Das Kreuz mit der Vergangenheit

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Antimainstream
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Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Antimainstream » Freitag 6. Juli 2018, 18:26

In letzter Zeit zeigt sie immer wieder Präsenz - diese Vergangenheit. So sehr ich inzwischen die Einstellung habe, trotz aller Nostalgie und doch schöner Momente, nicht mehr großartig zurückzublicken. Denn davon habe ich nichts und das Leben besteht aus Veränderungen und so blickt man eben in die falsche Richtung. Und trotzdem passiert es die letzten Wochen immer und immer wieder, dass ich von der Vergangenheit daran erinnert werde, dass sie auch noch da ist. Es sind aber keine nostaligschen Momente. Keine Momente, die mich an das schöne, der Vergangenheit erinnern. Es kommt explizit die negative Seite zur Geltung. Immer wieder blitzen Erinnerungen auf.

Beispiel:
Es ist Sommer 2003. Der Sommer ist mir mit seiner ungewöhnlich großen Hitze in Erinnerung geblieben. Meine Allgäu-Verwandten sind zu besuch und möchten mit mir und meiner Schwester etwas unternehmen. Ich bleibe lieber zu Hause. Spiele lieber Computer oder sehe mir lieber das Formel1-Rennen an. Da gehen sie halt nur mit meiner Schwester in's Freibad. Am Abend haben sie mich gefragt, was ich denn so getrieben hätte. Ich dachte ich wirke besonders vorbildlich, wenn ich sage, dass ich gelernt und gelesen hätte. Dass sie sich vielleicht daraufhin dachten, was ich denn für ein seltsames Kind sei, das freiwillig nicht rausgeht, auf den Gedanken kam ich damals gar nicht.
Ebenfalls im Sommer 2003, in den Sommerferien. Drausen ein bombig, gutes Wetter. Und was macht der kleine Antimainstream? Er sitzt in seinem Zimmer und fasst sämtliche Einträge aus dem vergangen Schuljahr zusammen :lach: :crybaby: . Natürlich habe ich auch noch Anderes gemacht, um Zeit kaputt zu machen. Aber Das mit den Einträgen zusammenfassen ist für mich einfach DAS Sinnbild, weshalb ich meinen AB-Status habe. In dieser Zeit sehe ich den Ursprung, dass ich so abgedriftet bin. Ich hatte damals das Bedürfnis vorbildlich, ja streberhaft zu wirken. Immer schön bei Lehrern und Eltern gut angesehen zu sein. Hmm... die Personen, die von der Autorität her, in diesem Alter doch noch über einen stehen. Was ich für ein Ansehen bei Gleichaltrigen hatte, war mir damals recht egal. Liegt vielleicht daran, dass ich trotzdem kein Außenseiter war. Wie Das funktioniert hat und mich viele freiwillig versuchten, privat zu treffen, verstehe ich nicht zu 100%. Ich habe mich sogar mit "Gewalt" solchen treffen entzogen. Aber das drösel' ich hier und jetzt nicht nochmal auf, das würde den Rahmen sprengen und ich schweife ab. Mir wäre es damals nie in den Sinn gekommen, mal irgendwie wirklich gegen Lehrer und Eltern zu sein, mal zu rebellieren. Immer schön gespurt. Immer schön daheim geblieben.
Es heißt ja, dass die Pubertät die aufregendste Zeit im Leben ist. Man könnte glatt meinen, ich bin jetzt erst in der Pubertät. Ihr wisst ja selber, was bei mir im Moment alles so abgeht, habe hier in den letzten Wochen gut geschrieben. Und das ist definitiv aufregender als meine Pubertät! Der Einen oder Anderen Lehrkraft war mein Verhalten irgendwann unheimlich und hat zumindest probiert mich außerhalb der Schule unter gleichaltrige zu bringen, wo ich mich mit Erfolg gewehrt, und mit meiner momentanen Einsamkeit die Quittung erhalten, habe.

Meine Schwester ist diesbezüglich "normal" aufgewachsen. Immer was mit ihren Freundinnen unternommen. Immer aktiv. Das volle Programm auch mit Zoff etc. Sich des öfteren gegen die Meinung der Eltern gestellt usw. Ich empfand sie lange als doofe Kuh. Weil sie eben mit Leidenschaft lebt und wenig Vernunft, was sich gebessert hat. Inzwischen schaltet sie auch mal das Hirn ein :mrgreen: . Aber heute weiß ich, dass sie einfach "gelebt" hat. Während der 13-jährige Antimainstream in diesem denkwürdigen Sommer in seinem Zimmer saß :roll: . Andere haben in meinem Alter haben damals angefangen sich für das andere Geschlecht zu interessieren. Ich schon auch, sonst würde etwas grundlegend nicht mit mir stimmen. Aber im Gegensatz zu den Anderen habe ich einfach nichts unternommen, is klar ;) . Bloß nichts riskieren, bloß nichts neues entdecken, bloß kein Abenteuer eingehen.

