Falsche Eigen/Fremdwahrnehmung (am Beispiel von Bewerbungsgesprächen)

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Falsche Eigen/Fremdwahrnehmung (am Beispiel von Bewerbungsgesprächen)

Beitrag von Teilnehmer » Sonntag 15. April 2018, 22:27

Hallo miteinander,

(fast) jeder musste schon mal ein Vorstellungsgespräch über sich ergehen lassen.
Es gibt darüber ja ganze Bücher, Kurse und auch in Schulen übt man heute Bewerbungsgespräche. Fast alle sind sich einig: Es geht nicht nur darum, was man sagt, sondern vor allem wie. Wie man gekleidet ist, wie man sich verkauft, wie sympathisch man ist… Der "Eindruck" eben.

Ich musste nach meiner Schulzeit natürlich einen Ausbildungsplatz finden und dafür natürlich zu einigen solcher Bewerbungsgespräche.

Bei einem Gespräch, an das ich mich noch genau erinnern kann, fand ich mich selbst hervorragend, war gut gelaunt, entspannt, die Interviewer waren mir sympathisch, ich hatte auf jede Frage eine passende Antwort parat, und mir unterlief - zumindest bewusst - kein einziger Fauxpas --- und dann kam eine Woche später die Absage, in der ein nervöses und kühles Auftreten im Vorstellungsgespräch als Begründung angegeben wurde. Die Formulierung ist mir bis heute im Kopf geblieben, weil sie ja doch sehr direkt war.

Bei anderen Bewerbungsgesprächen lief das ganz ähnlich ab. Ich war anscheinend so "schlecht", dass ich das teilweise offen gesagt bekam. :sadman:

Dann kam irgendwann das Gespräch bei meinem späteren Arbeitgeber. Bei diesem Gespräch war ich tatsächlich nicht gut gelaunt, weil ich kurz zuvor wieder ein paar Absagen bekommen hatte und das Gefühl hatte, dass ich den Einstellungstest sowieso nicht gut hinbekommen hatte. Nicht mal was gutes angezogen hatte ich mir. Die, die mir da gegenüber saßen, sagten mir so wenig zu, dass ich heute nicht mal mehr sagen könnte, wer das war (und das müssten eigentlich meine heutigen Kollegen sein! :lol: ). Ich wollte nach fünf Minuten nur aus dem Zimmer und wurde sehr wortkarg – und wurde dann zu meiner Überraschung mit den Worten verabschiedet, dass ich der beste Bewerber seit langem wäre.

Ich war damals zwar super glücklich einen Ausbildungsplatz bekommen zu haben, verstanden habe ich das aber nicht. :gruebel:
Ich kann mich und meine Außenwirkung anscheinend weder einschätzen noch steuern.

Jetzt durfte ich vor kurzem selber mal einen Tag lang Vorstellungsgespräche führen. Und das war so, wie ich es irgendwie befürchtet hatte: Zwei Kollegen, die neben mir saßen, hatten zu großen Teilen komplett andere Wahrnehmungen als ich.
Einen Bewerber, den ich super fand, empfanden beide Kollegen als arrogant und unfreundlich. Sie konnten mir sogar Verhaltensweisen beschreiben, in dem Fall häufiges Kichern und Ins-Wort-Fallen, die ich überhaupt gar nicht in Erinnerung hatte. Bei anderen Bewerbern wiederholte sich das...
Für mich war das am Ende des Tages irgendwie frustrierend... :?

Klar, man kann jetzt sagen, das ist subjektiv. Aber mir ist immer wieder sehr deutlich aufgefallen, dass ich zumindest das Gefühl habe bei Zwischenmenschlichem eine ganz andere Wahrnehmung zu habe als andere…

Ich frage mich, woran das liegt und ob auch mein AB-Status damit zusammenhängt. Wirke ich auf andere wirklich komplett anders als ich denke? Schätze ich andere komplett falsch ein?

Hat hier jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?

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canarias
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Re: Falsche Eigen/Fremdwahrnehmung (am Beispiel von Bewerbungsgesprächen)

Beitrag von canarias » Sonntag 15. April 2018, 22:42

Ja, habe einige hinter mir. Ich bin oft das gleiche gefragt worden, nur immer anders formuliert. Da habe ich dann auch mal gesagt, dass ich glaube, die Thematik hinreichend schon beantwortet zu haben. Das war eines meiner ersten und ich hatte genau deshalb ein richtiges Scheissgefühl, weil ich so frech und unterschwellig war. Ich hatte aber bereits ne andere Stelle und wollte die nicht unbedingt mehr. Und dann wollten die mich damals auch nehmen. Ich wäre beinahe vom Glauben abgefallen.
Ein anderes Mal war ich noch 2017 erfolgreich. Habe nach 18 Jahren nochmal gewechselt, aber intern. Da ist es mir gelungen, von den Fachfragen etwas abzukommen und am Schluss hab ich mit dem Verantwortlichen über Linux gequatscht, weil ich das erwähnt hatte und ihm das auch gefallen hat. Hatte das gemerkt, dass er sich dafür interessiert und ihn dann einfach gefragt, ob er selbst auch Linux fährt und welche Distribution und sowas halt.

Ich hab aber nie ein Fachbuch gelesen. Ich war immer ich selbst und bin durch Erfahrung gewachsen.

Dazwischen gabs auch etliche Absagen und ich bin ja auch nicht das Maß aller Dinge. Es muss dir irgendwie gelingen, dich interessant zu machen.

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Re: Falsche Eigen/Fremdwahrnehmung (am Beispiel von Bewerbungsgesprächen)

Beitrag von Cardinal » Montag 16. April 2018, 08:42

Man hat erstmal gewisse Erwartungen und Ansprüche an sich selbst und seine Außenwirkung. Unter anderem geschürt durch Ratgeber.
Diese Wirkung kann man natürlich auch falsch einschätzen.
Dann gibt es aber auch immer die andere Seite. Der zukünftige Arbeitgeber oder andere Menschen können eben auch durchaus unterschiedliche Ansprüche an Bewerber haben. Manchmal ist eben lückenloses Fach- und Firmenwissen erwünscht, in anderen Fällen ist eine sachlich-nüchterne oder eine kommunikativ-extrem freundliche Ausstrahlung am wichtigsten. Man steckt nicht drin, was speziell dieser Mensch als wichtigstes Kriterium erachtet und wie er andere Punkte priorisiert.
Im Beruf und auch Privat.

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Re: Falsche Eigen/Fremdwahrnehmung (am Beispiel von Bewerbungsgesprächen)

Beitrag von FrankieGoesTo... » Montag 16. April 2018, 09:06

Cardinal hat geschrieben:
Montag 16. April 2018, 08:42
Man hat erstmal gewisse Erwartungen und Ansprüche an sich selbst und seine Außenwirkung. Unter anderem geschürt durch Ratgeber.
Diese Wirkung kann man natürlich auch falsch einschätzen.
Dann gibt es aber auch immer die andere Seite. Der zukünftige Arbeitgeber oder andere Menschen können eben auch durchaus unterschiedliche Ansprüche an Bewerber haben. Manchmal ist eben lückenloses Fach- und Firmenwissen erwünscht, in anderen Fällen ist eine sachlich-nüchterne oder eine kommunikativ-extrem freundliche Ausstrahlung am wichtigsten. Man steckt nicht drin, was speziell dieser Mensch als wichtigstes Kriterium erachtet und wie er andere Punkte priorisiert.
Im Beruf und auch Privat.
Sehe ich auch so. Es ist einfach alles zu individuell, um da eine Formel zu finden.
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