Warum ich nie eine Chance hatte...

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Hopeless85

Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Hopeless85 » Mittwoch 10. November 2010, 01:39

...oder mein Leben wurde verpfuscht.

Ich bin bis 11,12 ein ganz normales Kind gewesen. War Selbstbewußt, aktiv hatte viele Freunde, hatte keine Angst.
Ich interessierte mich schon mit 11,12 für Mädels, doch dann kam der Abschnitt des Lebens der mein Leben zerstörte.
Als ich in die Pubertät kam, kriegte ich starke Akne, zusätzlich sah ich immer schlechter, so das meine Brille immer dicker wurde.
Ich hatte keine tolle Klamotten wie die anderen Leute aus meiner Klasse. Die paar Sachen reichten um zum Opfer der Klasse, nein sogar der Schule zu werden.
Klassenübergreifendes Mobbing also. Anfangs war meine Persönlichkeit noch völlig normal, ich war sogar sehr selbstbewußt. Doch nach und nach wurde das Mobbing schlimmer und mein Selbstbewußtsein zerfiel. Wenn dir Jeden Tag gesagt wird das du nix bist, ein Stück S******, nicht Wert, das du dich umbringen sollst, aufhängen, usw. Körperliche Gewalt war mir scheißegal. Aber Psychische Gewalt zerstört einen komplett. Achso von Frauen kan das auch, und zusätzliche wurde ich noch verarscht.
Du hast keine Sekunde Ruhe mehr auch nicht nach der Schule oder davor. Ich kann froh sein das damals das Internet noch nicht so bekannt gewesen ist. Aber Telefonterror ist auch schön. Aufjedenfall ging es einige Jahre. Dir wirklichen Folgen spürte ich erst nach der Realschule, als das Mobbing zuende war. Früher Aktiv und viele Freunde jetzt Einzelgänger und verschlossen.

Ich hab Jahre gebraucht bis ich sagen konnte das ich mich wieder einigermaßen normal mit Menschen unterhalten koonnte, ohne nicht gleich durchzudrehen.
Bei Frauen ist es noch schlimmer, da ich weiß da ich nichts Wert bin, kann mir jemand 100mal sagen wie toll ich bin, ich würde es nie glauben.
Ich vertraue einfach niemand mehr, nichtmal mir selber. Ich bin Mißtrauisch bei jedem Satz jeder Mimik jeder Anmerkung.
Ok ich bin jetzt fast 10 Jahre später so weit das ich wenigsten ohne Probleme unter Leute sein kan n ohne Angst etc. Aber ich kann keine Tiefen Beziehungen zu jemanden eingehen. ICh kenn Leute ohne Ende, aber Freunde nene. Ich denke mich will doch eh keiner haben ich bin eh peinlich.
Ja ich weiß kann man alles behandeln sicher, aber die Narben bleiben und zwar das beschissene Leben lang. Meine Liste an Störungen ist elendig lang, mann könnte mich auch als Hoffnungsloser Fall sehen. Nach 25 Jahren weiß ich inzwischen das ich weder Bezeihungsfähig noch Freundschaftsfähig bin. Man könnte sagen das ich eien zweigeteilte Persönlichkeit habe.
Die Eine Persönlichkeit will Kontakte, Liebe und Leben, das ist die Persönlichkeit welche noch vor dem Mobbing dominant ist. Die zweite Persönlichkeit ist diese mit den ganzen Störungen, unsicherheiten. Die Seite die inzwischen auf die Gesellschaft scheißt.So und jetzt stellt man sich vor das jeden Tag aufs neue sich diese 2 Persönlichkeiten bekämpfen. Ich will also einerseits Kontakte und aktiv sein, anderseits mich am liebsten einschließen.
Für was lohnt es sich also noch zu Leben, für den Beruf haha was soll ich mit Geld oder Macht wenn ich sonst nix habe.
Für die Familie, joa sicher toll wenn man sich gut versteht, ist aber nicht so, weil meine Eltern und insbesondere mein Bruder auch schuld haben.
Was kann man also alleine machen, Reisen, Sport machen, Hobbys...
Sicher alles n icht so schlecht, aber der MEnsch brauch nunmal Kontakte sonst geht er zugrunde.
Achja und kommt mir jetzt net mit, Online kann man auch Kontakte finden, nicht wenn ich Online die gleichen Probleme hab wie im wirklichen Leben.
Ich Lebe eigentlich nur noch, um zu hoffen das der nächste Tag besser wird.
So long.

