"Schreckliche Weihnachten"

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Lexo
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"Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Lexo » Samstag 8. Dezember 2018, 20:28

„Waum Weihnachten so schrecklich ist

In meiner Herkunfstfamlie ist Heilig Abend so: Religiös und gemütlich und es gibt spät Essen; Es besteht eine Unveränderlichkeit; Es ist wie Stahl; Es ist doch eh ständig Weihnachten! „Frohe Weihnachten“ finde ich verlogen; Was soll das heißen?! Wir verschwenden drei Tage; Es sind weniger Leute da, als früher, aber man schmeißt immer noch drei Tage weg! Wer bitte betet unterm Tannenbaum?! Fundis vielleicht; Ich bin mit meiner Schwester verstritten; Das Perverse ist: Ich wäre eingeladen, dürfte es warm haben und dürfte Gesellschaft haben, will aber um´s … nicht da sein! BEI WEM DARF ICH AN WEIHNACHTEN SEIN? Das Essen ist ein Problem, vom vertragen her; Ich möchte nicht an Hl. Abend alleine in einer Dönerbude essen; Letztes Jahr war ich in Kaufbeuren; Es war deprimierend; Die Familien gingen in die Kirche; Ich irrte stundenlang alleine umher; Nachts brachte mich ein junges Paar in die Wohnung; Ich war in Kaufbeuren in einer leeren Wohnung; Meine Mutter hätte mich gerne bei sich; Sie kann sich nicht von ihrem Mann und ihrer Tochter lösen; Weihnachten ist so ein verlogenes Konsumfest! Mit dem Ausspruch „Frohe Weihnachten“ kann ich nichts anfangen und ich will nicht diese Schlager hören und ich will nicht, dass es sinnlose Geschnke gibt und ich will nicht, dass man drei Tage wegwirft, ABER ich will trotzdem was besonders haben, an den Tagen, also das ist der Widerspruch in mir; Ich sehne mich nach einer familiären Atmosphäre; Auf der einen Seite verdamme ich total, auf der anderen will ich „das Feeling“ total haben; Vielleicht weiss ich selber nicht was ich will; Selbst in Berlin ist es schwer für Hl. Abend was aufzutun; Das Einzige von was ich da erfuhr, war „ein Treffen“, wo man sich vielleicht vorher (im Internet) anmelden musste; Und wenn man da dann sitzt als Fremder unter Fremden, das ist dann vielleicht auch nicht familiär; Das kann vielleicht traurig werden, für einen, wenn man da hingeht; Vielleicht ist es so, dass egal, was man an Heilig Abend macht („abseits der Familie“), dass immer dieses Trauergefühl da sein wird;“

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kreisel
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von kreisel » Samstag 8. Dezember 2018, 23:14

Ja, ist schon komisch. An keinen anderen Tagen hängen soviele Erwartungen dran
nach Frieden und Familie und Glück, und an keinen anderen geht es so dermaßen
schief oder hinterlässt Frust.

Was mich immer gestört hat, ist, dass an den Tagen alle Freund(innen) abtauchen,
unerreichbar.

Fand aber auch die Verknüpfung von christlichem Fest und seltsamen Traditionen
wie Schmuck und Tannenbaum, und Ritualen ohne wirklichen Glauben "Kirchgang
ist nett" und auch die Schenkerei extrem merkwürdig.

Der Familie hab ich mich das erste Mal entzogen, indem ich einfach weit weg
gefahren bin. Später dann, dass ich auf Geschenkelosigkeit bestanden hab,
und noch später, in dem ich gesagt hab, ich mach nicht mit.

Noch später verschwand das Fest irgendwie aus meinem Bewusstsein.
Der Weg ging von:
"da fehlt was, da muss was besonderes sein" hin zu,
"ich mach was anderes"
(und der Vergleich blieb im Hinterstübchen, wie einsam das war und nicht
an das Ideal heranreichte),
bis hin zu erstmalig erlebter Freiheit, als ich einfach den Tag ganz normal
verbrachte und zum Essen z B nur so ein Fertigzeug im Wasserbad aufwärmte.
Fühlte sich irgendwie stimmig an, gelassen.

