der Selbstwertproblematik. Ich fand mich hässlich, ich hab nichts tolles an mir gefunden, ich habe nur meine Problemzonen gesehen (die anderen übrigens kaum auffallen?!) und ich hab mir ganz böse Dinge eingeredet. Man lernt sich zu reflektieren, zu erkennen "Okay, dass ich gerade so reagiere, hängt damit zusammen, weil ich denke, dass der andere denkt, dass ich... ne hässliche Nase habe" oder was auch immer. Und der andere denkt vielleicht gerade. "Wir sollten aus der Sonne raus gehen, sie bekommt einen Sonnenbrand auf ihrer Nase, ich will nicht, dass sie sich verbrennt" und guckt deswegen ständig auf meine Nase... ich hoffe das was ich sagen will wird damit klar...
Eine Sache noch... würdet ihr das, was ihr euch selbst vor dem Spiegel an den Kopf werft auch anderen Menschen sagen? Du bist hässlich, du bist zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, du hast fette Beine, einen dicken Hintern, Segelohren? Du schielst? Ihr könnt sicherlich mal denken "Oh, die ist aber groß oder... oh die hat irgendwie stämmige Beine!", aber würdet ihr das aussprechen? Jemanden beleidigen? Nein? Warum sagt ihr das dann zu euch selbst? Wir sind zu uns selbst absolut hässlich und zwar so sehr, wie wir mit keinem anderen Menschen umgehen würden. Warum also sind wir so unfair und gemein zu uns selbst? Statt dafür zu sorgen, dass wir uns in uns wohl fühlen? Kein Partner übernimmt die Aufgabe dafür zu sorgen, unsere eigene "Seelenwohnung" aufzuräumen, bevor er sich entscheidet, ob er mit uns zusammen zieht. Wir sind dafür verantwortlich, dass unser "Zuhause" so ist, dass wir uns darin wohl fühlen können und dann können wir sagen "hey, das ist mein Haus... wie sieht dein Haus aus? Vielleicht passen unsere Häuser ja zusammen?"

Sorry, das ist jetzt auch länger geworden als gedacht und evtl. hier und da etwas vom Thema abgewichen :gruebel: , aber ich finde im Grunde gehört es doch alles zusammen :) :good:

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Prinzessinnenschreck » Mittwoch 15. Januar 2020, 23:08

Emily_Sturm hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 10:54
Eine Sache noch... würdet ihr das, was ihr euch selbst vor dem Spiegel an den Kopf werft auch anderen Menschen sagen? Du bist hässlich, du bist zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, du hast fette Beine, einen dicken Hintern, Segelohren? Du schielst? Ihr könnt sicherlich mal denken "Oh, die ist aber groß oder... oh die hat irgendwie stämmige Beine!", aber würdet ihr das aussprechen? Jemanden beleidigen? Nein? Warum sagt ihr das dann zu euch selbst?
Ich denke, Du hast da einen kleinen Denkfehler in Deinem Beispiel.
Ich stelle mich nicht vor den Spiegel und sage: "Man bin ich häßlich!". Das denke ich mir doch nur.
Und das harmoniert dann sehr wohl damit, daß ich mir manchmal denke, die ist häßlich, zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, hat fette Beine, einen dicken Hintern und Segelohren, es ihr aber nie ins Gesicht sagen würde.

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von pink_raven » Mittwoch 15. Januar 2020, 23:21

Prinzessinnenschreck hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 23:08
Emily_Sturm hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 10:54
Eine Sache noch... würdet ihr das, was ihr euch selbst vor dem Spiegel an den Kopf werft auch anderen Menschen sagen? Du bist hässlich, du bist zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, du hast fette Beine, einen dicken Hintern, Segelohren? Du schielst? Ihr könnt sicherlich mal denken "Oh, die ist aber groß oder... oh die hat irgendwie stämmige Beine!", aber würdet ihr das aussprechen? Jemanden beleidigen? Nein? Warum sagt ihr das dann zu euch selbst?
Ich denke, Du hast da einen kleinen Denkfehler in Deinem Beispiel.
Ich stelle mich nicht vor den Spiegel und sage: "Man bin ich häßlich!". Das denke ich mir doch nur.
Und das harmoniert dann sehr wohl damit, daß ich mir manchmal denke, die ist häßlich, zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, hat fette Beine, einen dicken Hintern und Segelohren, es ihr aber nie ins Gesicht sagen würde.
Genau um den fett markierten Satz geht es aber. Die wenigsten Frauen stellen sich (hoffe ich sehr) wirklich vor den Spiegel nur um sich zu beschimpfen. Das sind viel alltäglichere Gedanken, man sieht zufällig sein Spiegelbild im vorbeilaufen an einer Glasscheibe, man bemerkt auf der Straße vielleicht einen Blick, den man nicht deuten kann, man hat schlechte Laune und macht sicher erstmal selbst fertig, bevor man überhaupt andere Erklärungen in Betracht zieht...
Ob du diese Gedanken dir gegenüber nur denkst oder aussprichst kommt letztlich auf das gleiche heraus, es versaut dir beides dein Selbstwertgefühl. Und genau so wenig wie man das fremden Menschen ins Gesicht sagt, genau so wenig sollte man es über sich selbst auch nur denken. :spiegel:

Das hilft niemandem, macht nur schlechte Laune und zieht einen selbst runter. :umarmung2:
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Emily_Sturm » Donnerstag 16. Januar 2020, 08:29

pink_raven hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 23:21
Prinzessinnenschreck hat geschrieben:
Mittwoch 15. Januar 2020, 23:08
Ich denke, Du hast da einen kleinen Denkfehler in Deinem Beispiel.
Ich stelle mich nicht vor den Spiegel und sage: "Man bin ich häßlich!". Das denke ich mir doch nur.
Und das harmoniert dann sehr wohl damit, daß ich mir manchmal denke, die ist häßlich, zu groß, zu dick, zu dünn, zu klein, hat fette Beine, einen dicken Hintern und Segelohren, es ihr aber nie ins Gesicht sagen würde.
Genau um den fett markierten Satz geht es aber. Die wenigsten Frauen stellen sich (hoffe ich sehr) wirklich vor den Spiegel nur um sich zu beschimpfen. Das sind viel alltäglichere Gedanken, man sieht zufällig sein Spiegelbild im vorbeilaufen an einer Glasscheibe, man bemerkt auf der Straße vielleicht einen Blick, den man nicht deuten kann, man hat schlechte Laune und macht sicher erstmal selbst fertig, bevor man überhaupt andere Erklärungen in Betracht zieht...
Ob du diese Gedanken dir gegenüber nur denkst oder aussprichst kommt letztlich auf das gleiche heraus, es versaut dir beides dein Selbstwertgefühl. Und genau so wenig wie man das fremden Menschen ins Gesicht sagt, genau so wenig sollte man es über sich selbst auch nur denken. :spiegel:

Das hilft niemandem, macht nur schlechte Laune und zieht einen selbst runter. :umarmung2:
Ganz genau :) Da ist kein Denkfehler drin :D Genau das ist das Problem, denn ob du den Gedanken über dich selbst aussprichst oder nur denkst, du bekommst ihn ja mit. Wenn du das über andere Menschen denkst, verletzt du sie nicht, denn sie hören deinen Gedanken nicht. Du würdest es aber denke ich nicht einfach so aussprechen. Du denkst es nur (zumindest gehe ich davon aus). Die Gedanken sind frei ;) Aber in diesem Fall weißt du genau, was du denkst und wie man sich selbst in Gedanken fertig macht, so spricht man meistens nicht mit anderen Menschen. Daher also auch kein Denkfehler :)

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Zölibatär » Donnerstag 16. Januar 2020, 08:42

Teilweise finde ich mich auch im Beitrag des TS wieder.
Auch ich habe keine Beziehungen zu anderen Menschen, dabei spielt das Geschlecht keine Rolle.
Schon im Kindergarten beschäftigte ich mich lieber alleine, als zusammen mit anderen Kindern in der Gruppe.
Dieses Verhalten zeigte ich dann auch während der Schulzeit. Auf Wunsch meiner Eltern wurde ich Mitglied in meheren Vereinen,
war Messdiener und besuchte eine Tanzschule. Wohl mit dem Hintergedanken, dass ich unter Leute komme, Freunde finde und vielleicht auch mal jemanden mit nach Hause bringe.
Ich habe mich jedoch völlig passiv verhalten und die Zeit mehr oder weniger abgesessen bzw. nur das Nötigste gemacht.
Begeistern konnte ich mich in der Jugend für fast nichts, vieles war mir einfach gleichgültig. Ich stand und stehe teilweise bis heute unter dem Einfluss meiner Eltern welche mir damals Mangels Interesse bzw. eigener Meinung viele Endscheidungen in meinem Leben abgenommen haben.

Erst nach Abschluss meiner Ausbildung/Fortbildung begann ich mich neben dem Berufsleben für einige Dinge zu interessieren.
Daraus entstanden zahlreiche Hobbys, die für mich neben meinem Beruf absolute Priorität haben und das Leben lebenswert machen.
Es handelt sich durchweg um Hobbys, welche man sehr gut alleine ausüben kann.

Ein Freundeskreis existiert schon seit der Schulzeit nicht mehr. Mir reicht der Umgang mit meinen Arbeitskollegen und den Mitarbeitern in meinem Job. Die Freizeit nutze ich um vom Alltagsstress runter zu kommen und den Akku wieder aufzuladen.

