Werdegang einer Therapie

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Nicht Sicher
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Werdegang einer Therapie

Beitrag von Nicht Sicher » Donnerstag 16. Mai 2019, 11:09

Nachdem ich beschlossen habe einen Psychotherapeuten zu konsultieren um meine, ich nenne es mal Sozialphobie in den Griff zu bekommen die mich daran hindert Freundschaften aufzubauen und auf fremde Menschen zuzugehen, selbst auf Frauen die mir durch gewisse Signale auch Interesse zeigen war ich heute beim Arzt.


Ich habe ihr versucht zu erklären was meine Lage ist. Und dass ich gerne etwas gegen meine Sozialphobie tun würde. Blöd nur dass ich aufgrund einer Depressiven Verstimmung (folge meiner Privaten Situation) zu ihr ging und genau deshalb will sie mich in Behandlung schicken.

Also nochmal ne kurze Zusammenfassung der Ereignisse die mich zu der Annahme gebracht haben dass es eine Sozialphobie ist.

Ich stolperte bei FB über meine alte unerwiderte Jugendliebe. In der 5ten Klasse in sie verguckt, sie gern zum lachen gebracht usw) Auch wenn unsere Interaktion bis zur 10ten Klasse weniger wurden (saßen weniger oft nebeneinander) hielten meine Gefühle für sie bis dahin an. Ich hatte nie den Mut sie außerhalb des Unterrichts anzusprechen, haben uns meistens im Unterricht ausgetauscht. Es war ein Trauerspiel. Nach dem Abschluss war ich froh niemanden aus meiner Klasse unmittelbar widerzusehen, auch sie obwohl ich sie gleichzeitig vermisst habe.

Dieses Muster zieht sich seit dieser Zeit durch mein gesamtes Privat und Liebesleben. Kontakte kommen nur zustande wenn andere aktiv werden.

Und bei der einzigen Beziehung (1Monat) die ich mit mittlerweile 31 hatte ging die initiative auch von Ihr aus (obwohl ich auch Interesse hatte)und ich war die ganze Zeit so angespannt dass es kaum zu Intimitäten kam, mal ein Abschiedskuss kuscheln auf dem Sofa. Meine Anspannung rührte von daher dass mir jedes Verliebtheitsgefühl fehlte.

Ich will jetzt nicht 2 Monate auf einen Termin beim Psycho warten um meine Depression in den Griff zu bekommen, sondern deren Ursache angehen.

Oder bedingt das eine das Andere?
Sind die meisten oder besten Therapien eher im Privaten Sektor zu finden?

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von calcetto » Donnerstag 16. Mai 2019, 11:19

Die Erstdiagnose vom Arzt ist für den Verlauf der Therapie praktisch nicht von Relevanz. Dein Therapeut oder deine Therapeutin werden mit dir erarbeiten, wo deine Probleme liegen. Was Ursache und Wirkung ist, stellt sich erst im Prozess heraus und vielfach werden auch Themenkomplexe herauf befördert, an die man im Vorherein gar nicht gedacht hat. Ein Therapeut ist zwar häufig spezialisiert auf ein Gebiet, aber nicht so wie bei Ärzten, wo der Augenarzt sich nicht mit Füßen auskennt.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Nicht Sicher » Donnerstag 16. Mai 2019, 12:36

Gott sei Dank.
Ich hatte schon Befürchtungen( wie immer :lol: ).

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Optimistin » Donnerstag 16. Mai 2019, 13:05

calcetto hat geschrieben:
Donnerstag 16. Mai 2019, 11:19
Die Erstdiagnose vom Arzt ist für den Verlauf der Therapie praktisch nicht von Relevanz. Dein Therapeut oder deine Therapeutin werden mit dir erarbeiten, wo deine Probleme liegen. Was Ursache und Wirkung ist, stellt sich erst im Prozess heraus und vielfach werden auch Themenkomplexe herauf befördert, an die man im Vorherein gar nicht gedacht hat. Ein Therapeut ist zwar häufig spezialisiert auf ein Gebiet, aber nicht so wie bei Ärzten, wo der Augenarzt sich nicht mit Füßen auskennt.
+1, sehr treffend formuliert. Starte erstmal los mit den Gesprächen, dann entfaltet sich der Weg. Viel Erfolg :vielglueck:
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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Nicht Sicher » Donnerstag 16. Mai 2019, 14:04