Dieses Fest mit seinen Erwartungen ist halt irgendwie omnipräsent.
Mit Werbung,mit Geschenkejagd, die Erwartung, nach dem Arbeitsjahr sich mal
ne Weile fallen zu lassen, als wären diese Tage eine Art Anker,
und die ganzen Lichter (die ich aber neutral finde und oft schön)

Und es sind so Grundthemen und Bedürfnisse, die da dran hängen.
Aber die kann an sich ja jederzeit bewusst machen und ist nicht auf
die drei Tage angewiesen, um ausgerechnet dann Bilanz zu ziehen und
ausgerechnet dann Zufriedenheit zu erreichen.
(Sagt meine Vernunft, was nicht heißt, dass es einen emotional dann doch packen kann,
aber das passiert bei mir so oft außerhalb von Weihnachten, dass die Wahrscheinlichkeit nicht
extra groß ist, dass es auch dann oder genau deswegen passiert)

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Mr. Lonely » Samstag 8. Dezember 2018, 23:39

Weihnachten ist für mich mittlerweile problemlos. Meine "Familie" ist mir eh nur lästig. Hat sogar Vorteile. Draussen ist es schön still. Im Fernsehen laufen gute Filme, die man evtl noch nicht gesehen hat und Klassiker wie "Schöne Bescherung mit Chevy Chase". Man kann sich zurücklehnen, und ich brauche nicht dazu Gefühl zu haben "irgendwas machen zu müssen". Glühwein trinken, Lebkuchen essen, die Seele baumeln lassen. Ich "feiere Weihnachten" für mich.Tatsächlich freue ich mich auf Weihnachten und finde es schade, wenn es wieder vorbei ist.
Silvester ist problematischer. Aber nach drei allein verbrachten Silvestern, sollte das auch kein Problem mehr sein. Schau' mer mal.
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Kief » Sonntag 9. Dezember 2018, 00:07

Weihnachten ist fuer mich Arbeitstag.
The Show must go on, im positiven Sinne.

Ich bereite Freuden, und das gibt mir Aufwind.
Zum Feierabend zwischen 20 und 23 Uhr bin ich erschoepft, von dem vielen Sozial-Spiel des Entertainments.
Muss mental etwas runterkommen.
Aber habe lauter Kindern glaenzende Augen bereitet. :gewinner:



Die andern beiden Feiertage besuche ich meine eigenen Eltern, einen Tag, einen dort.
Stiefmutterzoff bzw. gespannte Hoeflichkeit (bei vorzueglicher Bewirtung), und einmal entspannter Pflichtbesuch.

Nicht so ne Traumrituale wie frueher, aber bin da auch bissel wenig der familiaeren Naehe hinterhergerannt.
Ueberlege mir eher, welche Rituale ich mir selbst in mein Leben hole.
Habe diese Woche von einem interessanten Silvester-Ritual gehoert, zur inneren Klausur und Reflektion.
Collage fuer Rueckblick und Besinnung auf die Plaene fuers naechste Jahr.
Warum nicht? :wahrsagerin:


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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von selina » Sonntag 9. Dezember 2018, 09:14

Kief hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 00:07
Weihnachten ist fuer mich Arbeitstag.
The Show must go on, im positiven Sinne.

Ich bereite Freuden, und das gibt mir Aufwind.
Zum Feierabend zwischen 20 und 23 Uhr bin ich erschoepft, von dem vielen Sozial-Spiel des Entertainments.
Muss mental etwas runterkommen.
Aber habe lauter Kindern glaenzende Augen bereitet. :gewinner:

Spielst den Weihnachtsmann? :lol:

Wenn ich alt bin, werde ich nur noch nörgeln. Das wird ein Spaß. :oma:

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Mr. Lonely » Sonntag 9. Dezember 2018, 10:18

selina hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 09:14
Kief hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 00:07
Weihnachten ist fuer mich Arbeitstag.
The Show must go on, im positiven Sinne.

Ich bereite Freuden, und das gibt mir Aufwind.
Zum Feierabend zwischen 20 und 23 Uhr bin ich erschoepft, von dem vielen Sozial-Spiel des Entertainments.
Muss mental etwas runterkommen.
Aber habe lauter Kindern glaenzende Augen bereitet. :gewinner:

Spielst den Weihnachtsmann? :lol:
Bist du der Weihnachtsmann?
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Oxymoron » Sonntag 9. Dezember 2018, 11:00

Ich hasse Weihnachten. Letztes Jahr habe ich mich mit Beruhigungsmitteln vollgeschmissen und die ganze Weihnachtszeit fast durchgeschlafen.

