Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

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Optimist
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Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Optimist » Montag 9. September 2019, 11:44

Viele ABs und ABinen sehen ja den fehlenden oder zu kleinen Freundeskreis als Mitgrund für ihr AB-Dasein. Persönlich habe ich auch Probleme damit Freunde oder Bekannte zu finden. Merkwürdigerweise hatte ich diese Probleme während des Auslandssemesters anders als im Rest des Studiums gar nicht. Liegt also vielleicht auch an der Umgebung. Das zeigt auch eine Umfrage unter Expats.
Für die Studie befragte das soziale Netzwerk für Expatriates mehr als 20.000 Menschen aus 180 Nationen über ihre Meinung zum Leben und Arbeiten in 64 Gastländern rund um den Globus.
...
"Freunde finden":

In dieser Unterkategorie rangiert die Bundesrepublik auf dem sechstletzten Platz. 55 Prozent sagen, es sei schwer, sich mit Deutschen anzufreunden. "Wenn man nicht mehr unter 30 ist und keinen deutschen Partner hat, ist es zumeist schwierig, in Deutschland Freunde zu finden", sagte eine US-Amerikanerin, die in Deutschland arbeitet. "Die Leute hier haben bereits ihren festen Freundeskreis und akzeptieren oft keine anderen."
https://www.spiegel.de/karriere/auslaen ... 84424.html
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Ninja Turtle » Montag 9. September 2019, 12:03

Interessant

Und was hilft dagegen?
:kopfhoerer: :tanzen2: :umarmung2:

Die SHG-Frankfurt trifft sich jeden 1. und 3. Freitag im Monat. (Dann besaufen wir uns und feiern wilde Sexorgien. Man kann aber auch nur zugucken.) :mrgreen:

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Melli » Montag 9. September 2019, 12:14

Wenn man für begrenzte Zeit irgendwo ist, ist das "nur" eine Ausnahmesituation. Das kann positiv oder negativ empfunden werden (oder auch ambivalent).

Mein Problem ist, daß ich es gewohnt war/bin, so eine Art "mitgezogen" zu werden (bzw. mich zu lassen... Auch wenn ich merkte, das ist mehr ein Problem als eine Lösung (oder auch nur Landschaft) :(). Das klappte ab irgendwann in D nicht mehr so gut. Ich tendierte das aber regionalen Unterschieden zuzuschreiben, daß ich irgendwo nicht mehr so gut zurechtkam. Oder vielleicht war es auch der Zeitgeist, oder die Entwicklung des allgemeinen gesellschaftspolitische Klimas, oder irgendeine astrologische Konstellation. Keine Ahnung wirklich :schwarzekatze:

Aber kein Grund zur Besorgnis. In mancherlei Hinsicht habe ich einfach nur Pech gehabt :specht:
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Darth Bane » Montag 9. September 2019, 15:16

Ich denke, da muss man aber auch innerhalb Deutschlands differenzieren. Meiner Erfahrung nach gewinnt man z. B. in Köln schneller neue Freunde als in Hamburg, wo die Leute doch eher reserviert sind. Das wird den Nordlichtern ja generell nachgesagt.
Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, und einer, der nach ihr giert.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Hanuta » Montag 9. September 2019, 15:33

Kann ich leider nur bestätigen. In Deutschland halten viele einen festen Freundeskreis, wo neue Gesichter nicht gerne gesehen werden. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht warum, aber mir ist das im Studium umso mehr aufgefallen. Die Gruppen bilden sich im 1. Semester und dort reinzukommen ist beinahe nicht möglich. Die Leute scheinen auch kein Problem damit zu haben neue Leute direkt auszugrenzen. Ich weiß auch nicht genau woran das liegt.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Melli » Montag 9. September 2019, 16:29

Ich habe eher schwach angefangen und dann stark nachgelassen :schwarzekatze: Ich habe mir nach etwas über dem ersten Jahr in D weitestgehend abgewöhnt, "auf Leute zuzugehen", weil ich fast immer nur auf Granit biß. Mehr als einige wenige, die sich mit mir abzugeben geruhten, hatte ich so die ganz Schulzeit hindurch nicht (OdBs schon mit eingerechnet).