+1, sehr treffend formuliert. Starte erstmal los mit den Gesprächen, dann entfaltet sich der Weg. Viel Erfolg
Danke.
Übrigens, tolle Signatur 8-)

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Zwerg » Donnerstag 16. Mai 2019, 15:45

Depression oder depressive Verstimmung? Wäre ich Arzt und bei einem Patienten mit den Diagnosen Depression und (mögliche) Sozialphobie konfrontiert, würde ich gleichfalls zuerst oder jedenfalls primär die Depression behandeln.

Überlass die Diagnosen oder mögliche Ursachen lieber den Leuten vom Fach.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von calcetto » Donnerstag 16. Mai 2019, 15:59

Vielleicht hilft es dir ja auch es so zu sehen: Dir geht es mies und deshalb gehst du zum Arzt oder dann später zum Therapeuten. Was am Ende auf der Abrechnung für die Krankenkasse steht, kann dir doch eigentlich egal sein, solange dir geholfen wird, oder?

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Ferienhaus » Donnerstag 16. Mai 2019, 16:04

calcetto hat geschrieben:
Donnerstag 16. Mai 2019, 15:59
Was am Ende auf der Abrechnung für die Krankenkasse steht, kann dir doch eigentlich egal sein, solange dir geholfen wird, oder?
Oh, wenn du wüsstest calcetto... ;)

(Ich spreche hier von Dingen, die ich schon erlebt habe).

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Nicht Sicher » Donnerstag 16. Mai 2019, 16:47

Depression oder depressive Verstimmung? Wäre ich Arzt und bei einem Patienten mit den Diagnosen Depression und (mögliche) Sozialphobie konfrontiert, würde ich gleichfalls zuerst oder jedenfalls primär die Depression behandeln.

Überlass die Diagnosen oder mögliche Ursachen lieber den Leuten vom Fach.

Depressive Verstimmung, weniger schlimm also.
Meine letzte Depression ging in mehreren Wochenphasen mit Erhohlungszeiträumen die habe ich nur ausgesessen. Jede Menge Gewichtsverlust inklusive

Das hat sich über 3 Jahre erstreckt wurde aber immer weniger. Seit 2015 hatte ich mehr oder weniger Ruhe. Auslöser war auch damals die Unfähigkeit aus mir Rauszukommen, Gefühle auszudrücken anstatt sie runterzuschlucken. Und das Verpassen von Chancen.
Das Muster kann ich zurückverfolgen bis zu meiner Pubertät. Das mit der Depression war damals nur ein neuer Höhepunkt.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Zwerg » Donnerstag 16. Mai 2019, 17:46

@Nicht sicher
Ich bin sowieso kein Freund von Therapien. Vielleicht vertreibst Du dir einmal die Zeit damit, deine Familiensituation unter die Lupe zu nehmen. Du hast eine schwer behinderte Schwester? Das war sicher anstrengend für deine Eltern und vielleicht auch nicht ohne Einfluss auf dich. Vielleicht ergeben sich beim Nachdenken über solche und ähnliche Dinge Erklärungen für bestimmte Handlungsmuster.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von calcetto » Donnerstag 16. Mai 2019, 19:06

Ferienhaus hat geschrieben:
Donnerstag 16. Mai 2019, 16:04
calcetto hat geschrieben:
Donnerstag 16. Mai 2019, 15:59
Was am Ende auf der Abrechnung für die Krankenkasse steht, kann dir doch eigentlich egal sein, solange dir geholfen wird, oder?
Oh, wenn du wüsstest calcetto... ;)

(Ich spreche hier von Dingen, die ich schon erlebt habe).
Ich stimme zu, dass mein Beispiel etwas kurz gedacht war, auch wenn das nicht der Kern dessen ist, was ich ausdrücken wollte.

