Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

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smee
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Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von smee » Montag 16. April 2018, 15:13

Hallo,

ich habe bislang eher still mitgelesen, wollte jetzt aber mal etwas loswerden. Ich muss mich im Vorhinein entschuldigen, dass es wahrscheinlich tendentiell in die Kategorie "jammernde Selbstoffenbarung" fällt und teilweise auch nicht hunderprozentig in dieses Forum passt (teilweise dann aber doch), aber ich brauche einfach mal jemanden zum zuhören oder äh -lesen. Ich war mir auch nicht sicher, ob das eher in die Kategorie "Vorstellung" gehört ...

Ich bin, wie die meisten hier, AB, zudem männlich und 40+, meine sexuellen Erfahrungen beschränken sich - ich schreib das jetzt einfach mal - auf gelegentliche Tantramassagen und *hust* zwei Besuche im Puff. Beziehungserfahrung = null. Ich habe auch eine Vorstellung, woran das liegt, aber ich glaube auch, dass ich ein bisschen einem selbstkonstruierten Wahn verfallen und in diesem nun schon seit über 20 Jahren gefangen bin: Der Idee, dass das alles an meinem Körperbau liegt. Wenn eine kleine Fee vorbeigeschwebt käme und mir zwei Wünsche erfüllen würde, dann wäre der erste ein normaler Körperbau, der zweite eine liebevolle Freundin.

Ich habe ein ziemlich jungenhaftes Äußeres, schmaler Körperbau, dünne Knochen usw., so ungefähr wie z.B. Elijah Wood oder Simon Helberg (Howard aus Big Bang Theory), nur ein paar Zentimeter größer und ein paar Jahre älter. Dass das die Partnersuche sicherlich erschwert, ist vermutlich noch kein Anzeichen von Wahn; der liegt eher darin begründet, dass ich im Grunde in all den Jahren nie versucht habe, eine Freundin zu finden. Die letzten zehn Jahre bin ich eher durch mein Leben gegangen, ohne mich groß um soziale Kontakte zu bemühen. Gelegentlich kamen dann schon Gedanken wie "eine Freundin zu haben, wäre ja schön", aber im Großen und Ganzen habe ich mich eigentlich nicht mal besonders einsam gefühlt. Aber im Grunde war das auch eine Form der Vermeidung, denn in meinem Kopf nimmt das negative Urteil über meinen Körper regelmäßig die Ausmaße einer totalen, endgültigen Katastrophe an - es ist hoffnungslos, auch nur zu versuchen, mich auf die Suche zu begeben, und indem ich untätig verharre, erspare ich mir zumindest die Demütigung, immer wieder mitleidig belächtelt und abgewiesen zu werden; mit diesem Körper kann ich in diesem Leben kein Glück erfahren.

Einerseits ist das irgendwie völlig bescheuert - sagt die eine Stimme im Kopf -, weil dieses Urteil ja wirklich nur auf meinen Gedanken basiert, nicht auf Erfahrungen, andererseits habe ich aber auch irgendwie recht - meint die andere ... Ich sperre mich gedanklich in einen Käfig der Selbstablehnung und komme einfach nicht daraus heraus und bringe es nicht fertig, z.B. auf irgendwelche Single-Events zu gehen. Dabei ist es im normalen Umgang mit anderen Menschen, also bei irgendwelchen Aktivitäten, bei denen ich etwas mit neuen Leuten unternehme, Wandern, auf Ausstellungen gehen oder so, nichtmal so, dass ich großartige Ablehnung erfahre. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass mein Äußeres ein Fluch oder eine Strafe ist, der/die mich dazu verdammt alleine durchs Leben zu gehen.

Zumindest habe ich im Verlaufe des letzten Jahres mal öfter die Wohnung verlassen und etwas mit Leuten unternommen - z.B. über eine Freizeit-Community -, damit ich nicht mehr ganz so im eigenen Saft schmore. Und, wie gesagt, waren die Erfahrungen dabei eigentlich auch recht positiv, aber den Schritt, mich als Single zu outen, der auf der Suche nach einer Partnerin ist, den scheue ich. Ich komme mir deswegen auch unsäglich jämmerlich vor, sich in meinem Alter wie ein kleiner, ängstlicher Junge zu fühlen, aber es hilft ja nix - es ist, wie es ist.