Verschiedene Universitätsinstitute erlebte ich sehr verschieden. Mancherorts waren die Leute doch sehr nett und offen, aber andernorts echt nichts davon. Aber ich denke, wenn ich insgesamt schon so hart am Rande des Akzeptablen dahin dümpele, dann müssen sich nur mal bei Gelegenheit ganz wenige Parameter ändern, damit es wirklich inakzeptabel wird. Fragt sich nur, was die entscheidenden Parameter denn nun sind.

Regionale Unterschiede hatte ich bereits erwähnt. Ein einfaches Nord-Süd-Gefälle war's bei mir aber nicht. Ich möchte da aber niemandes Lokalpatriotismus sinnloserweise auf die Schuhe treten, da ist für mich eh alles zu spät :pfarrer:

Um auf den Artikel zurückzukommen, mir stieß die Phrase mit dem "abholen" ganz übel auf. Ich kann das nicht ernstnehmen. Das wurde manchmal vorwurfsvoll gegen mich gerichtet: "Man muß die Leute da abholen, wo sie sind." Ah ja, mich hat nie jemand da abgeholt, wo ich war. Wenn ich mich nicht zurechtfand, dann war ich ja wohl ganz einfach nur zu dämlich :specht:

Dasselbe gilt für die wohl ältere Variante: "Man muß die Leute nehmen wie sie sind." Super Idee, nur die dachten nichteinmal in ihren grausamsten Alpträumen daran, mich zu nehmen wie ich war.
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von inVinoVeritas » Montag 9. September 2019, 18:37

Optimist hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 11:44
Viele ABs und ABinen sehen ja den fehlenden oder zu kleinen Freundeskreis als Mitgrund für ihr AB-Dasein. Persönlich habe ich auch Probleme damit Freunde oder Bekannte zu finden. Merkwürdigerweise hatte ich diese Probleme während des Auslandssemesters anders als im Rest des Studiums gar nicht. Liegt also vielleicht auch an der Umgebung. Das zeigt auch eine Umfrage unter Expats.
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"Freunde finden":

In dieser Unterkategorie rangiert die Bundesrepublik auf dem sechstletzten Platz. 55 Prozent sagen, es sei schwer, sich mit Deutschen anzufreunden. "Wenn man nicht mehr unter 30 ist und keinen deutschen Partner hat, ist es zumeist schwierig, in Deutschland Freunde zu finden", sagte eine US-Amerikanerin, die in Deutschland arbeitet. "Die Leute hier haben bereits ihren festen Freundeskreis und akzeptieren oft keine anderen."
https://www.spiegel.de/karriere/auslaen ... 84424.html
Ich habe den Artikel letztens auch gelesen und dabei innerlich immer nur mit dem Kopf genickt.
Bei Expats kommt natürlich erschwerend hinzu, dass sie sowieso mit der Sprachbarriere zu kämpfen haben... mir würde es jetzt auch nicht leicht fallen jemanden irgendwie in meinen Freundeskreis zu integrieren, wenn er kein Deutsch kann. Es ist dann vielen zu anstrengend dauernd nur Englisch zu sprechen (was abhängig vom Beruf auch nicht jeder gut kann), ergo würde man sich bei gemeinsamen Treffen wenig/kaum mit demjenigen über Smalltalk-Niveau hinaus befassen und er bliebe ziemlich außen vor bzw. könnte keine engere Bindung zu meinen Freunden aufbauen.