Ich war ein komischer Junge und verstehe mich heute selber nicht mehr. Ich kann mir nur vorstellen, dass ich einfach viel von meinen Eltern abgeschaut habe. Denn diese sind auch heute noch schwer für neues zu begeistern, einfach mal etwas zu unternehemen usw. Ich hoffe ihr könnt es euch einigermaßen vorstellen. Um es vielleicht etwas markanter auszudrücken, sie führen ein kleinbürgerliches Spießerleben. Der Garten ist gemacht, das Haus ist geputzt man geht jeden Tag brav in seine Arbeit und am Feierabend läuft der Fernseher. Am Sonntag Nachmittag geht der Vater seinem Vereinsleben nach und Mutter kümmert sich währenddessen um ihre Pflichten als Hausfrau. Und so läuft Woche für Woche gleich. Keine Abwechslung, kein Abenteuer, keine außergewöhnlich schönen Erlebnisse, kein geselliges beisammensein mit irgendwelchen bekannten, etc. Gut, im Alter änderst du Das auch nicht mehr, zumal die Zipperlein immer mehr werden. Aber so bin ich aufgewachsen und empfand es als völlig normal und alle, die anders leben führen ein Lotterleben. So empfand ich damals.

Und im Moment tauchen etwas häufiger, als normal, solche Erinnerungen wieder auf. Im Idealfall betrachte ich die Differenz und sehe erst mal, wie drastisch ich mich sowohl optisch, als auch von meinem Charakter her, zum positiven verändert habe. Aber genauso passiert es, dass ich ganz schlechte Laune bekomme. Ich empfinde es inzwischen so, als wenn ich mich selber "eingesperrt" habe und mich damit selber gewissen Erlebnissen und Erfahrungen beraubt hätte - eine freiwillige Freiheitsberaubung ;) . Und das über eine richtig lange Zeit - bis in mein 25. Lebensjahr, bis ich dann doch mal auszog.
Im Moment sehe ich mir eine alte Serie an, die im Fernsehen wiederholt wird. Das weckt Erinnerungen an damals und ich bin schon drauf und dran es wieder sein zu lassen, wenn das immer wieder mal so heftige Reaktionen in mir auslöst. Jüngstes Szenario ist, als ich letzten Freitag in meinem Kleiderschrank eine Hose aus vergangenen Tagen fand und spaßes halber probierte. Auf einmal bekam ich Wut auf mich selber, warum ich mich damals so gehen lassen konnte, dass ich zum Schluss 40 Kg mehr auf den Rippen hatte. Es geht im Moment so weit, dass ich durch meine Heimatstadt laufe, in der ich immer noch wohne und an irgendwas erinnert werde. Und ganz ehrlich, so sehr ich meine Stadt mag, aber einem Umzug in eine andere Gegend stehe ich jetzt auch schon positiver gegenüber. Allgemein bin ich kein Fan mehr davon, an Altem festzuhalten. Teilweise ist es echt grausam, wie die Vergangenheit mich im Moment im Griff hat. Es geht schon so weit, dass ich schlechte Laune bekomme, wenn ich bei meinen Eltern zu besuch bin. Ich habe das Gefühl, dass ich dort zu oft bin. Natürlich werde ich auch hier ständig an irgendwas aus vergangen Zeiten erinnert, zumal sie ja immer doch die Alten geblieben sind.

Wenn ich so überlege besteht im Moment sogar ein gewisses Bedürfnis, vor der Vergangenheit zu flüchten. Es ist aber schwachsinnig. Die Vergangenheit ist ein Teil von mir, ich kann sie nicht abschütteln.

Ich fühle mich sehr gefordert. Neben meinem Job mache ich ein Fernstudium zum Techniker. Natürlich bin ich nach wie vor daran interessiert, dass ich mich körperlich fit halte. Dann bin ich im Moment fast jedes Wochenende auf einem Konzert. Und dann kommt noch dazu dass ich mich wieder heftig für Mädels interessiere, aber ich mich noch nichts getraut habe. Und das ist auch ein großer innerlicher Konflikt. Momentan habe ich so einen großen wunsch nach einer Freundin und andererseits traue ich mich nicht, mal in die Richtung etwas zu unternehmen. Es ist ein Gefühl, als wenn
es mich bald zerreist, wenn dieser Konflikt weiterhin besteht. Und immer noch versuche ich auch, mir einen Freundeskreis aufzubauen, was mir nicht schnell genug geht.
Dann kommt noch die Vergangenheitsbewältigung hinzu. Ich hoffe ich habe nichts vergessen. Und Alles mache ich mit einer Leidenschaft, die im Moment doch ganz schön kräftezehrend ist. Ich freue mich schon auf meinen Urlaub in gut 4 Wochen, um wieder mal zur Ruhe zu kommen. Denn ich habe das Gefühl, dass meine momentane Gefühlswelt spuren hinterlässt. Es ist mir gerade nicht mehr möglich die Konzentration über längeren Zeitraum aufrecht zu erhalten und ich meine gerade, dass mein Auffassungsvermögen auch nicht mehr so gut ist. Ich fühle mich inzwischen ganz schön "runter".

Was sagt ihr als Laien-Psychologen dazu :mrgreen: ? Ist das in meinem "geistigen Umbruch" normal, dass ich so auf meine Vergangenheit reagiere? Vergeht das irgendwann wieder? Kann ich irgendwann darüber schmunzeln?
Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Stabil » Samstag 7. Juli 2018, 08:39

Antimainstream hat geschrieben:
Freitag 6. Juli 2018, 18:26
Was sagt ihr als Laien-Psychologen dazu ?
Nur der Vollständigkeit halber: Als Laien-Psychologe fühle ich mich nicht angesprochen. In diese Schublade passe ich nicht.