Leichtmatrose

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Leichtmatrose » Mittwoch 10. November 2010, 06:13

Hi,

Mobbing ist leider wohl Risikofaktor Nummer 1 für eine spätere AB-Karriere. Anscheinend auch, wenn das Mobbing schon Jahre oder Jahrzehnte zurück liegt.

Ich würde mich jetzt zuerst nicht gleich auf Frauen fokussieren, sonst sind Enttäuschungen vorprogrammiert, die dich dann nur noch weiter runterreißen.

Probier mal mit deinen männlichen Arbeitskollegen oder Kommilitonen abends nen Bierchen trinken zu gehen. Wenn du die Leute kennst, fällt das auch leichter mal was privat miteinander zu unternehmen. Internetkontakte finde ich in deinem akutem Stadium auch nicht optimal, wegen der Schwellenangst und so.

Erst wenn das Selbstbewußtsein wieder halbwegs steht, würde ich auf Frauen zugehen. Die spüren nämlich wenn man selbst an sich zweifelt, was nicht wirklich gut kommt.

orchideen

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von orchideen » Mittwoch 10. November 2010, 09:02

Ein schritt hast du doch gemacht. du hast dein problem erkannt. es ist schwierig dir was zu raten, weil ich keinen kenne der das wirklich überwunden hat.

was man mit mobbing im teenageralter anrichten kann ist viel zu wenigen bewusst. selbst erfahrenen und ansonsten guten leidenschaftlichen Lehrerinnen. Ich habe selber gesehen wie eine mal gesagt hat ein aussenseiter-mädchen wäre selber schuld. das war leise und im klassenzimmer, daher konnte ich nichts sagen ohne das das mädel es mitbekommen hätte. ich wollte nicht das sie das so krass hören muss. sie ist schließlich erst 12 und man sieht auch sehr unsicher welches verhalten zum erfolg führt, weil mal ist sie nett und suchte konakt und dann wieder gekränkt und zickte rum, wahrscheinlich dann, wenn sie wieder Ablehnung erfahren hat. Und unter den Umständen meint die Lehrerin echt sie soll versuchen sich mehr einzubringen und mehr auf andere zu zugehen. Klar bespricht sie mit der klasse was mobbing ist, aber sanktionen gibt es keine. ein bissl erinnerte mich das Verhalten an meinen Vater der meinte, wenn alle dich nicht mögen, solltest du überlegen, ob das nicht an dir liegt. :evil:

Ich weiß bis heute nicht, was tun, wenn dich wieder wer mobbt. Da scheinbar keine Verhalten den Mobber abbringt und wenn er sozial ein höheres ansehen hat als du beeinflußt er auch die anderen gegen dich und die Lawine ist nicht kaum noch zu stoppen.

Keine Gegenmassnahme zu kennen, die im Notfall wirkt, führt dazu das man echt Überwindung braucht andere an dich ranzulassen. aber ich würde das nicht so kategorisch nach Geschlechtern trennen wie leichtmatrose vorschlägt sondern nach sympathie. aber bei einer Frau nicht gleich auf Beziehung hoffen. Auch eine echte beste Freundin würde dir gut tun oder eine Kumpelin. Wenn da doch mehr ist, freu dich. Ziel sollte für dich sein, wieder Menschen zu vertrauen und auch deinem Urteil über sie.

Valentine

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Valentine » Mittwoch 10. November 2010, 09:49