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Polarfuchs » Sonntag 9. Dezember 2018, 12:43

Weihnachten gefällt mir. In aller Ruhe kann man die Familie treffen und sich unterhalten. Ein wenig Aufregung und Stress gehören doch auch immer irgendwie dazu. Am meisten freue ich mich immer auf das leckere Essen, das es dann gibt.
Früher mochte ich Weihnachten aber auch nicht besonders. Bei einer melancholischen Grundstimmung ist dieses Fest kaum zu ertragen.

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Kief » Sonntag 9. Dezember 2018, 13:00

Mr. Lonely hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 10:18
selina hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 09:14
Kief hat geschrieben:
Sonntag 9. Dezember 2018, 00:07
Weihnachten ist fuer mich Arbeitstag.
The Show must go on, im positiven Sinne.
Spielst den Weihnachtsmann? :lol:
Bist du der Weihnachtsmann?
Hm, ja, eins von beiden ist zutreffend ... ;-)


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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Michael Knight » Sonntag 9. Dezember 2018, 16:43

Ich mag sowohl Weihnachten als auch Silvester.

Weihnachten muss allerdings besinnlich sein. Womit ich nichts anfangen kann ist dieser ganze Konsum- und Geschenkewahn, der ja bei vielen Menschen sogar in Stress ausartet. Deswegen habe ich mit allen Leuten, die mir wichtig sind, ausgemacht dass wir uns nichts Materielles schenken. Früher hatten wir immer am 2. Weihnachtsfeiertag ein schönes großes Familienfest, das wir allerdings mittlerweile in den Sommer verlegt haben, weil man da einfach mehr machen kann. Ich mag auch im Vorfeld diese kleinen, heimeligen Weihnachtsmärkte, von denen es hier in der Gegend viele gibt. Mit großen Märkten wie z. B. Nürnberg, die voll auf Masse und Tourismus getrimmt sind, tue ich mir schwer. Da würde ich nie im Leben hingehen.

Silvester ist für mich ein Tag, an dem ich in der Gesellschaft guter Freunde das Jahr nochmals Revue passieren lasse. Es ist doch immer schön sich nochmal an gemeinsam erlebte Ausflüge etc... zu erinnern und das Jahr zu einem guten Abschluss zu bringen. Zudem kann man nebenbei gleich einige Pläne für das kommende Jahr schmieden. Es ist auch eine Möglichkeit inne zu halten und mal den Blick auf sich und das eigene Wohlbefinden zu lenken. Was war an den letzten 12 Monaten gut, was war schlecht? Wo stehe ich und wo möchte ich im neuen Jahr hin?

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Arikari » Montag 10. Dezember 2018, 16:09

Beim Stichwort Weihnachten denke ich zunächst an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit. Als der glitzernde, nach Wald duftende und bunt geschmückte Tannenbaum noch magisch erschien, als wir noch eine Familie waren und meine Freude über die ersehnten Geschenke fast überwältigend schien. Spezielle Weihnachtssendungen im Fernsehen, die aufwändige Festtafel und die aufgeregt-vorfreudige Feiertagsstimmung, wenn nach und nach die Verwandtschaft von nah und fern eintraf, habe ich noch gut in Erinnerung.

Und nun, 20 Jahre später. Man ist erwachsen geworden, hat seine kindliche Begeisterungsfähigkeit und den Glauben an das Gute irgendwo auf dem Weg ins "echte" Leben eingetauscht gegen Zynismus und ein dickes Fell. Der Zauber von damals ist verflogen, nur die Erinnerung daran ist noch da. Man versucht jedes Jahr vergeblich, etwas davon wieder aufleben zu lassen, mit Kerzenschein und den Weihnachsliedern von damals. Aber wenn ich ehrlich bin: ich werde nie wieder zu diesem Zustand reiner kindlicher Freude zurückfinden können. Die Welt wird nie wieder so in Ordnung sein wie damals, meine Familie wird nie wieder ganz sein, und ich selbst werde nie wieder die gleiche unbeschwerte Glückseligkeit verspüren. Deswegen wird auch das Weihnachtsfest nur ein trauriges Zerrbild einer glücklichen Erinnerung, so wie die letzten 20 Weihnachtsfeste auch. Dennoch wird darauf bestanden, die äußere Form zu wahren, sich zu treffen und zusammen an einen Tisch zu setzen und in unbehaglicher Atmosphäre über belanglose Dinge zu plaudern und so zu tun als ob alles genau so ist, wie es sein sollte, während jeder für sich einsam ist. Eine mitleidserregende, armselige Scharade. Warum tu ich mir das jedes Jahr an? Eigentlich nur, um Menschen, die nur noch ihre Erinnerungen zum Glücklichsein haben, nicht auch noch den letzten Rest der Illusion zu nehmen, sie hätten nicht komplett alles im Leben verbockt.
Pssst! Ruft da ein Schokokeks?