Wenn die Fee mir die ersten beiden Wünsche verweigern würde, aber einen dritten gewährte, dann wäre der vermutlich, dass ich mich gerne selbst akzeptieren oder gar lieben können würde. Tja. Daran kann man ja angeblich arbeiten - versuche ich auch durchaus -, aber ich mache dabei im Grunde überhaupt keine Fortschritte. Immer wieder falle ich zurück in meinen gedanklich-emotionalen Sumpf ...

Ich hör jetzt mal auf zu schreiben, ich hoffe das klang jetzt nicht allzu sehr nach Gejammer (ein bisschen wahrscheinlich schon) ;-)

Als letztes vielleicht noch, dass ich nicht die gesamte Zeit in diesem Wahn verbringe - es gibt Phasen, in denen ich mich eigentlich ganz gut fühle, durchaus auch meinen Körper genießen kann - beim Tanzen, Wandern, Sport -, auch auf gewisse Weise selbstbewusst bin, aber ich erliege dem Wahn immer und immer wieder (gerade jetzt, wo es wärmer wird z.B., man weniger Kleidung trägt) und konnte bislang einfach keine Strategie finde, dem entgegenzuwirken.

Danke fürs Lesen. :hut: (Ich weiß ehrlich gesagt selbst nich so genau, was man auf einen Beitrag wie diesen antworten sollte ...)

LG,
smee

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Endura » Montag 16. April 2018, 15:23

smee hat geschrieben:
Montag 16. April 2018, 15:13
Ich habe ein ziemlich jungenhaftes Äußeres, schmaler Körperbau, dünne Knochen usw., so ungefähr wie z.B. Elijah Wood oder Simon Helberg (Howard aus Big Bang Theory), nur ein paar Zentimeter größer und ein paar Jahre älter.
Elijah Wood habe ich immer als fesch empfunden, der zweite sagt mir leider nichts. Ok, auch ein Fescher.
Falls du auch nur annähernd so aussiehst, liegt es definitiv nicht am Aussehen.

FrankieGoesTo...

Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von FrankieGoesTo... » Montag 16. April 2018, 15:41

Hallo smee,

Deine Gedankengänge kenne ich, auch wenn es bei mir etwas andere Gründe hat.

Dass Dich diese Selbstzweifel blockieren, ist echt schade. Wahrscheinlich hast Du dadurch heimliche Verehrerinnen nie bemerkt.

Versuche, Dich davon freizumachen und überlasse das Urteil über Deinen Körper anderen. Meist wird es viel positiver ausfallen als Du denkst.

Versuche ansonsten - analog zu Simon Helberg - witzig und charmant zu sein.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Swenja » Montag 16. April 2018, 15:41

da schließe ich mich mal Endura an...
...und gebe dir, smee, recht - ein "selbstkonstruierter wahn"

lg, Swenja
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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Saraj » Montag 16. April 2018, 15:45

Nicht alle Frauen stehen nur auf Schränke. Auch Männer mit schmalem Körperbau können sehr attraktiv aussehen.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von canarias » Montag 16. April 2018, 16:24

Hallo smee,

was für Parallelen. Bis auf ganz wenige Ausnahmen könnte dein Text von mir sein. Bin auch erst jetzt auf die Idee gekommen, mal ein wenig zu suchen. Ja, aber bei dem schmalen Körperbau, du verstehst... und so richtig erwachsen bin ich mit meinen 47 ja auch noch nicht... :mrgreen:

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von fidelchen » Montag 16. April 2018, 17:15

Hallo Smee,

ich denke es ist gut für dich einfach mal alles rauszulassen, sodass ich dir erstmal einfach ein ganz festes: :umarmung2: gebe.

Ich kann dir nur die Empfehlung geben dir passende Literatur zu dem Thema zu suchen. Ich habe noch vor ein Monat ein praktisches Buch über Selbstbewusstsein gelesen. Das Buch hatte ein eigenes grosses Kapitel nur über Optik und Selbstwert. Ich finde das ist ein guter Einstieg, ansonsten schäme dich nicht Hilfe zu suchen ;)...