Aber ich kann dir sagen, was für mich funktioniert:

Wenn ich die Gegenwart aktiv und engagiert lebe, treten die Erinnerungen in ihrer Bedeutung zurück. Da scheinst du eh gut unterwegs zu sein.

Mich erschüttern manchmal auch Erinnerungen an früheres Verhalten.
Mir hilft es , sich zu distanzieren. Das ist wörtlich gemeint, man kann auf sich selbst wie aus grösserer Entfernung schauen. Und es hilft, sich klar zu machen, dass es weit zurück liegt.
Ebenso hilfreich finde ich das Annehmen: Es war wie es war. Das heisst nicht, etwas schön zu reden, sondern die Tatsachen anzunehmen.

Wenn bestimmte Inhalte immer wieder kommen, dann schaue ich oft, was kann ich daraus lernen: Was kann ich heute anders tun, was kann ich heute besser wahrnehmen. Was kann mich dabei unterstützen und wie kann ich selbstverantwortlich dafür sorgen, dass ich wahrnehme und handle, wie ich es für richtig finde. Diese Überlegungen lassen nach und nach die aufdringlichen Erinnerungen wieder unbedeutend werden.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Seb-X » Sonntag 8. Juli 2018, 12:53

Ich beschäftige mich fast ausschließlich mit der Vergangenheit und dem Verpassten. Was soll ich mich mit der Zukunft beschäftigen? Dass ich bald 40 sein werde? Dass ich mich mittlerweile regelmäßig ärztlich durchchecken lassen sollte? Dass ich unaufhörlich körperlich abbauen werde? Dass ich regelmäßig Sport treiben und auf meine Gesundheit achten muss, um ja noch soviel Jugend wie möglich zu bewahren, gerade auch deshalb, weil man in der eigenen Jugend im Gegensatz zu anderen alles verpasst, was das - in meinem Fall - Frauen angeht? Die Zeit vergeht eh so rasend schnell, dass die Zukunft ruckzuck Vergangenheit ist. Außerdem fühle ich überhaupt keine Macht, meine Zukunft wirklich bewusst gestalten zu können. Ich fühle mich da komplett macht- und hilflos.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Pferdedieb » Sonntag 8. Juli 2018, 14:19

Antimainstream hat geschrieben:
Freitag 6. Juli 2018, 18:26
Ich war ein komischer Junge und verstehe mich heute selber nicht mehr. Ich kann mir nur vorstellen, dass ich einfach viel von meinen Eltern abgeschaut habe. Denn diese sind auch heute noch schwer für neues zu begeistern, einfach mal etwas zu unternehemen usw. Ich hoffe ihr könnt es euch einigermaßen vorstellen. Um es vielleicht etwas markanter auszudrücken, sie führen ein kleinbürgerliches Spießerleben. Der Garten ist gemacht, das Haus ist geputzt man geht jeden Tag brav in seine Arbeit und am Feierabend läuft der Fernseher. Am Sonntag Nachmittag geht der Vater seinem Vereinsleben nach und Mutter kümmert sich währenddessen um ihre Pflichten als Hausfrau. Und so läuft Woche für Woche gleich. Keine Abwechslung, kein Abenteuer, keine außergewöhnlich schönen Erlebnisse, kein geselliges beisammensein mit irgendwelchen bekannten, etc. Gut, im Alter änderst du Das auch nicht mehr, zumal die Zipperlein immer mehr werden. Aber so bin ich aufgewachsen und empfand es als völlig normal und alle, die anders leben führen ein Lotterleben. So empfand ich damals.
Kenne ich sehr gut diese Situation. :sadman:

Meine Eltern arbeiten beide nicht mehr (aufgrund des Alters), wobei meine Mutter nach meiner Geburt sowieso das Arbeiten für alle Ewigkeiten eingestellt hat. Heute beschwert sie sich über die kleine Rente. Wenn man über 30 Jahre lang nichts mehr arbeitet und einbezahlt, ist natürlich auch die Rente verschwindend gering. Aber man wollte das damals so. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, wird sie für den Rest ihres Lebens zur Hausfrau. So war es schon immer. Das wurde auch nie hinterfragt, für meine Eltern war das eine Selbstverständlichkeit. Reicht doch, wenn der Ehemann Geld verdient. Die Frau versorgt das Kind und macht den Haushalt.
Ja, auch meine Eltern führen ein sehr kleinbürgerliches Spießerleben. Klingt hart, ist aber so.

Ich habe wohl auch in der Hinsicht etwas von meinen Eltern geerbt:
- Ich habe wie meine Eltern keine Freunde und bin in der Regel zu Hause (und helfe im Haushalt / Garten mit, was ich aber auch gern mache. Ich wohne ja schließlich auch hier.)
- Ich bin etwas spontaner als früher, das hat sich zum Glück gebessert. Meine Eltern brauchen immer noch eine tagelange "Vorlaufzeit", wenn mal etwas außergewöhnliches ansteht, um gedanklich die Situation durchzuspielen. Dieses "Nachdenken" über auch "harmlose" Dinge gibt es jedoch auch bei mir.
- Es gibt keine Ex-Freunde/innen. Man lernt sich kennen und diese Person wird dann auch geheiratet. Trennungen sind nicht vorgesehen (vielleicht auch mit ein Grund, warum ich AB bin - verschiedene Freundinnen zu haben hätten meine Eltern wohl kaum toleriert).