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Montecristo » Dienstag 11. Dezember 2018, 08:24

Ganz sicher gehört auch "Weihnachten" zu den Dingen, die im Laufe eines Lebens Veränderungen erfahren und einem Bedeutungswandel unterliegen. Sowohl zum Negativen als auch zum Positiven. Da gibt es einfach unterschiedliche Phasen und die Möglichkeiten zu Erneuerung und Wandel sind nicht immer gegeben. Sie hängen wohl von der sonstigen Lebenssituation ab.
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Weihnachten mit der Familie immer zäher und ritualisierter wurde. Nachdem ich meine Partnerin und jetzige Frau kennenlernte hat sich das aber sehr verschoben. Inzwischen hat auch mein Bruder ("Nie-AB") eine neue Freundin gefunden. Ob neue Gesichter im bestehenden Sumpf untergehen oder neue Impulse geben können, ist sicher ganz verschieden. Bei "uns" hat es gepasst.
Am Ende ist "Weihnachten" wie so vieles im Leben, das was man draus macht. Was nun nicht bedeutet, dass Vergangenes nicht vorbei ist. Manches ist unwiederbringlich verloren. Und diesen Verlust darf mensch sicher auch betrauern.
Bis 45 HC AB: Es kann sich ändern.

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Tania » Dienstag 11. Dezember 2018, 09:04

Arikari hat geschrieben:
Montag 10. Dezember 2018, 16:09
Aber wenn ich ehrlich bin: ich werde nie wieder zu diesem Zustand reiner kindlicher Freude zurückfinden können.
Das nicht. Aber Du hast noch die Chance, anderen Kindern diese Freude zu schenken ... und sie durch sie mitzuerleben.

Liebe knüpft ein Band zwischen uns, aber nicht, um uns zurückzuhalten. Es soll uns davor bewahren, abzustürzen, oder dabei helfen, höher hinauszuklettern. (Aus "Unravel Two")

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Montecristo » Dienstag 11. Dezember 2018, 09:50

"Weihnachten" ist und bleibt ein Familienfest. Insofern kann mensch ganz ohne andere Personen (egal ob Familie oder nicht) wenig dran drehen. Das ist die frustrierende AB-Erfahrung.
Bis 45 HC AB: Es kann sich ändern.

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Milkman » Dienstag 11. Dezember 2018, 12:41

Arikari hat geschrieben:
Montag 10. Dezember 2018, 16:09
Und nun, 20 Jahre später. Man ist erwachsen geworden, hat seine kindliche Begeisterungsfähigkeit und den Glauben an das Gute irgendwo auf dem Weg ins "echte" Leben eingetauscht gegen Zynismus und ein dickes Fell. Der Zauber von damals ist verflogen, nur die Erinnerung daran ist noch da. Man versucht jedes Jahr vergeblich, etwas davon wieder aufleben zu lassen, mit Kerzenschein und den Weihnachsliedern von damals. Aber wenn ich ehrlich bin: ich werde nie wieder zu diesem Zustand reiner kindlicher Freude zurückfinden können. Die Welt wird nie wieder so in Ordnung sein wie damals, meine Familie wird nie wieder ganz sein, und ich selbst werde nie wieder die gleiche unbeschwerte Glückseligkeit verspüren. Deswegen wird auch das Weihnachtsfest nur ein trauriges Zerrbild einer glücklichen Erinnerung, so wie die letzten 20 Weihnachtsfeste auch. Dennoch wird darauf bestanden, die äußere Form zu wahren, sich zu treffen und zusammen an einen Tisch zu setzen und in unbehaglicher Atmosphäre über belanglose Dinge zu plaudern und so zu tun als ob alles genau so ist, wie es sein sollte, während jeder für sich einsam ist. Eine mitleidserregende, armselige Scharade. Warum tu ich mir das jedes Jahr an? Eigentlich nur, um Menschen, die nur noch ihre Erinnerungen zum Glücklichsein haben, nicht auch noch den letzten Rest der Illusion zu nehmen, sie hätten nicht komplett alles im Leben verbockt.
Zynische Worte. Das klingt, als ob du über eine komplett dysfunktionale Familie verfügst, in der jeder sein Leben komplett an die Wand gefahren hat. Ich kenne dich nicht und du musst das auch nicht präzisieren, aber ist denn wirklich alles so schlimm? Könntest du in deinem Leben komplett auf die Leute verzichten und ist es dir egal, wie es ihnen gerade geht? In dem Fall wäre es vielleicht doch ehrlicher, dich der ganzen Geschichte zu entziehen.