Viel Glück und du bist nicht alleine :)
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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Talbot » Montag 16. April 2018, 17:27

Ich würde die Tatsache, dass du die meiste Zeit über nicht nach sozialen Kontakten und besonders nach Frauen gesucht hast und daher natürlich auch entsprechend untätig bzw schüchtern/zurückhaltend warst viel eher als Grund dafür sehen, dass du bisher kein Glück hattest als dein Aussehen/Körperbau.
Ja, ich würde ein zu jungenhaftes Aussehen/Körperbau als Mann jetzt auch nicht umbedingt als Vorteil ansehen.
Tendenziell dürfte man es damit eher schwerer haben, wenn es um den Großteil der Frauen geht.
Aber dies geht bei weitem nicht so weit, dass du deswegen überhaupt keine Chancen haben dürftest und es daher in irgendeiner Art und Weise Sinn machen würde sich zu verstecken/untätig zu bleiben.
Deine Gedanken in dieses Richtung würde ich also durchaus als "selbstkonstruierten Wahn" einordnen.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Cavia » Montag 16. April 2018, 17:32

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Zuletzt geändert von Cavia am Montag 16. April 2018, 17:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von canarias » Montag 16. April 2018, 17:34

Da schließe ich mich fidelchen gerne an. Selbstwert brauchst du sozusagen auch zum "Überleben". Den hatte ich etliche Jahre auch nicht, aber das hat sich bei mir sehr stark geändert. Ob du deshalb auch ne Frau für dich findest, kann ich dir auch nicht sagen, aber die Voraussetzungen sind natürlich besser.

Ich bin jetzt recht aktiv im Vereinsleben und komme auch sonst ganz agil daher. Sicherlich wissen schon die meisten, dass ich Single bin, aber es riecht eben nicht nach fehlendem Selbstwert, sondern eher danach, dass ich womöglich nicht immer mit der Gleichen will, oder sowas in der Richtung. Wobei das allerdings gar nicht stimmt, bin ja auch AB und habe nur sehr wenige Erfahrungen.

Ich will mal sagen, dass ich vielleicht manchmal gerne will und dann auch doch wieder nicht so recht. Hab mir mein Leben ja gebaut, verreise total gerne und auch da gibts manchmal Frauen zum kennenlernen und so über den Urlaub kann das schon Spaß machen und das Ende ist fix.

Ich glaube aber, wenn ich mich mal sowas von hingerissen fühlen würde, dass ich dann zu wesentlich mehr bereit wäre. Aber das OdB muss dann eben auch im Raum stehen, dass sich diese Lage ändern kann. Kommt das nicht, wird eben der nächste Flug gebucht. Ich lebe trotzdem gerne und lass es mir bestimmt nicht leid werden. Es ist schließlich auch so, dass du im emotionalen Bereich nicht wirklich etwas erzwingen kannst, was aber nicht heißt, dass du für dich selbst nix tun musst. Letzteres ist sogar unabdingbar.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Rohdiamant » Montag 16. April 2018, 20:52

Ja gut geschrieben einfach alles rauslassen das hilft habe ich auch schon bemerkt! :D Und noch eine :umarmung2: von mir hinzu!
Seit Bitte nett zu HC-ABs für uns ist es wirklich nicht leicht! Andersherum gilt das Gleiche! ;)

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von asymetric » Montag 16. April 2018, 23:43

Sich seine Gedanken von der Seele zu schreiben tut einem gut. An deinem Text gibt es nicht wofür du dich entschuldigen musst. Deine Schilderung erinnert mich sehr stark an meine eigene.
smee hat geschrieben:
Montag 16. April 2018, 15:13
Ich komme mir deswegen auch unsäglich jämmerlich vor, sich in meinem Alter wie ein kleiner, ängstlicher Junge zu fühlen, aber es hilft ja nix - es ist, wie es ist.
Kenn ich... :umarmung2:
smee hat geschrieben:
Montag 16. April 2018, 15:13
aber ich erliege dem Wahn immer und immer wieder (gerade jetzt, wo es wärmer wird z.B., man weniger Kleidung trägt) und konnte bislang einfach keine Strategie finde, dem entgegenzuwirken.
Ich habe immer auch im Sommer lange Ärmel getragen, erstens weil ich die Sonneneinstrahlung auf der Haut nicht mag, aber unterbewusst vor allem um meine dünnen Ärmchen zu verbergen. Beim Bund konnte ich mir Sprüche anhören wie "wo hasten du die Titten gelassen?"
Voriges Jahr hab ich zum ersten mal kurze Hosen getragen. Ziel ist nächstes Jahr vorzeigbare Arme.