Hallo Hopeless85!
Ich kann dein Schicksal ein Stück weit nachempfinden. Bis 14 lief in meiner Entwicklung auch alles normal. Ich hatte bis dahin sogar einige in dem Alter üblichen Wochen-Knutsch-Beziehungen mit Mädels. Mit ca. 14 bekam ich dann auch die Akne, anfänglich ganz normal, aber im Laufe der Zeit immer heftiger. Plötzlich war meine Optik für Mädels in dem Alter nicht mehr ansprechend. Ich wurde zum hässlichen Entlein. Mein entscheidener Unterschied zu dir war, dass ich dennoch meine männlichen Kumpels nicht verloren habe und dennoch ein geduldeter Mensch blieb. Sicher kamen auch mal Sprüche, aber ich war in meinem engen Freundeskreis so stark gefestigt, dass ich daran nicht auseinandergebrochen bin. Nach dem Ende der Akne kam ich wieder auf die "Erfolgsspur" zurück. Also nicht ganz deine Geschichte, aber immerhin im Ansatz. Das Mobbing hat dich sehr geprägt und ich befürchte du kommst da alleine nicht mehr heraus. Letzten Endes ist es deine Entscheidung und nur du weißt wie es tatsächlich in dir aussiehst. Als Außenstehender und nach deinem Posting zu beurteilen würde ich dir den Gang zum Therapeuten empfehlen. Gerade folgende Passage von dir ist alamierend!
Hopeless85 hat geschrieben: Ich hab Jahre gebraucht bis ich sagen konnte das ich mich wieder einigermaßen normal mit Menschen unterhalten koonnte, ohne nicht gleich durchzudrehen.
Bei Frauen ist es noch schlimmer, da ich weiß da ich nichts Wert bin, kann mir jemand 100mal sagen wie toll ich bin, ich würde es nie glauben.
Ich vertraue einfach niemand mehr, nichtmal mir selber. Ich bin Mißtrauisch bei jedem Satz jeder Mimik jeder Anmerkung.
Ok ich bin jetzt fast 10 Jahre später so weit das ich wenigsten ohne Probleme unter Leute sein kan n ohne Angst etc. Aber ich kann keine Tiefen Beziehungen zu jemanden eingehen. ICh kenn Leute ohne Ende, aber Freunde nene. Ich denke mich will doch eh keiner haben ich bin eh peinlich.
Ja ich weiß kann man alles behandeln sicher, aber die Narben bleiben und zwar das beschissene Leben lang. Meine Liste an Störungen ist elendig lang, mann könnte mich auch als Hoffnungsloser Fall sehen. Nach 25 Jahren weiß ich inzwischen das ich weder Bezeihungsfähig noch Freundschaftsfähig bin. Man könnte sagen das ich eien zweigeteilte Persönlichkeit habe.

Bergfan

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Bergfan » Mittwoch 10. November 2010, 10:06

Valentine hat geschrieben:Als Außenstehender und nach deinem Posting zu beurteilen würde ich dir den Gang zum Therapeuten empfehlen.
Das sehe ich genauso. Ich glaube nicht, dass Du eine Chance hast, da aus eigener Kraft wieder herauszukommen.

graueKatze
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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von graueKatze » Mittwoch 10. November 2010, 11:57

Hallo Hopeless, es tut mir sehr leid, was dir passiert ist. Ich bin selbst nie wirklich gemobbt worden, sondern war nur sehr unbeliebt (auch wegen eines äußerlichen Makels). Also es kamen mal dumme Sprüche oder es wurden Gerüchte verbreitet, aber ich wurde nie systematisch fertig gemacht, sondern meistens kaum beachtet. Trotzdem hat mich die Erfahrung bis heute geprägt und auch bei mir ist es so, dass ich es schwer finde, anderen zu vertrauen. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie es dann sein muss, wenn man richtig gebmobbt wurde.

Ich kann mir gut vorstellen, dass dir deine Situation ausweglos erscheint. Trotzdem glaube ich, dass es möglich ist, sein Leben mehr von seinen eigenen Wünschen als von den Erfahrungen der Vergangenheit bestimmen zu lassen. Vielleicht mit Hilfe von Therapie oder Selbsthilfebüchern. Es werden mit Sicherheit Narben zurückbleiben, aber damit lässt sich im Gegensatz zu offenen Wunden vielleicht ganz gut leben. Ich hoffe, dass du es irgendwie schaffen kannst, positive Erfahrungen mit Menschen zu sammeln und diese auch als solche zu sehen. Letzteres fällt mir extrem schwer. Ich habe nir wirklich an meinem negativen Selbstbild gearbeitet und warte daher quasi immer auf den Knall in zwischenmenschlichen Beziehungen (und je länger der nicht eintritt, desto größer wird die Angst).
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alanui
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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von alanui » Mittwoch 10. November 2010, 12:38

Ich empfehle Dir auch eine Therapie und ich denke auch dass Dir diese helfen wird. Du hast schon den ersten Schritt getan und weißt warum Du so bist wie Du bist.

der_otto

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von der_otto » Mittwoch 10. November 2010, 12:55

Wie Du siehst, gibt es hier im Forum etliche, die ebenfalls Mobbingerfahrungen haben. Das ist wirklich - leider - ein großer AB-Risikofaktor.