Die Leichtigkeit der Kindertage ist vorbei, die Magie, die Weihnachten damals unweigerlich hatte, auch. Aber das ist eben das Vorrecht des Kindseins, es ist alles viel unbeschwerter, viel zauberhafter. Ich habe auch nur die glücklichsten Erinnerungen an die damaligen Weihnachtsfeste, könnte heute aber liebend gern darauf verzichten. Aber deswegen schätze ich die Erinnerungen an früher - an eine sorglose, glückliche Zeit - umso mehr.
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Arikari » Dienstag 11. Dezember 2018, 13:57

Milkman hat geschrieben:
Dienstag 11. Dezember 2018, 12:41
Das klingt, als ob du über eine komplett dysfunktionale Familie verfügst, in der jeder sein Leben komplett an die Wand gefahren hat. Ich kenne dich nicht und du musst das auch nicht präzisieren, aber ist denn wirklich alles so schlimm? Könntest du in deinem Leben komplett auf die Leute verzichten und ist es dir egal, wie es ihnen gerade geht? In dem Fall wäre es vielleicht doch ehrlicher, dich der ganzen Geschichte zu entziehen.
Meine Familie ist maximal dysfunktional, ja. Meine Eltern sind schon lange geschieden, und meine Schwester versteht sich mit beiden nicht bzw. hat den Kontakt abgebrochen. Ich stand schon immer zwischen allen Fronten und hab versucht zu vermitteln, was im Endeffekt nichts gebracht hat bzw. durfte ich mir anhören, wie schrecklich die jeweils anderen sind und was sie sich gegenseitig alles angetan haben. Trotz allem sind mir diese Menschen keineswegs gleichgültig, im Gegenteil. Ich mache mir viele Sorgen, gerade um meinen Vater und meine Schwester. Sie sind sozial ziemlich isoliert und unglücklich über ihre Lebensumstände. Ich tue an Weihnachten das, was ich als meine Rolle in dem Ganzen ansehe: ich versuche meinem Vater das Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln und dass es mir gut geht und alles so läuft, wie er es sich für mich wünscht (unabhängig von meinem tatsächlichen Zustand); versuche meine Schwester zu beschwichtigen und von ihrer Wut abzulenken, damit sie das Kriegsbeil für ein paar Stunden begräbt; und für meine Mutter bin ich der letzte Rest Familie, der ihr geblieben ist, also bin ich einfach für sie da und lasse sie nicht alleine. Das ist ein Drahtseilakt, der mich viel Kraft kostet und bei dem ich mich alles andere als wohl fühle. Keiner darf das Gefühl bekommen, ich würde die anderen bevorzugen. Aber um der "guten alten Zeiten" willen mache ich das mit, und das funktioniert auch bis zu einem gewissen Grad. Schön und erfüllend ist so ein Weihnachtsfest trotzdem nicht, sondern eher eine Pflichtübung.
Montecristo hat geschrieben:
Dienstag 11. Dezember 2018, 08:24
Auch ich habe die Erfahrung gemacht, dass Weihnachten mit der Familie immer zäher und ritualisierter wurde. Nachdem ich meine Partnerin und jetzige Frau kennenlernte hat sich das aber sehr verschoben. Inzwischen hat auch mein Bruder ("Nie-AB") eine neue Freundin gefunden. Ob neue Gesichter im bestehenden Sumpf untergehen oder neue Impulse geben können, ist sicher ganz verschieden. Bei "uns" hat es gepasst.
Das ist schön, dass eure Partnerinnen frischen Schwung in die Bude bringen. Manchmal ist das das Einzige, was noch hilft. Mein Partner und ich verbringen Weihnachten mit unseren jeweiligen Familien, also getrennt. Es wäre spannend zu sehen, wie sich die Gruppendynamik mit ihm verändern würde.
Pssst! Ruft da ein Schokokeks?