Du kannst deinen Körper ändern. Nicht von heute auf morgen. Du wirst einen Haufen Zeit und Energie reinstecken müssen, aber es ist machbar wenn es dein Wunsch ist, soviel kann ich dir sagen.

Wenn du etwas erreichen willst, was du noch nie erreicht hast, musst du tun was du noch nie getan hast. Dein Post hier kann der Anfang sein.

Ein solches Problem mag einem unüberwindlich erscheinen, man will es daher lieber verdrängen, weil man denkt das es völlig aussichtslos ist. Doch es ist machbar, es erfordert Arbeit. Arbeit ist Bewegung gegen Widerstand. Tag für Tag, immer wieder.
Doch zu sehen das ich etwas ändern KANN, dieser Akt von MACHT über meine eigene scheinbar aussichtslose Situation gibt mir die Kraft und die Zuversicht weiter zu machen.
Liebe wird aus Mut gemacht.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von smee » Dienstag 17. April 2018, 16:11

Danke für die Antworten. Ich stecke im Moment glaube ich zu sehr in meinem eigenen emotionalen Sumpf, um irgendwie klar denken zu können. Es ist schon echt lästig, weil mein ganzes Leben dann immer völlig hoffnungslos erscheint. Das hier einfach mal aufzuschreiben hat zwar tatsächlich ein bisschen geholfen, aber auch nur kurz ...

Wie Elijah Wood oder Simon Helberg sehe ich im Übrigen eigentlich nicht aus, sie waren nur Beispiele für Menschen mit einem ähnlichen Körperbau.

Es ist natürlich logisch gesehen völlig klar, dass, wenn ich untätig zu Hause rumhocke, wie ich das viele Jahre getan habe, die Chance, eine Frau kennenzulernen gleich 0 ist - egal wie ich aussehe. Inwieweit sie über 0 liegt, wenn ich aktiv werde - im Grunde habe ich keine Ahnung, bin aber tendentiell wie schon gesagt ziemlich pessimistisch. Zumal ich hier im Forum auch etwas rumgelesen habe, und es ja auch einige Leute gibt, die z.B. überdurchschnittlich gut aussehen, schon viel unternommen haben - tinder, Singlebörsen, Speeddating, was weiß ich -, einen großen Freundeskreis und viele Kontakte haben usw. und dennoch nach Jahren immer noch AB sind. Und ich sitze hier, habe schlechtere Voraussetzungen und verzweifle gedanklich schon daran, überhaupt erstmal einen ersten, kleinen Schritt zu tun. Die tausend Schritte, die danach dann noch auf mich zukommen, und die Aussicht, dass meine Chancen nunmal nicht allzu hoch stehen, rauben mir irgendwie die Hoffnung und Motivation.

Natürlich habe ich auch schon versucht, gegen diesen - wie könnte man das nennen? - kleinen, inneren Dämon vorzugehen, der als Aufhänger meinen Körperbau nimmt, mich dann immer wieder runterzieht bis mein Selbstwertgefühl völlig im Keller ist - Therapie, div. Bücher zum Thema Körperbild, Selbstwert und sowas, aber dauerhaft gebracht hat das alles nichts. Wahrscheinlich war ich aber auch in all meinen Bemühungen nie wirklich konsequent genug. Meine Frustrationstoleranz ist nicht sehr hoch, und ich gebe schnell auf, wenn ich keine Fortschritte mache ...

Das trifft auch ein bisschen auf meine Bemühungen zu, meinen Freundeskreis zu erweitern, mehr soziale Kontakte zu pflegen, und vermutlich wäre es bei der Partnersuche auch nicht anders.

Das alles nochmal in Bildern ausgedrückt: :hammer: und :fessel: führt zu :wuetend: und :crybaby: und ich bräuchte etwas mehr :boxing: um vielleicht zu :umarmung2: und :shylove: zu gelangen.

Gruß,
smee

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kreisel
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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von kreisel » Dienstag 17. April 2018, 16:52

Hallo smee,

mir kam der Gedanke, ob es besser ist, mehr an eine Art Wurzel des Selbstverständnisses
zu kommen.