Ich schaue ab und an die alten Folgen von "Familie Heinz Becker." Die "älteren" unter euch kennen diese Serie wohl auch.
Obwohl das alles frei erfunden ist, finde ich es sehr erschreckend, wieviele Parallelen es zwischen "Heinz" und "Hilde" und meinen Eltern gibt.
Bei meinen Eltern ist es leider nicht gespielt, sondern real.

Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=l_cdnbLkalE
Bereits die ersten Sätze der beiden hätten auch von meinen Eltern kommen können. Ein Großteil vom Rest auch.

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von schmog » Sonntag 8. Juli 2018, 14:25

Ich befasse mich ausschliesslich mit meiner traumatischen Heim-Kindheit/Vergangenheit/Aufarbeitung und meinem dadurch zerstörten Leben. In mir ist fast nur noch Frust, Hass und Wut. Dazu noch diese elende lange Sch **** Krankheit die kaum mehr endet.
Warum sollte ich als einsamer, alter und kranker MAB60 (womöglich noch zuversichtlich) in die Zukunft schauen?
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Polarfuchs » Sonntag 8. Juli 2018, 15:12

Pferdedieb hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 14:19
Antimainstream hat geschrieben:
Freitag 6. Juli 2018, 18:26
Ich war ein komischer Junge und verstehe mich heute selber nicht mehr. Ich kann mir nur vorstellen, dass ich einfach viel von meinen Eltern abgeschaut habe. Denn diese sind auch heute noch schwer für neues zu begeistern, einfach mal etwas zu unternehemen usw. Ich hoffe ihr könnt es euch einigermaßen vorstellen. Um es vielleicht etwas markanter auszudrücken, sie führen ein kleinbürgerliches Spießerleben. Der Garten ist gemacht, das Haus ist geputzt man geht jeden Tag brav in seine Arbeit und am Feierabend läuft der Fernseher. Am Sonntag Nachmittag geht der Vater seinem Vereinsleben nach und Mutter kümmert sich währenddessen um ihre Pflichten als Hausfrau. Und so läuft Woche für Woche gleich. Keine Abwechslung, kein Abenteuer, keine außergewöhnlich schönen Erlebnisse, kein geselliges beisammensein mit irgendwelchen bekannten, etc. Gut, im Alter änderst du Das auch nicht mehr, zumal die Zipperlein immer mehr werden. Aber so bin ich aufgewachsen und empfand es als völlig normal und alle, die anders leben führen ein Lotterleben. So empfand ich damals.
Kenne ich sehr gut diese Situation. :sadman:

Meine Eltern arbeiten beide nicht mehr (aufgrund des Alters), wobei meine Mutter nach meiner Geburt sowieso das Arbeiten für alle Ewigkeiten eingestellt hat. Heute beschwert sie sich über die kleine Rente. Wenn man über 30 Jahre lang nichts mehr arbeitet und einbezahlt, ist natürlich auch die Rente verschwindend gering. Aber man wollte das damals so. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, wird sie für den Rest ihres Lebens zur Hausfrau. So war es schon immer. Das wurde auch nie hinterfragt, für meine Eltern war das eine Selbstverständlichkeit. Reicht doch, wenn der Ehemann Geld verdient. Die Frau versorgt das Kind und macht den Haushalt.
Ja, auch meine Eltern führen ein sehr kleinbürgerliches Spießerleben. Klingt hart, ist aber so.

Ich habe wohl auch in der Hinsicht etwas von meinen Eltern geerbt:
- Ich habe wie meine Eltern keine Freunde und bin in der Regel zu Hause (und helfe im Haushalt / Garten mit, was ich aber auch gern mache. Ich wohne ja schließlich auch hier.)
- Ich bin etwas spontaner als früher, das hat sich zum Glück gebessert. Meine Eltern brauchen immer noch eine tagelange "Vorlaufzeit", wenn mal etwas außergewöhnliches ansteht, um gedanklich die Situation durchzuspielen. Dieses "Nachdenken" über auch "harmlose" Dinge gibt es jedoch auch bei mir.
- Es gibt keine Ex-Freunde/innen. Man lernt sich kennen und diese Person wird dann auch geheiratet. Trennungen sind nicht vorgesehen (vielleicht auch mit ein Grund, warum ich AB bin - verschiedene Freundinnen zu haben hätten meine Eltern wohl kaum toleriert).

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Obwohl das alles frei erfunden ist, finde ich es sehr erschreckend, wieviele Parallelen es zwischen "Heinz" und "Hilde" und meinen Eltern gibt.
Bei meinen Eltern ist es leider nicht gespielt, sondern real.

Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=l_cdnbLkalE
Bereits die ersten Sätze der beiden hätten auch von meinen Eltern kommen können. Ein Großteil vom Rest auch.
Natürlich denke ich auch manchmal zurück. Der Mensch besteht eben aus Vergangenheit und Zukunft. Trotzdem sollte man versuchen mehr in der Gegenwart zu leben und die Zukunft zu beachten.
Dein Leben bietet dir gerade wenig Abwechslung. Du lebst doch noch bei deinen Eltern, oder?
Hast du schon einmal mit dem Gedanken gespielt, in eine eigene Wohnung mit etwas Abstand zu deinen Eltern zu ziehen? Dann ist die Sicht auf die Eltern auch etwas milder und nicht mehr so streng.
Zuletzt geändert von Polarfuchs am Sonntag 8. Juli 2018, 15:24, insgesamt 3-mal geändert.

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Nonkonformist » Sonntag 8. Juli 2018, 15:14

In meinen gegenwart gibt es schon seit lange nichts mehr.
Das letzte mal das ich mich neu verliebte, war 2011 - es war in einen stadt weit weg von daheim, sie war bereits vergeben, es war nicht alzu tief, und sie war schnell wieder vergessen. Mehr als gegenseitige flirts und zweideutigkeiten hat es da nicht gegeben, und meine entscheidung nicht mehr daraus zu machen ist eine rationale entscheidung gewesen.
Ende 2012 kam eine frueheren Grosse OdB zurueck in meinem leben, wir waren bis fruehling 2014 wieder kollegen, ich vermute das ich da eine ziemlich gute chance versaut habe.
Seitdem - nichts mehr.
Alle frauen die ich nach fruehling 2014 begegnete liessen mich volkommen kalt.
Ich trauere die letzte Grosse Unerreichbare Liebe noch immer nach und das wars denn auch.

In der vergangenheit sind die indizien was ich falsch gemacht habe, wie ich meine chancen versaut habe, eine ebentuelle schluessel wie ich in der zukuenft die fehler nicht wiederhole. Seit mein selbstsabotage auf autopilot stattfindet, habe ich da immer noch kein gegenmittel. Ein teil von mir will verhindern das ich in einen beziehung komme und dieses teil hat bis jetzt immer gewonnen - manchmal war das prozess eher langsam und schleichend mit mehreren kleineren rueckzieher, manchmal gab es klare chancen wo ich erstarrt bin statt zu handeln.

Mitte der 90er jahren habe ich mal angefangen anhand meinen frueheren tagebuecher mein bisherigen liebesleben auf schrift zu stellen, in der hoffnung da zu neue erkenntnisse zu kommen. Das ich mich selbst haufig sabotiere ist mir erst etwa zehn jahre spaeter klar geworden.

Aber ja, die momente das was haette passieren koennen und wo ich versagt habe, an den erinnere ich mich regelmaessig. Teilweise ob wie es erst gestern passiert ist.

Mittlereweile glaube ich auch das mein zug definitiv abgefahren ist, und das alles was mir bleibt diese erinnerungen sind.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Stabil » Sonntag 8. Juli 2018, 15:58

Was du beschreibst ist zwar bedrückend, aber durchaus nachvollziehbar.

Das Folgende verwundert mich:
Pferdedieb hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 14:19
... verschiedene Freundinnen zu haben hätten meine Eltern wohl kaum toleriert ...
Wie ist das möglich? Vielleicht magst du antworten.

Wie ist dein Handeln, wenn du schon 18Jahre überschritten hast, an die Wünsche der Eltern gebunden?

Aus meiner persönlichen Geschichte kenne ich ein eingeschüchtert Sein, dass mich behindert hat, beim Gestalten meines Lebens. Und bei der Aufarbeitung meiner Probleme bin ich dann auf das Familienschicksal gestossen, dass schwer lastete und diffus auf mein Handeln wirkte. Das nur nebenbei. jedes Leben ist anders und nichts ist vergleichbar.

Hast du schon mal darüber nach gedacht, was in dir dich so an die Eltern bindet? Ist dir bewusst, dass diese Bindung ungewöhnlich ist? Dass dich diese Bindung behindert, hast du selbst erwähnt.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Stabil » Sonntag 8. Juli 2018, 16:14

Seb,
so ganz scheine ich deine Beschäftigung mit Zukunft und Vergangenheit nicht zu verstehen.

Siehst du die Chancen, die du in der Gegenwart verpasst?
Welche Bedeutung haben die für dich?
Seb-X hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 12:53
Außerdem fühle ich überhaupt keine Macht, meine Zukunft wirklich bewusst gestalten zu können.
In gewisser Weise ist da ja auch was dran. Das, was man tatsächlich gestalten kann ist eigentlich die Gegenwart.
* Am meisten schmerzt das Gute, das wir zwar erlebt haben, aber in uns nicht angekommen ist *

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Tintenmalerin » Sonntag 8. Juli 2018, 23:44

Bei mir war es auch eine Zeit lang so, dass mir die Vergangenheit nachhing. Ich hab mir mein eigenes Verhalten vorgeworfen, dass ich es mir selber so schwer gemacht habe.
In der Mittelstufenzeit war ich mit mit selbst und allen anderen vollkommen überfordert und habe mich von fast allen und allem abgekapselt und in die Fiktion geflüchtet. Ich habe lange gebraucht, die meisten der in dieser Zeit gewachsenen Ängste wieder zu überwinden.
Und dann waren Dinge, die mir früher unvorstellbar erschienen, auf einmal ganz leicht. Und ich habe mich gefragt, warum ich es mir so schwer gemacht habe. Warum ich solange gebraucht habe. Warum ich so... rückgratlos war. Daran habe ich lange genagt.
Ich musste mir gewissermaßen selbst verzeihen, nicht stärker gewesen zu sein.