Ich selbst habe das Mobbing auch in extremer Form erleben müssen. Nur mit dem Unterschied, dass ich auch vorher als nicht "normal" galt. Schon als Kind hatte ich Verhaltensstörungen, daher schon damals viel Stress mit anderen Menschen (Eltern/Verwandte, Gleichaltrige, Kindergartenpersonal/Lehrer...), und schon das hat sehr an meinem Selbstwertgefühl gekratzt. Leichtes Mobbing erfuhr ich schon in den ersten drei Schuljahren. Aber dann in der vierten Klasse ging es richtig los. Und leider setzte sich meine Situation im Gymnasium fort, nur noch mindestens eine Nummer stärker.
Ich erlebte genau dasselbe wie Du damals - hatte auch das Gefühl ein Stück Sch*** zu sein, auch kam körperliche Gewalt durch stärkere Mitschüler hinzu. Die Lehrer schoben die gesamte Schuld auf mich und waren mir somit auch keine Hilfe. Von den Mädchen wurde ich natürlich auch nicht ernst genommen.
Am schlimmsten waren für mich die 4., 5., 6. und 7. Klasse - der "Zenit" wurde vor fast 27 Jahren überschritten, so lange ist es bei mir schon her (aber es hat mich doch wohl geprägt).
Auch ich hatte eine dicke Brille, war unsportlich, meine Verhaltensmängel fielen halt auf, Markenklamotten waren damals noch nicht so ein großes Thema.

Ich musste dann die Schule wechseln, als "Verlierer". Auf der neuen Schule gab es leider immer noch Ausläufer des Mobbings, vor allem verursacht durch einen falschen Freund. Es gab da auch noch einige unangenehme Zeiten für mich, aber im Vergleich zur 4.-7. Klasse war das eher "Mobbing light" für mich. Jetzt kamen die Mobbingphasen eher schubweise. Spitzen gab es Ende der 7. Klasse (musste diese zweimal machen), Ende der 8., Ende der 9. und Ende der 10. Klasse. Oft wurde es besser, wenn einer der Mobber die Schule oder Klasse vorzeitig verließ. Das Selbstbewusstsein stieg auch außerhalb der Schule nur zögerlich, manchmal stotterte ich in gewissen Situationen noch, etc.
Ab der Oberstufe hatte ich dann tatsächlich eine schöne und meist reibungslose Schulzeit! Aber in Sachen Mädchen hatte ich den Anschluss verpasst!

Ein Rückschlag kam dann noch mal mit Ende 20, als ich bei einem bestimmten Arbeitgeber noch mal gemobbt wurde. Unter anderem passierte das deshalb, weil manche Mitarbeiter mich für einen "Freak" hielten (keine Freundin, zu Hause wohnend, seltsame Hobbys, unüblicher Musikgeschmack, kein Ausgeh-Interesse). Aber auch weil ich denen schon mal die Meinung sagte, wenn ich mich zu stark ausgebeutet fühlte. Manchmal platzte mir da auch der Kragen, und ich reagierte auf die Schikanen zu unprofessionell (d.h. Auslöser für die nächsten Mobbingattacken), zum Teil auch weil alte Wunden wieder aufrissen. Meine unvermeidbare Selbstkündigung brachte leider auch das vorläufige Ende meiner Karriere.

Aber heute bin ich "eigentlich" ein sehr glücklicher Mensch, mein Selbstbewusstsein hat sich ziemlich stabilisiert, Kontakte habe ich auch immer wieder welche, aber ein paar Kleinigkeiten sind doch geblieben. Zum einen meine Unfähigkeit Frauen anzusprechen, und ich weiß gar nicht mal, ob ich überhaupt beziehungsfähig wäre. Mein Leidensdruck als AB ist derzeit jedenfalls sehr gering.
Und auch vor einer neuen Arbeitsstelle habe ich noch Angst. Eben, dass mir Ähnliches wieder passieren kann, oder auch nur dass ich wieder so ausgebeutet werde (ich brauche zwischen zwei Arbeitstagen gewisse Ruhepausen und bin nach acht Stunden auch nicht mehr so leistungsfähig). Bald steht mir das ja wieder bevor, dass ich mir eine Stelle suchen muss, Vorstellungsgespräche habe usw., da sehe ich schon etwas gegenan. Ansonsten lebe ich aber jetzt und heute - und mit der aktuellen Situation bin ich zufrieden.