Aber sicher bin ich mir jetzt auch nicht. (ob man da so graben muss und das dann auch hilft)

Ein Beispiel von möglichen Grabungsfeldern beim Beispiel Therapie
(heißt nicht, dass das bei dir zutrifft):

Wurde eine allgemeine Therapie mit bestimmten allgemeinen Zielen und Grundlagen?
Oder wurde gemacht / geht auch eine eher tiefer gehende Therapie mit bestimmten Erforschungen, warum so spät den Drang zur Zweisamkeit, warum Probleme mit sozialen Dingen,
ist es schon eher in der Persönlichkeit drin?

Ist es ein kleines Selbstwertgefühlsproblem (allgemein, mit recht "neurotypischer" Grundlage)
und eine kleine schlechte Phase, die man mit ein paar Gesprächen in die Richtung bringen kann, und mit gesellschaftlichem Engagement und Sport und ggf. Meditation, und Gedankenanalyse,
oder spielen da eher neurotische, zwanghafte, süchtige Tendenzen eine Rolle?
(wie z B bei Magersucht, zwanghaft schlechtes Selbstbild).

Wenn weiterreichende Ursachen vorliegen, wäre es m. E. auch nicht hilfreich sich für die fehlende Motivation oder das frühe Scheitern noch selbst runterzumachen.
Weil dann da das Selbstverständnis, warum man so ist, und was wirklich hilft, noch nicht so da ist.

Ich denke, einen guten passenden Schlüssel (Therapie) zu finden, das ist halt
nicht so einfach. (Hab da auch so meine Erfahrungen....)
Weil Gesprächstherapie, oder VT findet man an jeder Ecke, mag auch sein, dass es bei
vielen hilft.
Aber es könnte auch genauso nur ein Breitbandwirkmittel sein oder eine Art Aspirin, das
an den Symptomen ansetzt und mal kurz hilft.

Ich tendiere da einerseits zu "tiefer rein" als Möglichkeit (z B mit einer guten Therapie),
oder andererseits im Gegenteil auch zu "vollster Ablenkung", das kann genauso gehen.

Nicht soviel kreisen und reflektieren, sondern etwas was machbares planen, durchführen, dasein und ablenken.
und ggf. das Körperbild dabei vergessen (passiert von selbst, nicht dran denken, es zu vergessen) und andere Erfahrungen machen?

Ist halt die Frage- geht das oder ist das grübeln zu tief sitzend?

Und das heißt ja auch nicht, dass es mehr gibt als das entweder oder für eine Lösung, wo man dann
nur schlecht abschneiden kann.
Nee, das wäre ja wieder nur was für den Kopf zum ackern und sich einsortieren und die Krise kriegen.

Ich denke, manchmal muss man wohl auch damit leben, dass Lösungen schön wären, aber es eigentlich
nur eher den Weg, wie er ist, gibt. Mit Höhen und Tiefen und ab und zu Erkenntnisse oder Entwicklung?
Und ein paar Weggefährten. Und ab und an ein paar Gabelungen.
Ich komme mit diesem Weltbild etwas besser zurecht, um mir nicht zu hohe Erwartungen zu machen.
(Die Gefahr könnte natürlich auch sein, kaum noch Selbstwirksamkeit, viel Komfortzone,
Hilflosigkeit, (oder Akzeptanz) zu haben,
im Gegensatz zu übermäßig viel Stress an der falschen Stelle machen- irgendso ein Mittelding wäre vielleicht nicht schlecht)

Hm, oder so ein Philosoph hat auch mal gesagt (S. Lem) "Es gibt keine Lösung, es gibt nur Alternativen".
in diesem Sinne, weitermachen ;)

smee
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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von smee » Mittwoch 18. April 2018, 17:56

kreisel hat geschrieben:
Dienstag 17. April 2018, 16:52
Wurde eine allgemeine Therapie mit bestimmten allgemeinen Zielen und Grundlagen?
Oder wurde gemacht / geht auch eine eher tiefer gehende Therapie mit bestimmten Erforschungen, warum so spät den Drang zur Zweisamkeit, warum Probleme mit sozialen Dingen,
ist es schon eher in der Persönlichkeit drin?