Die Anwesenheit bzw. Teilnahme bei Feierlichkeiten, Partys, Festen etc. ist für mich sehr anstrengend und bereiten mir neben den kulinarischen Genüssen kein Vergnügen. Es geht im Grunde darum die Zeit irgendwie tot zu schlagen. Aus diesem Grund nehme ich in meinem beruflichem Umfeld nie an einer Feier teil, so fern es sich nicht um eine Pflichtveranstaltung handelt.
Auch bei Feierlichkeiten in meinem immer kleiner werdenden Verwandtenkreis kommt bei mir keine Freude auf. Auch hier vermeide ich wenn es möglich ist die Teilname. Meine Verwandtschaft besteht überwiegend aus Akademikern und Theoretikern. Ich bin eher handwerklich und experimentell interessiert.
Unsere Interessen sind sehr verschieden und somit ist eine Basis für Unterhaltungen nur selten gegeben.

Ich leide nicht unter meinem Lebensstil, lebe sozial zurückgezogen, mag keine körperliche Nähe, war schon immer gerne alleine und kenne nichts anderes. In meiner Familie ist das Händeschütteln der einzige körperliche Kontakt den ich erfahren habe.


Liebe Grüße
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Zwerg » Donnerstag 16. Januar 2020, 09:44

Zölibatär hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 08:42
Teilweise finde ich mich auch im Beitrag des TS wieder.
Abgesehen von gewissen Ähnlichkeiten in dem noch jungen Lebenslauf des TE würde ich das bezweifeln. Anders als dieser bist Du nämlich im Großen und Ganzen mit Dir im Reinen. Du schreibst manchmal einen Beitrag. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass Du gelegentlich jemanden zum Reden, für ein vertraulicheres Gespräch, brauchen würdest. Das sollte jemand sein der Zuhören kann.
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von klecks » Donnerstag 16. Januar 2020, 16:07

Emily_Sturm hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 08:29

Ganz genau :) Da ist kein Denkfehler drin :D Genau das ist das Problem, denn ob du den Gedanken über dich selbst aussprichst oder nur denkst, du bekommst ihn ja mit. Wenn du das über andere Menschen denkst, verletzt du sie nicht, denn sie hören deinen Gedanken nicht. Du würdest es aber denke ich nicht einfach so aussprechen. Du denkst es nur (zumindest gehe ich davon aus). Die Gedanken sind frei ;) Aber in diesem Fall weißt du genau, was du denkst und wie man sich selbst in Gedanken fertig macht, so spricht man meistens nicht mit anderen Menschen. Daher also auch kein Denkfehler :)
Ich finde, das ist auch ein Denkfehler. Denn vielen ist das, was sie denken, aber nicht aussprechen, sehr ins Gesicht geschrieben. DAS finde ich fast noch schlimmer: Diese Diskrepanz, die man mehr oder weniger bewusst spürt ... Scheinbar freundliche oder neutrale Worte und Gestik und Mimik, die eine andere Sprache mit anderem Inhalt sprechen.
Da ist mir ein herzliches "Du siehst aber heute ganz schön zerknittert aus" lieber (versehen mit einer Umarmung oder einem freundlichen Lächeln).

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Hanuta » Donnerstag 16. Januar 2020, 16:30

klecks hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 16:07
Emily_Sturm hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 08:29

Ganz genau :) Da ist kein Denkfehler drin :D Genau das ist das Problem, denn ob du den Gedanken über dich selbst aussprichst oder nur denkst, du bekommst ihn ja mit. Wenn du das über andere Menschen denkst, verletzt du sie nicht, denn sie hören deinen Gedanken nicht. Du würdest es aber denke ich nicht einfach so aussprechen. Du denkst es nur (zumindest gehe ich davon aus). Die Gedanken sind frei ;) Aber in diesem Fall weißt du genau, was du denkst und wie man sich selbst in Gedanken fertig macht, so spricht man meistens nicht mit anderen Menschen. Daher also auch kein Denkfehler :)
Ich finde, das ist auch ein Denkfehler. Denn vielen ist das, was sie denken, aber nicht aussprechen, sehr ins Gesicht geschrieben. DAS finde ich fast noch schlimmer: Diese Diskrepanz, die man mehr oder weniger bewusst spürt ... Scheinbar freundliche oder neutrale Worte und Gestik und Mimik, die eine andere Sprache mit anderem Inhalt sprechen.
Da ist mir ein herzliches "Du siehst aber heute ganz schön zerknittert aus" lieber (versehen mit einer Umarmung oder einem freundlichen Lächeln).
Das ist aber auch wieder das Klischee-Beispiel.
Das muss ja nicht mal falsche Freundlichkeit sein. Das kann doch auch einfach etwas sein, um andere Menschen nicht zu verletzen.
Ich würde einem Menschen ja nicht sagen "Mensch, du siehst heute ja super toll aus!", wenn es nicht stimmt.
Aber wenn mich eine Frau gut findet, die für mich absolut unattraktiv ist, dann denke ich mir höchstens, dass sie zu übergewichtig und unansehnlich ist, aber ich sage ihr das doch nicht ins Gesicht. Das würde ihre Gefühle doch einfach unnötig verletzen und nur weil ich das so sehe, muss das jemand anderes ja nicht genau so sehen.
Da bleibe ich dann lieber dabei, dass sie nicht mein Typ ist oder dass wir nicht zusammenpassen. Das ist nicht falsch und verletzt auch ihre Gefühle nicht.

