Leben im Internat

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Aloha78
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Leben im Internat

Beitrag von Aloha78 » Samstag 13. Oktober 2018, 18:23

Hallo zusammen,

ich habe mir gerade eine Doku über das Leben im Internat (7 Tage vom NDR) angeschaut und fand es eigentlich ganz interessant und macht mich neugierig. Es gibt sicherlich eine ganze Latte an Nachteilen, aber wenn ich so darüber nachdenke glaube ich, dass mir diese tägliche Struktur geholfen hätte, besser in der Schule und im Zusammenleben mit anderen, sozialen Kontakten, zurechtzukommen.

Es zielt nicht direkt auf AB ab aber an diejenigen, die im Internat waren, die mit HSP/Asperger zurechtkommen müssen, es in der Schulzeit noch nicht bekannt war oder die das bei sich ohne offizielle Diagnose bei sich selbst vermuten. Hat es Euch eher geholfen oder nicht?

Für mich gilt ja hätte, wäre, Fahrradkette, aber das interessiert mich jetzt einfach mal. Vielen Dank.

LG
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Kief
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Re: Leben im Internat

Beitrag von Kief » Samstag 13. Oktober 2018, 22:54

Mir hat es geholfen.

Vor allem zur Abnabelung.
Aber auch im Alltag etwas mehr Struktur reinbekommen,
und in meinem wohnlichen Umfeld auch Kumpels zu Besuch zu bekommen.
Weniger Risiken, zum Unterricht drastisch zu spaet zu kommen.
Saemtliche Mahlzeiten mit Kumpels.


K

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Re: Leben im Internat

Beitrag von LonesomeCoder » Dienstag 16. Oktober 2018, 17:54

Ich sehe da ein Problem: es ist nur eine Lösung auf Zeit. Irgendwann ist man erwachsen und mit der Schule fertig. Dann wäre das Studium oder Ausbildung im Erwachsenenalter mit sehr wenig Leuten mit den gleichen Problemen wie man selber um sich rum das erste Mal, wo man ein von Normalos dominiertes Umfeld hat. Je früher man lernt, sich in einem Normalo-Umfeld zu behaupten und durch Beobachtung und Nachahmung zu lernen, wie normales Sozialverhalten geht, desto besser ist es doch? Oder habe ich was übersehen?
Aus dem selben Grund bin ich kein Fan von Home-Schooling. Ja, es schützt das Kind vor negativen Einflüssen durch andere Kinder wie vllt. zum Rauchen motiviert zu werden, auf einem Handy Hardcore-Tierpornos zu sehen, bei Vandalismus mitzumachen, anstatt für die Prüfung zu lernen, lieber Party zu machen, es wird möglicherweise gemobbt, usw. Aber später nach der Schule geht dann ein Leben in einer "sicheren Höhle" nicht mehr. Wer als Erwachsener das erste Mal erlebt, dass einem Leute zu schlechten Dingen überreden wollen oder einem schaden, wird sich damit viel schwerer tun, wie jemand, der das schon als Kind lernte.

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Re: Leben im Internat

Beitrag von Milkman » Mittwoch 17. Oktober 2018, 10:08

Ich hatte zuerst gelesen "Leben im Internet"... :good:

Sind Internate heute noch zeitgemäß? Ich kenne niemanden, der dort gewesen wäre...

Klar kann man dadurch Struktur in sein Leben reinbekommen. Das zu vermitteln ist aber doch eigentlich Aufgabe des Elternhauses. Und die Probleme, die man in einer normalen Schule hat - insbesondere mit Mitschülern - werden dort sicher noch mal dadurch potenziert, dass man quasi gleich in der Schule wohnt.
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Re: Leben im Internat

Beitrag von Nonkonformist » Mittwoch 17. Oktober 2018, 10:52

Ich war nie in ein internat, aber als HSP mit einen hohen rueckzugsbedarf waere es fuer mich die reinste horror gewesen.

Ich hatte in meinen schulzeit auch mal einzelne freunde zum besuch (meist eher individualistichen aussenseiter wie ich) aber fuelhte mich weiter alleine sehr wohl - habe gerne gezeichnet (comics, der basis fuer meinen spaeteren beruf), gelesen, fernsehen geguckt, meine hobbies waren keine gruppenhobbies, und sport war fuer mich immer eine art straf den ich mich freiwillig nicht angetan habe.

Ich habe gruppenzwang und gruppendynamik immer gehasst wie die pest, und habe fuer mich auch nicht das gefuehl mich mehr in richtung gruppenorientierte normalo entwickeln zu wollen. Ich brauche keine anderen um mir zu sagen was ich mag, will, oder mich gefaellt.

Fuer mich ist die loesung fuer asperger und HSPs auch bestimmt NICHT, das sie mehr wie normalos werden sollen (wir haben eigenschaften die gesellschaftlich gefragt sind und bei normalos eher seltener sind) - aber vielleicht waere ein bisschen mehr sozialen akzeptanz aus der normalo-welt nicht schlecht.
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Re: Leben im Internat

Beitrag von Lazarus Long » Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:09

Warum sollten Internate nicht mehr zeitgemäß sein. Es gibt ja z. B. die Sportinternate und auch andere, die sich an Schüler mit einer speziellen Begabung richten.