Dann eben eine andere Analogie:
Wenn der Motor nicht läuft, und ich keine Ahnung vom Reparieren habe, kann es mir egal sein, welches Teil kaputt war? :gruebel: Hm, auch nicht viel besser.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Nicht Sicher » Donnerstag 16. Mai 2019, 19:35

Ich bin sowieso kein Freund von Therapien. Vielleicht vertreibst Du dir einmal die Zeit damit, deine Familiensituation unter die Lupe zu nehmen. Du hast eine schwer behinderte Schwester? Das war sicher anstrengend für deine Eltern und vielleicht auch nicht ohne Einfluss auf dich. Vielleicht ergeben sich beim Nachdenken über solche und ähnliche Dinge Erklärungen für bestimmte Handlungsmuster.

Das kann sein, nur um die richtigen Schlüsse zu ziehen brauchts eventuell qualifizierte Hilfe :buch:
Auf jeden Fall gabs in meiner Kindheit genug Freunde die ich besser nicht gehabt hätte und Ereignisse die nicht unbedingt Positiv auf mein Selbstbild und Vertrauen ausgewirkt haben.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Wilstdumitmirgehen » Samstag 18. Mai 2019, 12:39

Soweit ich weiß zahlen die Krankenkassen eine Therapie bei Sozialphobie nicht oder nur selten, bei Depressionen eben schon.

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Re: Werdegang einer Therapie

Beitrag von Audrey_Pucca » Sonntag 19. Mai 2019, 05:57

Hallo,

ich habe mehrere Jahre Therapie gemacht ( ich war aber auch kaum noch ansprechbar) und würde gerne meine Erfahrung teilen in der Hoffnung, dass es dir nützt.

1. Kognitive Verhaltenstherapie:
Vorteile: Konzentration auf Lösung.
Nachteile: teilweise wird die Sozialphobie oder Depression nur praktisch behandelt und der kognitive Teil wird etwas vernachlässigt.

2. Tiefenpsychologische Therapie:
Vorteile: tiefer liegende Glaubenssätze werden bewusst gemacht und können verändert werden.
Nachteile: zu sehr konzentriert auf Ursache.

Bei beidem kommt es aber wahrscheinlich auf die Erfahrung des Therapeuten an.

Für mich war immer die Beziehung das Ausschlaggebende. Alleine die Beziehung empfand ich teilweise heilsam. Ich sah in ihnen eine ratgebenden Freund bzw. ratgebende Freundin.
Therapie ist kein Wundermittel. Sie gibt das nötige "Klick" und ich muss an mir arbeiten.
Im Übrigen wird Sozialphobie problemlos von der KK finanziert.

Privat oder nicht, du kannst Therapeuten testen. Es gibt 5 probatorische Sitzungen, wo du schauen kannst, ob ihr zueinander passt. Hier besteht kein bindender Vertrag. (Vorsicht, manche möchten sofort am ersten Tag die Therapie verbindlich machen. Bei solchen Therapeuten fehlt mir das Vertrauen)
Solltest du jedoch eine Therapie richtig begonnen haben, und es passt nicht, kannst du bei der KK anrufen und um Wechsel bitten. Niemand wird dich zwingen, bei diesem Therapeut/ dieser Therapeutin zu bleiben.

Eine Verhaltenstherapie dauert kürzer als eine tiefenpsyhiologische Therapie. Sollten deine Stunden enden und du hast noch therapiebedarf, dann kannst du ohne Wartezeit mit einem anderen Therapieverfahren neubeginnen, auch wenn einige Therapeuten auf die 2 Jahres Sperre pochen.

Wenn du nicht solange warten kannst. Kann ich für die Ursachensuche nur Literatur vorschlagen.
Für mich ist hierfür die Schematherapie die geeignetere Quelle.

Nur eins kann ich dir aus Erfahrung empfehlen, was auch immer in der Therapie aufgedeckt wird, hafte nicht zu sehr an den Schuldigen (Eltern, Mitschüler, ...) es bringt dich kein deut weiter. Wut empfinden, Trauer empfinden ist normal und gesund, nur wenn man daran haftet, vergisst man dass die Realität heute stattfindet und heute gelöst werden muss.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Erfolg!
Ich habe mich verabscheut, ich habe mich angebetet; schließlich sind wir miteinander alt geworden.

- Paul Valéry -

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