Ansonsten kommt es halt auch stark auf die regionale Mentalität an, so habe ich beispielsweise schon oft gehört, dass es in Stuttgart oder Karlsruhe sehr viel schwerer sein soll sich einen neuen Freundeskreis aufzubauen als im Rheinland, einfach weil die Leute mancherorts 3x so lange brauchen bis sie endlich auftauen und jemanden fest im Kreis akzeptieren.
Was ungemein hilft ist ein großes Ausdauervermögen, man muss eine Bekanntschaft erstmal über mehrere Monate aktiv durch viele Treffen festigen, irgendwann wird man dann auch mal zum Geburtstag eingeladen oder zu Unternehmungen mit anderen Freunden mitgenommen, da geht das Spiel dann wieder los: man muss sich dort einige Leute rauspicken die man besonders sympathisch findet und dort ebenfalls Beziehungsarbeit leisten, so dass man irgendwann wie selbstverständlich bei Gruppenaktivitäten dabei ist und dazugehört.
Wer den Hardcore-Schwierigkeitsgrad will, wartet bis er ü30 ist und viele Freundeskreise nur noch aus Pärchenaktivitäten bestehen, wo jeder Neuling sowieso einen Fremdkörper darstellt! :mrgreen:
Am besten orientiert man sich halt an Leuten, die relativ frisch zugezogen sind und sehr offen für neue Menschen sind, entsprechend häufig wurde hier im Forum ja schon mal geraten es mit Portalen wie Spontacts oder Stammtischen bei Facebooks "Neu-in-XY" Gruppen zu versuchen (habe darüber 2-3 neue richtige Freunde und viele lose Bekanntschaften gefunden). Klappt natürlich eher im Umfeld einer Großstadt, in ländlicher Gegend stelle ich mir das dann nochmal ungleich schwieriger vor, wenn man nicht gerade Lust hat der örtlichen freiwilligen Feuerwehr beizutreten.
Zuletzt geändert von inVinoVeritas am Montag 9. September 2019, 18:42, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Hanuta » Montag 9. September 2019, 18:42

inVinoVeritas hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 18:37
Was ungemein hilft ist ein großes Ausdauervermögen, man muss eine Bekanntschaft erstmal über mehrere Monate aktiv durch viele Treffen festigen, irgendwann wird man dann auch mal zum Geburtstag eingeladen oder zu Unternehmungen mit anderen Freunden mitgenommen
Ich glaube diese Passage ist in der Tat wichtig für neue Bekanntschaften oder Freunde. Man muss denke ich akzeptieren, dass man eine geringere Priorität hat und sich das Vertrauen der Menschen erstmal erarbeiten muss.
Ich erkenne das ja auch oft bei mir, dass ich selbst bereits mit der weißen Flagge wedel, wenn ich merke, dass von der anderen Seite nicht ähnlich viel Engagement zurückkommt.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von badblueboy » Montag 9. September 2019, 19:07

Ich bin in Kroatien aufgewachsen und später nach Deutschland gezogen. Einen großen Unterschied gibt es in meinen Augen nicht.
Die Probleme als "Quereinsteiger" sind überall gleich. Zu mir war keiner unfreundlich, aber mehr als eine gute Bekanntschaft wurde es nie etwas.
Vor allem mit fortschreitenden Alter wird es immer schwerere in einen schon definiert Freundeskreis reinzukommen (wo sich sie Leute schon seit der Jugend kennen).Ich muss sagen das es aber auch niemanden übell nehme.Ich kann mich nicht selber für langweilig halten, bzw ein langweiliges Leben führen und mich wunder warum ich keiene (guten) Freunde habe :wuetend:
Auf der anderen Seite stele ich fest das mein (a)soziales Leben besser wäre wen ich Freunde hätte. Es ist ein Teufelskreis! :hammer:

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von fredstiller » Montag 9. September 2019, 19:08