Ist es ein kleines Selbstwertgefühlsproblem (allgemein, mit recht "neurotypischer" Grundlage)
und eine kleine schlechte Phase, die man mit ein paar Gesprächen in die Richtung bringen kann, und mit gesellschaftlichem Engagement und Sport und ggf. Meditation, und Gedankenanalyse,
oder spielen da eher neurotische, zwanghafte, süchtige Tendenzen eine Rolle?
(wie z B bei Magersucht, zwanghaft schlechtes Selbstbild).
Ich fürchte, dass es bei mir schon relativ tief sitzt. Zwar bringen alle diese Sachen -- sozialer Kontakt, Sport, Meditation, achtsame Selbstbeobachtung -- etwas, aber eigentlich immer nur für begrenzte Zeit. Irgendwann falle ich immer wieder in das gleiche Loch, das ich mir zudem durch mein Denken selber grabe (ich kann da regelrecht zugucken), und doch schaffe ich es nicht, das zu lassen bzw. dann schnell wieder da raus zu kommen.
Ich denke, einen guten passenden Schlüssel (Therapie) zu finden, das ist halt
nicht so einfach. (Hab da auch so meine Erfahrungen....)
Weil Gesprächstherapie, oder VT findet man an jeder Ecke, mag auch sein, dass es bei
vielen hilft.
Aber es könnte auch genauso nur ein Breitbandwirkmittel sein oder eine Art Aspirin, das
an den Symptomen ansetzt und mal kurz hilft.
Bin da auch nicht so sicher, aber ich werde mich jetzt nochmal auf die Suche begeben und vielleicht das ein oder andere ausprobieren. Ist nur echt mühsam ... immer gegen die gleichen Windmühlen zu kämpfen.
Nicht soviel kreisen und reflektieren, sondern etwas was machbares planen, durchführen, dasein und ablenken.
und ggf. das Körperbild dabei vergessen (passiert von selbst, nicht dran denken, es zu vergessen) und andere Erfahrungen machen?

Ist halt die Frage- geht das oder ist das grübeln zu tief sitzend?
Ablenken hilft auch, kurzzeitig, aber jede Ablenkung erfordert immer auch Energieaufwand: Ich muss mich aufraffen, zum nächsten sozialen Event zu gehen, mich mit Leuten zu treffen, Sport zu machen. Das empfinde ich ebenfalls manchmal als ziemlich mühsam; ich stecke Energie rein und kriege irgendwie nicht so viel zurück und lande dann doch wieder im Sumpf. Und letzten Endes bin ich doch die meiste Zeit mit mir allein und neige dann zum Katastrophisieren ("Du wirst NIE eine Freundin oder auch nur neue Freunde finden, nicht mit dem Körperbau, blablabla")

Aber okay. Irgendetwas zu tun ist auf jeden Fall schon mal besser, als zu Hause rumzusitzen, soviel ist zumindest klar :specht:

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von kreisel » Mittwoch 18. April 2018, 18:15

smee hat geschrieben:
Mittwoch 18. April 2018, 17:56
Zwar bringen alle diese Sachen -- sozialer Kontakt, Sport, Meditation, achtsame Selbstbeobachtung -- etwas, aber eigentlich immer nur für begrenzte Zeit. Irgendwann falle ich immer wieder in das gleiche Loch, das ich mir zudem durch mein Denken selber grabe (ich kann da regelrecht zugucken), und doch schaffe ich es nicht, das zu lassen bzw. dann schnell wieder da raus zu kommen.
Zu der Sache mit dem Loch ist mir gerade folgende Geschichte eingefallen:
http://www.zenkreis.de/zen/weisheit/das ... trasse.htm

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von canarias » Mittwoch 18. April 2018, 22:27

Ich kann mich hier auch einreihen und bin ebenfalls der Ansicht, dass ich früher diesen Wunsch nach Zweisamkeit einfach nicht hatte. Ich fand auch immer, dass Frauen ein immenses Geltungsbedürfnis haben und die Selbstdarstellung bis in die Spitze getrieben wird. Sind so Dinge, mit denen ich auch heute nicht wirklich kann. Meine Interessen und Vorstellungen vom Leben sind einfach andere.
Deshalb halte ich mich aber nicht für krank, vielleicht für etwas außergewöhnlich. Ich fang aber ganz bestimmt nicht an zu hinterfragen, warum das damals so war. Glaube nämlich durchaus, ganz gesunde Einstellungen und Sichtweisen zu vertreten.