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Volta » Dienstag 11. Dezember 2018, 15:24

Das ist ja eine ziemlich beeindruckende Leistung von dir, Arikari. :hut:

Saraj
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Saraj » Dienstag 11. Dezember 2018, 15:42

Ich mag Weihnachten auch überhaupt nicht. Die Verwandtschaft kommt, die zwar nebenan wohnt, aber sonst das ganze Jahr nicht mit einem redet. Man wird nicht danach gefragt, wie es einem geht, sondern man wird, wenn man in der Hinsicht nicht ohnehin schon ganz abgeschrieben ist, nach seiner Leistung abgefragt (Beruf, Beziehungsstatus). Wenn man nichts zum Angeben hat, wird man ignoriert. Letztes Jahr wurde ich den ganzen Abend hindurch subtil beleidigt, weil ich zuhause gewohnt und im Cafe/als Pommesausteilerin gearbeitet habe. Warum dem so war, war unwichtig. Es zählten nur die Fakten.
Ich habe eineinhalb bis zwei Leute in meiner Verwandtschaft, zu denen ich zwar kaum Kontakt habe und die mich auch nicht richtig verstehen, die ich aber dennoch mag und denen ich dankbar bin, und vier bis fünf, die einem einfach nur in jeder Hinsicht schaden.
Es ist alles scheinheilig und man merkt den Leuten an, dass sie allesamt keine Lust auf das gezwungene Miteinander haben. Das Essen dort kann ich auch nicht konsumieren, geschweige denn irgendwas Alkoholisches. Habe heute beschlossen, für Weihnachten nicht zurückzureisen, sondern alleine in der Wohnung zu bleiben und mir ne schöne Zeit mit ner Kerze, mit viel Schlaf, mit Filmen und selbstgekochtem Essen zu machen.
Ich gebe zu, dass mir das leichter fällt als in den Jahren zuvor, weil ich weiß, dass ich auch dann nicht komplett alleine bin, wenn ich die Zeit nur mit mir verbringe. Dennoch handhaben das Teile meiner unvergebenen Familie mittlerweile auch so und fühlen sich ebenfalls besser damit.

Aber wer hat schon das perfekt schöne Weihnachten mit ner Familie, in der sich alle total lieben und super miteinander klarkommen? :gruebel:
Gibt es hier auch Kandidaten für dieses Szenario?

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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von Mit müden Augen » Dienstag 11. Dezember 2018, 16:04

Saraj hat geschrieben:
Dienstag 11. Dezember 2018, 15:42
im Cafe/als Pommesausteilerin gearbeitet habe.
Na und? Ist auch ein ehrlicher Job der gemacht werden muss!

Ich mag Weihnachten übrigens auch nicht. :schwarzekatze:
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Re: "Schreckliche Weihnachten"

Beitrag von uhu2163 » Dienstag 11. Dezember 2018, 19:15

Saraj hat geschrieben:
Dienstag 11. Dezember 2018, 15:42
... Habe heute beschlossen, für Weihnachten nicht zurückzureisen, sondern alleine in der Wohnung zu bleiben und mir ne schöne Zeit mit ner Kerze, mit viel Schlaf, mit Filmen und selbstgekochtem Essen zu machen.
Ich gebe zu, dass mir das leichter fällt als in den Jahren zuvor, weil ich weiß, dass ich auch dann nicht komplett alleine bin, wenn ich die Zeit nur mit mir verbringe. Dennoch handhaben das Teile meiner unvergebenen Familie mittlerweile auch so und fühlen sich ebenfalls besser damit.
Warum bist du nicht bei deiner schlechteren Hälfte?
Also ich praktiziere das Alleinsein zu Weihnachten schon seit Jahren.
Anlass war ursprünglich, dass irgendwann die verschiedenen Familienteile organisatorisch nicht mehr zusammen zu bringen waren. Ich habe das dann anfangs mittels "Ausreden" fortgeführt, weil es mir so besser gefiel, zwischenzeitlich hat man sich daran gewöhnt und es wird akzeptiert.
Tut mir zwar ein bisschen leid für meine Eltern, aber manchmal muss man auch die Reißleine ziehen und mehr an sich selbst denken.
Es gibt für jeden Topf einen passenden Deckel. Aber es gibt nicht genug passende Deckel für alle Töpfe!

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