Und das habe ich geschafft. Ich hab mir verziehen. Unter anderem, indem ich mir klar gemacht habe, dass ich immer mein Möglichstes gegeben habe. Ja, jetzt fallen mir Dinge leicht, die mir früher unglaublich schwer fielen. Und das ist in Ordnung. Ich habe dazugelernt und mich weiterentwickelt und das ist verdammt viel wert. Vor allem die Erkenntnis, dass ich meinen Ängsten nicht ausgeliefert bin.
Mein Leben, so wie es verlaufen ist, mit allen Höhen und Tiefen, hat mich zu dem Menschen geformt, der ich jetzt bin. Und ich mag mich genau so. Warum sollte ich etwas ändern wollen, was nicht zu ändern ist, und womöglich einen völlig anderen Menschen aus mir gemacht hätte?

Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich ein stabiles familiäres Umfeld hatte und keine allzu heftigen Gemeinheiten von anderen ertragen musste. Das hat es vermutlich leichter gemacht.
Ich weiß nicht, wie es bei Menschen aussieht, die schlimmeres erlebt haben, aber ich glaube zumindest, dass es helfen würde, seine eigene Vergangenheit zu akzeptieren, und sowohl die eigene - vergangene - Schwäche einzugestehen, als auch die Chance, sein Leben - in einem gewissen Rahmen zumindest - selbst zu gestalten. Wenn man das schafft, was sicherlich mehr als schwer ist.
Das Leben ist einzigartig und wunderschön, selbst wenn es gerade schwer zu ertragen ist.

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Simonetta » Montag 9. Juli 2018, 13:55

Ich kenne das Kreuz mit der Vergangenheit auch nur zu gut.
Durch eine traumatische Kindheit mit Misshandlung und deren Folgen konnte ich im Grunde nie das Leben führen, das ich führen wollte (sprich Partner, Familie, gute Ausbildung etc.).
Und ich kenne diese Erinnerungen, die immer wieder hochkommen, auch nur allzu gut.

Mir hat eine Seelsorgerin mal gesagt, dass es zwei falsche Wege gibt, mit der Vergangenheit umzugehen. Der eine ist, sie komplett zu verdrängen, der andere ist, ständig darüber nachzugrübeln. Ich neige dabei eher zu letzterem. Verdrängen liegt mir überhaupt nicht, ist wahrscheinlich auch Typsache...

Für mich ist es wichtig, die Vergangenheit so in mein Leben zu integrieren, dass ich damit leben kann und sie mich nicht ausbremst und in der Opferrolle gefangen hält. Denn ich bin ja heute kein Opfer mehr, auch wenn ich früher mal eins war..
Ganz wichtig ist dabei für mich auch, mir neue Ziele zu setzen und ein aktives Leben zu führen mit vielen Freundschaften, Unternehmungen etc. Das lenkt mich ab und gibt mir neue Kraft, denn das Schlimmste wäre, mich zurückzuziehen und nur über die Vergangenheit nachzugrübeln.

Und mittlerweile ist es mir gelungen, aus meiner üblen Vergangenheit das Beste zu machen. Denn heute arbeite ich beruflich mit Menschen, die ebenfalls eine traumatische Kindheit bzw. Vergangenheit hatten und kann so meine eigenen negativen Erfahrungen in sinnvoller und guter Weise einbringen.

Dazu war aber auch ganz viel seelsorgerliche bzw. therapeutische Arbeit notwendig, bis ich an diesem Punkt war und nicht länger immer nur mit dem Schicksal gehadert habe. Ganz wichtig war für mich auch, mich mit meinen Eltern und dem Erlebten generell zu versöhnen und meinen Frieden darüber zu finden. Wichtig ist einfach nach vorne zu schauen auf die Möglichkeiten, die einem trotzdem bleiben. Ich hatte zwar üble Startbedingungen, aber ich kann heute sagen, dass ich zumindest das Beste draus gemacht habe oder es zumindest versucht habe. Und dass es mir trotz allem heute gut geht.

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Nonkonformist » Montag 9. Juli 2018, 15:36

Tintenmalerin hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 23:44
Ich sollte vielleicht dazu sagen, dass ich ein stabiles familiäres Umfeld hatte und keine allzu heftigen Gemeinheiten von anderen ertragen musste. Das hat es vermutlich leichter gemacht.
Ich weiß nicht, wie es bei Menschen aussieht, die schlimmeres erlebt haben, aber ich glaube zumindest, dass es helfen würde, seine eigene Vergangenheit zu akzeptieren, und sowohl die eigene - vergangene - Schwäche einzugestehen, als auch die Chance, sein Leben - in einem gewissen Rahmen zumindest - selbst zu gestalten. Wenn man das schafft, was sicherlich mehr als schwer ist.
Es gibt menschen die es wesentlich schwerer hatten als ich, aber ich hatte meinen kreuz zu tragen und meinen vergangenheit hat mich gemacht zu derjenige den ich jetzt bin. Leider sind es momentan eher jobcenter, finanzamt und hilfervereine die mein leben steuern und habe ich nicht mehr die kontrolle die ich mal hatte. Aufs volle risiko gehen ist leichter wann man nicht die erfahrung gemacht hat zwangsgeraumt zu werden und mehreren monaten in einen obdachlosenheim zwisschen wirklch fragwuerdige gewaltsverbrecher und alkoholiker zu landen. Fuehle mich im moment vor allem noch fremdgesteuert.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Antimainstream » Montag 9. Juli 2018, 23:49