Darth Bane hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 15:16
Ich denke, da muss man aber auch innerhalb Deutschlands differenzieren. Meiner Erfahrung nach gewinnt man z. B. in Köln schneller neue Freunde als in Hamburg, wo die Leute doch eher reserviert sind. Das wird den Nordlichtern ja generell nachgesagt.
Sehe ich ähnlich, dass man differenzieren kann. Das Rheinland ist da ein bisschen eine Insel im deutschen Sprachraum. Denn Stichwort Nordlichter, das ist im Süden ja nicht unbedingt besser - ganz zu schweigen von Österreich oder gar der Schweiz.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Melli » Montag 9. September 2019, 21:00

fredstiller hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 19:08
Das Rheinland ist da ein bisschen eine Insel im deutschen Sprachraum.
Jetzt muß ich doch mal zur Vorsicht mahnen. Wer mit welcher Umgebung "kompatibel" ist, ist eine individuelle Angelegenheit (oder allenfalls Betrachtungen von sehr viel enger gefaßten Gruppierungen zugänglich).

Man findet das leider selbst mittels eines längeren Urlaubs nicht heraus. Urlaubslaune ist zwar schön, aber wenn man erstmal da wohnt, kann es einem immer noch blühen, daß man feststellen muß, das kann es ja wohl nicht gewesen sein :(

(Nur falls sich jemand für meine Meinung zum Rheinland interessiert, die ist der freiwilligen Selbstzensur zum Opfer gefallen :mrgreen:)
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Mugwump » Mittwoch 11. September 2019, 03:44

Optimist hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 11:44
Viele ABs und ABinen sehen ja den fehlenden oder zu kleinen Freundeskreis als Mitgrund für ihr AB-Dasein. Persönlich habe ich auch Probleme damit Freunde oder Bekannte zu finden. Merkwürdigerweise hatte ich diese Probleme während des Auslandssemesters anders als im Rest des Studiums gar nicht. Liegt also vielleicht auch an der Umgebung. Das zeigt auch eine Umfrage unter Expats.
Natürlich liegt das an der Umgebung. Habe da auch schon innerhalb Deutschlands unterschiedliche Erfahrungen machen dürfen. Womit ich dementsprechend den Beweis hatte, dass nicht ich das Problem war.
Hanuta hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 15:33
Die Leute scheinen auch kein Problem damit zu haben neue Leute direkt auszugrenzen. Ich weiß auch nicht genau woran das liegt.
Dieses kollektive Verhalten wird von Generation zu Generation weitervererbt. Und das ist nicht nur beim Vererben von Kriegtraumata so. Schon einige Studien haben festgestellt, dass das persönliche Weiterkommen aka Aufstieg in Deutschland erheblicher von der sozialen Herkunft abhängt als in anderen europäischen Ländern. Ein Teil dürfte noch ein Nachwehen der deutschen Kleinstaaterei sein (regional unterschiedlich ausgeprägt), der andere die NS-Zeit, wo Ausgrenzung wohlwollend staatlich gefördert wurde. Das erklärt insbesondere die besonders fremdenfeindliche Situation in Ostdeutschland, wo auf die NS-Zeit noch eine weitere Diktatur folgte, die die Entnazifizierung aufgrund von Manpowerverlusten nach Westdeutschland inkonsequent durchführte und somit Rückzugsgebiete in den Privatbereich ermöglichte und auch duldete, sofern der öffentliche Anschein gewahrt wurde.
Ninja Turtle hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 12:03
Interessant

Und was hilft dagegen?
Nicht viel. So wie Antilopen nicht aufhören werden, Gras zu fressen, und Löwen nicht aufhören werden, Antilopen zu fressen, werden Menschen nicht aufhören, sich wie Menschen zu verhalten.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Optimist » Mittwoch 11. September 2019, 09:36

Darth Bane hat geschrieben:
Montag 9. September 2019, 15:16
Ich denke, da muss man aber auch innerhalb Deutschlands differenzieren. Meiner Erfahrung nach gewinnt man z. B. in Köln schneller neue Freunde als in Hamburg, wo die Leute doch eher reserviert sind. Das wird den Nordlichtern ja generell nachgesagt.
Witzig. Ich wohne in der nähe Kölns, würde aber lieber in Hamburg leben. :mrgreen:

Bin mit der rheinländischen Mentalität nie wirklich warm geworden, obwohl ich hier aufgewachsen bin. Meine Eltern kommen beide aus dem Norden und haben jetzt z.B. keinen Bezug zu Karneval und anderen rheinländischen Bräuchen. Wobei ich als Kind in Köln nie Probleme hatte Freunde zu finden und das erst angefangen hat als wir in den Speckgürtel gezogen sind, wo dann auf einmal Markenklamotten und andere Statussymbole eine Rolle spielten.
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Der Asiate » Mittwoch 11. September 2019, 10:02

Ich glaube in einer Großstadt kann man schneller neue Freunde finden als in einer Kleinstadt oder in einem Dorf. In der Großstadt ist die Auswahl an potentiellen Freunden und Orte, an denen man sich zufällig über den Weg läuft, viel größer. Andererseits ist man in so einer großen Stadt, wie Köln oder Berlin, nur einer von vielen und kann entsprechend schnell untergehen.
Das wichtigste im Leben sind deine Familie, deine Freunde und deine Gesundheit. Nimm dir Zeit für deine Familie und Freunde, sonst nimmt die Zeit sie dir. Dann bist du irgendwann nicht nur krank, sondern auch ganz allein.​

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Giebenrath » Mittwoch 11. September 2019, 10:35

Mehrere Nicht-Deutsche berichteten mir, dass ihnen aufgefallen ist, dass es die Deutschen im Privatleben gern verbindlich sind. Als typisch deutsch gelten z.B. Verabredungen, förmliche Einladungen und Mitgliedschaften.

Die Möglichkeiten des spontanen Aufeinandertreffens (ganz ohne Termine) vermissen sie dann hier.
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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von klecks » Mittwoch 11. September 2019, 11:13

Giebenrath hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 10:35
Mehrere Nicht-Deutsche berichteten mir, dass ihnen aufgefallen ist, dass es die Deutschen im Privatleben gern verbindlich sind. Als typisch deutsch gelten z.B. Verabredungen, förmliche Einladungen und Mitgliedschaften.

Die Möglichkeiten des spontanen Aufeinandertreffens (ganz ohne Termine) vermissen sie dann hier.
Da gibt es interkulturell viele Missverständnisse und auch Unterschiede. Mir scheint es auch so, dass unser Freundschaft sehr Verschiedenes verstanden wird.

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Gatem » Mittwoch 11. September 2019, 12:47

Giebenrath hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 10:35
Mehrere Nicht-Deutsche berichteten mir, dass ihnen aufgefallen ist, dass es die Deutschen im Privatleben gern verbindlich sind. Als typisch deutsch gelten z.B. Verabredungen, förmliche Einladungen und Mitgliedschaften.

Die Möglichkeiten des spontanen Aufeinandertreffens (ganz ohne Termine) vermissen sie dann hier.
Da habe ich jetzt aber Verständnisschwierigkeiten: Um sich zu treffen müssen doch beide (oder mehr) Parteien zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein. Wie soll man das denn anders als durch eine Absprache (ggf. auch implizit) bewerkstelligen?

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Tania » Mittwoch 11. September 2019, 13:49

Gatem hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 12:47
Da habe ich jetzt aber Verständnisschwierigkeiten: Um sich zu treffen müssen doch beide (oder mehr) Parteien zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein. Wie soll man das denn anders als durch eine Absprache (ggf. auch implizit) bewerkstelligen?
Früher :oma: gab es in jedem Ort einen oder mehrere Plätze, wo die Jugend sich traf. Und noch ein paar Plätze, wo die Alten saßen. Und Kinderspielplätze, auf denen Kinder waren. Man konnte je nach Altersgruppe da hin gehen und traf irgendwie immer jemanden.