Es gibt aber darüber hinaus natürlich noch immer eine Klientel, z.B. Schauspieler und andere, die beruflich viel unterwegs sind, für die es hilfreich sein könnte, wenn ihre Kinder einen solchen Ruhepol haben.
Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

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Re: Leben im Internat

Beitrag von Darth Bane » Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:14

Milkman hat geschrieben:
Mittwoch 17. Oktober 2018, 10:08
Sind Internate heute noch zeitgemäß? Ich kenne niemanden, der dort gewesen wäre.
Sie sind durchaus noch zeitgemäß. Ich kenne auch einen ehemaligen Mitschüler, der nach der Grundschule auf ein Internat gegangen ist. Dies hatte u. a. damit zu tun, das seine Eltern beruflich bedingt ins Ausland mussten.
Internatsabsolventen gelten zudem als überdurchschnittlich motiviert und leistungsbereit. Und wie LonesomeCoder bereits schrieb, genießt man im Internat wohl deutlich mehr Schutz vor Drogen- oder übermäßigem Alkoholkonsum.
Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, und einer, der nach ihr giert.

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Re: Leben im Internat

Beitrag von Kief » Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:42

Darth Bane hat geschrieben:
Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:14
Internatsabsolventen gelten zudem als überdurchschnittlich motiviert und leistungsbereit. Und wie LonesomeCoder bereits schrieb, genießt man im Internat wohl deutlich mehr Schutz vor Drogen- oder übermäßigem Alkoholkonsum.
Ist das eine Vermutung oder bist Du sicher?

Ich weiss es nicht, aber in jenem Fall waere das bei mir dann die Ausnahme.
(Wobei, am schlimmsten war das Knoblauch-Wochenende ... )


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Re: Leben im Internat

Beitrag von knopper » Mittwoch 17. Oktober 2018, 12:02

Naja ich gehe davon aus, das in einem Internat die Wahrscheinlichkeit das man frühzeitig zumindest mal eine Jugendliebe findet, höher ist als wenn man ewig noch zu Hause wohnt und sonst nix weiter unternimmt.
Man trifft sich ja mal gemeinsam auf nem Zimmer, kennt sich, hat nen gemeinsamen Tagesablauf, schäkert rum usw... sowas schult natürlich soziale Skillz.
Wenn man aber erst spät von zuhause auszieht und dann noch allein wohnt, ändert sich meiner Meinung nach überhaupt nix an der Situation.
Der Tagesablauf ist bereits gefestigt, und man wird ihn genauso weitermachen wie bisher bei den Eltern. So war es jedenfalls bei mir.

In der Richtung daher ja, sehe ich es schon als etwas positives an.

Aaaaber jetzt kommt die negative Seite bspw. extremes Mobbing und Psychoterror durch andere, was natürlich dann nochmal verstärkt wird dadurch das man sie ja ständig um sich rum hat, und nicht weg kann. Manche sind da recht ausdauernd und machen so lange weiter bis sie einen evt. rausgemobbt haben oder so.
Und dagegen kann man auch nix machen, weder starkes Selbstbewusstsein, noch Durchsetzungsvermögen und erst recht keine Gewalt in Form von Prügeleien....das macht es alles nur noch schlimmer.

Wenn man noch zuhause bei den Eltern wohnt so hat man wenigstens da seinen Rückzugsbereich.

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Re: Leben im Internat

Beitrag von BTVS » Mittwoch 17. Oktober 2018, 12:09

Kief hat geschrieben:
Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:42
Darth Bane hat geschrieben:
Mittwoch 17. Oktober 2018, 11:14
Internatsabsolventen gelten zudem als überdurchschnittlich motiviert und leistungsbereit. Und wie LonesomeCoder bereits schrieb, genießt man im Internat wohl deutlich mehr Schutz vor Drogen- oder übermäßigem Alkoholkonsum.
Ist das eine Vermutung oder bist Du sicher?

Ich weiss es nicht, aber in jenem Fall waere das bei mir dann die Ausnahme.
(Wobei, am schlimmsten war das Knoblauch-Wochenende ... )


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Also ich habe die Erfahrung gemacht in meinen insgesamt vier Jahren im Internat, dass man sehr wohl in Berührung mit Alkohol und (weichen) Drogen kommt. Diese Zeit war die wildeste und intensivste Zeit meines Lebens und ich habe einige Menschen kennengelernt mit denen ich heute noch Kontakt habe.

Mir hat das Internatsleben sehr geholfen, selbstständiger zu werden und mich von meinen Eltern abzunabeln, was zwingend notwendig war.

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Re: Leben im Internat

Beitrag von Gilbert » Donnerstag 18. Oktober 2018, 15:10

knopper hat geschrieben:
Mittwoch 17. Oktober 2018, 12:02
Wenn man aber erst spät von zuhause auszieht und dann noch allein wohnt, ändert sich meiner Meinung nach überhaupt nix an der Situation.
Der Tagesablauf ist bereits gefestigt, und man wird ihn genauso weitermachen wie bisher bei den Eltern. So war es jedenfalls bei mir.
Ich bin auch erst mit 29 von daheim ausgezogen, jedoch war das bei mir nicht so. Im Gegensatz zu meiner Schwester war es mir ab der Pubertät ein Graus, mich in den strikten Tagesablauf meiner Eltern einzufügen und ich versuchte immer, mich dem weitgehend zu entziehen.
Das Internatsleben hätte mir sicher auch nicht zugesagt. In meiner Vorstellung die Unfreiheit in Reinkultur.....
Eine großartige Beziehung erwächst nicht daraus, daß ein >perfektes< Paar sich findet, sondern wenn ein >nicht perfektes< Paar lernt, sich an den persönlichen Gemeinsamkeiten zu erfreuen.

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