Pferdedieb hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 14:19

Ich schaue ab und an die alten Folgen von "Familie Heinz Becker." Die "älteren" unter euch kennen diese Serie wohl auch.
Obwohl das alles frei erfunden ist, finde ich es sehr erschreckend, wieviele Parallelen es zwischen "Heinz" und "Hilde" und meinen Eltern gibt.
Bei meinen Eltern ist es leider nicht gespielt, sondern real.

Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=l_cdnbLkalE
Bereits die ersten Sätze der beiden hätten auch von meinen Eltern kommen können. Ein Großteil vom Rest auch.
:shock: Genau diese Serie habe ich in meinem Eingangspost gemeint. Was heißt denn hier bitte die "älteren"? :mrgreen:
Diese sehe ich mir im Moment wieder an. Und meine erste reaktion war, dass ich über die ersten Szenen noch geschmunzelt habe, als ich feststellte, wie ähnlich sie meinen Eltern sind. Es ist zwar überspitzt, aber trifft es recht gut.

Aber als ich auf Szenen stieß, deren Sarkasmus ich jetzt erst kapierte, was ich damals als normale Handlung in einer Ehe und Familie empfand, wurden meine Augen feucht. Ich habe mich richtig erschrocken darüber, wie engstirnig damals mein Weltbild und Verhalten war! Und darüber was mir infolge dessen an Zeit verloren ging, wo Andere einfach sich zu einer starken, erwachsenen Person entwickelten und sich ein eigenes Leben aufbauten. :cry:
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Pferdedieb » Mittwoch 11. Juli 2018, 20:19

Antimainstream hat geschrieben:
Montag 9. Juli 2018, 23:49
Pferdedieb hat geschrieben:
Sonntag 8. Juli 2018, 14:19

Ich schaue ab und an die alten Folgen von "Familie Heinz Becker." Die "älteren" unter euch kennen diese Serie wohl auch.
Obwohl das alles frei erfunden ist, finde ich es sehr erschreckend, wieviele Parallelen es zwischen "Heinz" und "Hilde" und meinen Eltern gibt.
Bei meinen Eltern ist es leider nicht gespielt, sondern real.

Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=l_cdnbLkalE
Bereits die ersten Sätze der beiden hätten auch von meinen Eltern kommen können. Ein Großteil vom Rest auch.
:shock: Genau diese Serie habe ich in meinem Eingangspost gemeint. Was heißt denn hier bitte die "älteren"? :mrgreen:
Diese sehe ich mir im Moment wieder an. Und meine erste reaktion war, dass ich über die ersten Szenen noch geschmunzelt habe, als ich feststellte, wie ähnlich sie meinen Eltern sind. Es ist zwar überspitzt, aber trifft es recht gut.

Aber als ich auf Szenen stieß, deren Sarkasmus ich jetzt erst kapierte, was ich damals als normale Handlung in einer Ehe und Familie empfand, wurden meine Augen feucht. Ich habe mich richtig erschrocken darüber, wie engstirnig damals mein Weltbild und Verhalten war! Und darüber was mir infolge dessen an Zeit verloren ging, wo Andere einfach sich zu einer starken, erwachsenen Person entwickelten und sich ein eigenes Leben aufbauten. :cry:
:shock: :shock: :shock:
Dann geht es dir genauso. Ich kann heute nicht mehr über diese Serie lachen, da ich diese Dinge tatsächlich real erlebe bzw. schon als Kind erlebt habe. Das war mir früher nie so bewusst, dass meine Eltern in weiten Teilen den Charakteren der Serie entsprechen (und ich sehe mich oft genug in der Rolle von Stefan). Andere Leute denken bei der Serie wohl: "Zum Glück sind meine Eltern nicht so". - Und ich (bzw. du auch) denken: "Oh Gott, das gibts bei uns real." :sadman:

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Tintenmalerin » Donnerstag 12. Juli 2018, 00:40

Nonkonformist hat geschrieben:
Montag 9. Juli 2018, 15:36
Leider sind es momentan eher jobcenter, finanzamt und hilfervereine die mein leben steuern und habe ich nicht mehr die kontrolle die ich mal hatte. Aufs volle risiko gehen ist leichter wann man nicht die erfahrung gemacht hat zwangsgeraumt zu werden und mehreren monaten in einen obdachlosenheim zwisschen wirklch fragwuerdige gewaltsverbrecher und alkoholiker zu landen. Fuehle mich im moment vor allem noch fremdgesteuert.
Ich erinnere mich vage an deine Beiträge aus dieser Zeit. Mein Eindruck ist, dass er dir jetzt besser geht. Gut, dass du aus dieser Situation raus bist. Ich kann mir nur vorstellen, wie es ist, derart in Angst zu leben.