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von klecks » Donnerstag 16. Januar 2020, 16:46

@Hanuta: Ich sehe da jetzt keinen Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe. :gruebel:

Ich habe lediglich geäußert, dass man an Mimik und Gestik häufig sehen kann, was Menschen denken. Und wenn es etwas ist, was einen selbst schmerzt, wirkt es auch ... - unabhängig davon, ob es ausgesprochen wurde oder nicht.

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von virtually pt.1 » Donnerstag 16. Januar 2020, 18:21

Zölibatär hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 08:42
Ich leide nicht unter meinem Lebensstil, lebe sozial zurückgezogen, mag keine körperliche Nähe, war schon immer gerne alleine und kenne nichts anderes.
üße
Dann bist du streng genommen also kein AB (ich kenne mich mit der Begrifflichkeit noch nicht so gut aus), sondern lebst zufrieden in weitestgehender Isolation?

Einige Jahre ging es mir genau so, von Anfang 30 an habe ich mich in gewissem Sinne mit meiner Situation arrangiert. Von Familie und Arbeitskollegen kamen auch irgendwann keine Fragen in Richtung Beziehungsstatus mehr.

Aber doch habe ich das immer stärker werdende Bedürfnis nach menschlicher Nähe und Intimität... Ich will es wenigstens versuchen, sozusagen ins kalte Wasser zu springen, meine Passivität und Lethargie aufgeben. Wenn es sich endlich ergeben sollte. Wenn ich dann (während oder nach) einer Bziehung merke: das ist doch nichts für dich, ist es auch gut.

Aber wenigstens einmal die Erfahrung machen will ich, und das idealerweise in einer Liebesbeziehung. Es "rein technisch" hinter sich zu bringen (im Bordell, bei einem besoffenen ONS) interessiert mich nicht.

Agnar
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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von Agnar » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:11

klecks hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 16:46
@Hanuta: Ich sehe da jetzt keinen Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe. :gruebel:

Ich habe lediglich geäußert, dass man an Mimik und Gestik häufig sehen kann, was Menschen denken. Und wenn es etwas ist, was einen selbst schmerzt, wirkt es auch ... - unabhängig davon, ob es ausgesprochen wurde oder nicht.
Das klingt ja sehr interessant. Kannst du darauf näher eingehen.
Was kann man da rauslesen?
Und wie deutet man das richtig?

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Re: Rückblick auf 25 Jahre und Blick nach vorn

Beitrag von klecks » Donnerstag 16. Januar 2020, 20:25

Agnar hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 20:11
klecks hat geschrieben:
Donnerstag 16. Januar 2020, 16:46
@Hanuta: Ich sehe da jetzt keinen Widerspruch zu dem, was ich geschrieben habe. :gruebel:

Ich habe lediglich geäußert, dass man an Mimik und Gestik häufig sehen kann, was Menschen denken. Und wenn es etwas ist, was einen selbst schmerzt, wirkt es auch ... - unabhängig davon, ob es ausgesprochen wurde oder nicht.
Das klingt ja sehr interessant. Kannst du darauf näher eingehen.
Was kann man da rauslesen?
Und wie deutet man das richtig?
Natürlich läuft da kein Sprachband über die Stirn. Aber wenn dich bei einem Erstkontakt eine Person kurz scannt, die Stirn runzelt oder die Lippen breitzieht, dann lässt sich daran erkennen, dass der erste Eindruck nicht gut ausgefallen ist, auch wenn sie dich dann freundlich anlächelt und dich begrüßt ... Mehr und ausführlicher kannst du das sicher bei professionellen Gesichterlesern lernen.
Umgekehrt entgeht ja einer Frau selten das Leuchten in den Augen eines Mannes oder so ein bestimmter Ruck durch seinen Körper, während er ihren Körper betrachtet. Dann weiß sie schon mal, dass er sie attraktiv findet. Auch wenn er dann ganz professionell fragt, was sie kaufen möchte o.ä. Die wenigsten Menschen haben so viel Bewusstsein und Kontrolle über ihre Mimik und Körpersprache, dass das Gegenüber nichts "lesen" kann.

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