Heute ist das tatsächlich schwieriger geworden. Es gibt zwar noch Kinderspielplätze, aber da spielen selten Kinder miteinander, sondern fast nur mit den allgegenwärtigen Mamas. Schon da wird das "Hallo ich bin Max, wollen wir spielen?" nicht mehr erlernt. Und so hängen die Jugendlichen dann zwar weiter an den alten Plätzen ab, aber eben nur mit Bekannten - mit denen man sich natürlich vorher verabreden muss. Sonst sitzt man nachher allein am Treffpunkt und wäre gezwungen, mit einer unbekannten Gruppe Kontakt aufzunehmen - die auf so etwas Ungewohntes natürlich nicht vorbereitet ist und deshalb erstmal irritiert reagiert.

In südlichen Ländern sind die "Altentreffs" übrigens noch regelmäßig zu beobachten. Allerdings hocken da irgendwie nur Männer . . :gruebel:

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Xiangni » Mittwoch 11. September 2019, 13:55

Gatem hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 12:47
Giebenrath hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 10:35
Mehrere Nicht-Deutsche berichteten mir, dass ihnen aufgefallen ist, dass es die Deutschen im Privatleben gern verbindlich sind. Als typisch deutsch gelten z.B. Verabredungen, förmliche Einladungen und Mitgliedschaften.

Die Möglichkeiten des spontanen Aufeinandertreffens (ganz ohne Termine) vermissen sie dann hier.
Da habe ich jetzt aber Verständnisschwierigkeiten: Um sich zu treffen müssen doch beide (oder mehr) Parteien zur gleichen Zeit am gleichen Ort sein. Wie soll man das denn anders als durch eine Absprache (ggf. auch implizit) bewerkstelligen?
Ich glaube damit ist gemeint, dass man hierzulade früh einen Termin ausmachen muss mit der anderen Person. Mein südamerikanischer Kumpel meinte mal, dass man in seinem Land einfach kurz den Freund anruft, fragt, wie wär's in 10min in Bar XY und schon trifft man sich. Oder einfach unangemeldet bei der anderen Person zu Hause auftaucht.

Ich mache in der Regel so gegen Donnerstag alle Termine mit Freunden für die nächste Woche ab. Wochenendtermine müssen noch früher festgelegt werden. Selten schreibt mir ne Freundin: Wie wär's mit heute Abend gemeinsam kochen? Meist ist es schon 2-3 Tage im Voraus...

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Re: Ist es in Deutschland besonders schwer Freunde zu finden?

Beitrag von Gatem » Mittwoch 11. September 2019, 14:32

Tania hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 13:49
Früher :oma: gab es in jedem Ort einen oder mehrere Plätze, wo die Jugend sich traf. Und noch ein paar Plätze, wo die Alten saßen. Und Kinderspielplätze, auf denen Kinder waren. Man konnte je nach Altersgruppe da hin gehen und traf irgendwie immer jemanden.
DAS würde ich persönlich aber immer noch als eine Art von Absprache betrachten. Es mag zwar keine explizite, aber zumindest eine implizite Absprache sein.

Xiangni hat geschrieben:
Mittwoch 11. September 2019, 13:55
Ich glaube damit ist gemeint, dass man hierzulade früh einen Termin ausmachen muss mit der anderen Person. Mein südamerikanischer Kumpel meinte mal, dass man in seinem Land einfach kurz den Freund anruft, fragt, wie wär's in 10min in Bar XY und schon trifft man sich. Oder einfach unangemeldet bei der anderen Person zu Hause auftaucht.

Ich mache in der Regel so gegen Donnerstag alle Termine mit Freunden für die nächste Woche ab. Wochenendtermine müssen noch früher festgelegt werden. Selten schreibt mir ne Freundin: Wie wär's mit heute Abend gemeinsam kochen? Meist ist es schon 2-3 Tage im Voraus...
Das Problem rührt doch aber eher daher, dass die Terminpläne meist einfach schon so voll sind… im Grunde eine Angelegenheit, die sich selbst bedingt: Je früher man alle Termine vereinbart, desto gefüllter wird der Terminplan und das führt wiederum dazu, dass man seine Termine noch früher planen muss.

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