Eine Chance zu haben, sein Leben selbst zu gestalten ist kein Widerspruch dazu, Angst vor den Konsequenzen oder vor der eigenen Courage zu haben. Es gibt genug, die nicht die Kraft oder die Energie dazu haben, und solche, die schon so festgefahren sind, dass es unschaffbar scheint, etwas zu ändern bzw. ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Aber den ersten, kleinen Schritt kann jeder machen, der erst mal rausgefunden hat, wie er aussehen sollte.
Ich glaube schon, dass du etwas ändern könntest, ohne gleich alles wieder aufs Spiel zu setzen. Kontrolle kann man sich auch in kleinen Schritten wieder erarbeiten.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Gilbert » Donnerstag 12. Juli 2018, 13:30

Pferdedieb hat geschrieben:
Mittwoch 11. Juli 2018, 20:19
Das war mir früher nie so bewusst, dass meine Eltern in weiten Teilen den Charakteren der Serie entsprechen (und ich sehe mich oft genug in der Rolle von Stefan)
Sorry, aber Stefan fügt sich mit zunehmenden Alter nicht in seiner Rolle dahingehend, wie es seine Eltern gern hätten. Der zieht sein eigenes Ding durch und ignoriert weitgehend das Gedöns seiner Eltern. So nehme ich das in der Serie wahr und sehe Parallelen zu mir und meinen Eltern.

Nachdem ich mit Anfang 20 mein eigenes Geld verdiente und beruflich eingebunden war, bin ich eigentlich nur noch Schlaf- und Essensgast im Haushalt meiner Eltern gewesen. Das ganze verpeilte Drumherum meiner Eltern fand ohne mich statt. Es liegt prinzipiell an jedem selbst, einen deutlichen Cut zu vollziehen, der dann irgendwann mit dem Auszug aus dem Elternhaus seinen Höhepunkt erreicht.....
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Pferdedieb » Donnerstag 12. Juli 2018, 20:44

Gilbert hat geschrieben:
Donnerstag 12. Juli 2018, 13:30
Pferdedieb hat geschrieben:
Mittwoch 11. Juli 2018, 20:19
Das war mir früher nie so bewusst, dass meine Eltern in weiten Teilen den Charakteren der Serie entsprechen (und ich sehe mich oft genug in der Rolle von Stefan)
Sorry, aber Stefan fügt sich mit zunehmenden Alter nicht in seiner Rolle dahingehend, wie es seine Eltern gern hätten. Der zieht sein eigenes Ding durch und ignoriert weitgehend das Gedöns seiner Eltern. So nehme ich das in der Serie wahr und sehe Parallelen zu mir und meinen Eltern.
Aber Stefan verzweifelt oft genug am (spießigen) Gedöns seiner Eltern ....

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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Stabil » Donnerstag 12. Juli 2018, 21:32

Nonkonformist hat geschrieben:
Montag 9. Juli 2018, 15:36
Fuehle mich im moment vor allem noch fremdgesteuert.
Das ist verständlich.

Vielleicht tust du schon etwas ähnliches, was ich mir gedacht habe: Ich würde mich konsquent jeden Tag 1 Stunde hinsetzen und Cartoons zeichnen, um ein kleines selbstgesteuertes Gegengewicht zu haben.

Ih war auch oft nicht ganz glücklich mit der Erwerbsarbeit, aber meine selbst gestalteten Nischen habe ich mir immer wieder aufgebaut.
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von anbandoned » Freitag 13. Juli 2018, 10:59

Gilbert hat geschrieben:
Donnerstag 12. Juli 2018, 13:30
Pferdedieb hat geschrieben:
Mittwoch 11. Juli 2018, 20:19
Das war mir früher nie so bewusst, dass meine Eltern in weiten Teilen den Charakteren der Serie entsprechen (und ich sehe mich oft genug in der Rolle von Stefan)
Sorry, aber Stefan fügt sich mit zunehmenden Alter nicht in seiner Rolle dahingehend, wie es seine Eltern gern hätten. Der zieht sein eigenes Ding durch und ignoriert weitgehend das Gedöns seiner Eltern. So nehme ich das in der Serie wahr und sehe Parallelen zu mir und meinen Eltern.

Nachdem ich mit Anfang 20 mein eigenes Geld verdiente und beruflich eingebunden war, bin ich eigentlich nur noch Schlaf- und Essensgast im Haushalt meiner Eltern gewesen. Das ganze verpeilte Drumherum meiner Eltern fand ohne mich statt. Es liegt prinzipiell an jedem selbst, einen deutlichen Cut zu vollziehen, der dann irgendwann mit dem Auszug aus dem Elternhaus seinen Höhepunkt erreicht.....
Sofern die finanziellen Mittel dazu reichen sollte man schnellstmöglich daran arbeiten. Aber wenn diese nicht gegeben sind, kann das alles noch gut und gerne bis fast 30 so gehen. Ich bin im Elternhaus quasi gefangen... Schuld daran bin ich selber, das ist mir durchaus bewusst
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Re: Das Kreuz mit der Vergangenheit

Beitrag von Gilbert » Freitag 13. Juli 2018, 12:23

Pferdedieb hat geschrieben:
Donnerstag 12. Juli 2018, 20:44
Aber Stefan verzweifelt oft genug am (spießigen) Gedöns seiner Eltern ....
Ja, sicher! Jedoch hat er irgendwann genug davon und zieht mit seiner Freundin nach Berlin....
Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.
Hermann Hesse

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