Es scheint heute eher so, dass vom Mensch mehr abverlangt wird, wenn es darum geht das Gegenstück zu finden. Die Suchenden sind sehr wählerisch, versuchen jede Evantualität zu berücksichtigen und das macht es bestimmt nicht einfacher.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Ringelnatz » Mittwoch 18. April 2018, 22:43

canarias hat geschrieben:
Mittwoch 18. April 2018, 22:27
Ich fand auch immer, dass Frauen ein immenses Geltungsbedürfnis haben und die Selbstdarstellung bis in die Spitze getrieben wird.
Das gilt aber zum Glück nicht für alle Frauen ;)
Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Berglöwe » Donnerstag 19. April 2018, 07:07

canarias hat geschrieben:
Mittwoch 18. April 2018, 22:27
Es scheint heute eher so, dass vom Mensch mehr abverlangt wird, wenn es darum geht das Gegenstück zu finden. Die Suchenden sind sehr wählerisch, versuchen jede Evantualität zu berücksichtigen und das macht es bestimmt nicht einfacher.
Ich habe kein Vergleich mit früher aber es gibt wohl weniger Notwendigkeit sich einen Partner zu suchen z.B. aus wirtschaftlichen Gründen.

Das Problem ist auch, dass man heutzutage sehr einfach die Möglichkeit hat, mit vielen Menschen in Kontakt zu kommen. Wenn einem was an jemandem nicht passt, dann halt der nächste ohne sich weiter Zeit zu nehmen. Es könnte ja besser werden. Es könnte ja endlich der oder die EINE auftauchen, die einen sofort Schmetterlinge im Bauch haben lässt. Das ist, mit größtem Respekt und Verlaub an alle, die hier mitlesen, der größte Mist.

1. So wie jetzt schon öfters an mich herangetragen wurde, muss sich Zuneigung von der einfachen Sympathie zur Liebe hin in der Regel entwickeln und nur selten ist das sofort der Fall. So eine Zuneigung aufzubauen, wenn es sonst soweit passt, braucht Zeit und Arbeit. Wie in der Beziehung selber auch. Auch wenn die Arbeit vlt. nicht unbedingt immer als solche empfunden wird. Wenn sich niemand mehr Zeit nimmt, wird auch nur selten was.
Anmerkung: Ich hatte irgendwo mal eine Seite, die sehr gut illustriert auf welchen Säulen Freundschaft fußt. Eine davon war die Zeit miteinander. Für partnerschaftliche Beziehungen wird es ebenso gelten. Leider finde ich sie nicht mehr weil das gut dazu passen würde jetzt.

2. Das Gefühl der reinen Verliebtheit ist nicht ausreichend für eine stabile Beziehung weil diese i.d.R. nach einer Weile nachlässt. So wie mir zugetragen wurde, ist die Liebe danach eine andere. Wenn es passt, dann hat der Partner/die Partnerin ein ähnliches Wertesystem wie man selber. Dann ist entscheidend, dass man sich selber auch liebt und sich so annimmt. Die folgende Liebe am Partner soll wohl eine Liebe sein, in der man sich selber im anderen liebt weil man sich in dem anderen sieht aufgrund der ähnlichen Werte.

Damit das niemand falsch versteht. Die Botschaft soll sein: Verliebtheit ist gut. Etwas schönes und manchmal sehr hilfreich ein Zusammenkommen zu fördern. Verlasst euch aber nicht auf sie allein und nehmt euch Zeit.
UND: Diese Punkte stammen nicht aus meiner eigenen Erfahrung aber sie überzeugen mich sehr. Deswegen schreibe ich sie hier auf. Für mich erklären sie einiges, was ich so von anderen höre und beobachte.
Das Lächeln ist ein Fenster, durch das man sieht, ob das Herz zu Hause ist.

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Re: Auf der Suche nach dem Glück, im Wahn gefangen

Beitrag von Swenja » Donnerstag 19. April 2018, 07:57

Ringelnatz hat geschrieben:
Mittwoch 18. April 2018, 22:43
canarias hat geschrieben:
Mittwoch 18. April 2018, 22:27
Ich fand auch immer, dass Frauen ein immenses Geltungsbedürfnis haben und die Selbstdarstellung bis in die Spitze getrieben wird.
Das gilt aber zum Glück nicht für alle Frauen ;)
...und es gilt nicht nur für (einige) frauen...
Die Zukunft hat viele Namen. Für die Schwachen ist sie das Unerreichbare. Für die Furchtsamen ist sie das Unbekannte. Für die Tapferen ist sie die Chance.
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