Bjoern83

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Bjoern83 » Mittwoch 10. November 2010, 16:53

Das mit dem Mobbing kenne ich gut. Glaube auch, das das viele Entwickungsstufen , die man normalerweise durchläuft, torpediert hat. Und auch meine ausweichende Grundhaltung kommt wohl daher,mein ständige "davonlaufen" vor Problemen, das ich mich an der Schule teilweise verstecken musste bzw ständig krank war , um Schulaufenthalte zu vermeiden. Auch meine Migräne ist wohl ein Souvenir dieser Zeit. Und am härtesten trifft mich halt die jetztigen Beruflichen Erfolge meine damilgen Peiniger, während meine Zukunft, selbst wenn ich meinen Magister bestehe, gelinde gesagt bescheiden, sind.

der_otto

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von der_otto » Mittwoch 10. November 2010, 17:55

Bjoern83 hat geschrieben:Und am härtesten trifft mich halt die jetztigen Beruflichen Erfolge meine damilgen Peiniger, während meine Zukunft, selbst wenn ich meinen Magister bestehe, gelinde gesagt bescheiden, sind.
Das ist bei mir auch so. Meine damaligen Peiniger (Schulzeit) verdienen heute auch die dicke Kohle. Nicht wenige davon haben eine leitende Position. Und natürlich auch eine Familie schon seit vielen Jahren.

Ich befinde mich derzeit noch in der Endphase meines (späten und langen) Studiums. Auch wenn ich es schaffen sollte, so sehe auch ich meine berufliche Zukunft als eher bescheiden an. Habe auch einen recht chaotischen Lebenslauf mit einigen Lücken.

Leichtmatrose

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Leichtmatrose » Mittwoch 10. November 2010, 19:07

Bjoern83 hat geschrieben:Das mit dem Mobbing kenne ich gut. Glaube auch, das das viele Entwickungsstufen , die man normalerweise durchläuft, torpediert hat. Und auch meine ausweichende Grundhaltung kommt wohl daher,mein ständige "davonlaufen" vor Problemen, das ich mich an der Schule teilweise verstecken musste bzw ständig krank war , um Schulaufenthalte zu vermeiden. Auch meine Migräne ist wohl ein Souvenir dieser Zeit. Und am härtesten trifft mich halt die jetztigen Beruflichen Erfolge meine damilgen Peiniger, während meine Zukunft, selbst wenn ich meinen Magister bestehe, gelinde gesagt bescheiden, sind.
Hmm, ich frage mich gerade ganz ehrlich ob das reiner Zufall ist ob man gemobbt wird oder nicht. Quasi ob man einfach nur Pech hatte und zu falschen Zeit am falschen Ort war?! Ich fürchte die meisten Mobbingopfer hatten schon vor ihrer Opferrolle gewisse Charakterzüge, die sie dann später zu einem leichten Opfer werden lies. Aus meiner Schulzeit weiß ich, das die Opfer schon von Anfang an sehr labil waren und die ständigen Mobbing Attacken ihnen letztlich nur noch das Genick gebrochen haben. Bei den Tätern war das genau anders herum, die hatten von Anfang an schon eine eine gewisse Domianz, aber durch ihre Mobbing-Attacken mutierten die immer mehr zu Sieger-Typen. Traurig, aber leider wahr.

Man mag sich gar nicht ausmahlen was das später mal für asoziale Chefs werden, wenn die in der Schule schon so rücksichtslos zu ihren Mitschülern waren.

Ich schließe mich im übrigen der vorherrschenden Meinung hier im Thread an und empfehle dem TE eine Therapie. Mit nem´ Feierabendbier mit Kollegen ist es wohl in deinem Fall nicht getan...

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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von ABtheist » Mittwoch 10. November 2010, 21:36

Leichtmatrose hat geschrieben: Aus meiner Schulzeit weiß ich, das die Opfer schon von Anfang an sehr labil waren und die ständigen Mobbing Attacken ihnen letztlich nur noch das Genick gebrochen haben. Bei den Tätern war das genau anders herum, die hatten von Anfang an schon eine eine gewisse Domianz, aber durch ihre Mobbing-Attacken mutierten die immer mehr zu Sieger-Typen. Traurig, aber leider wahr.

Man mag sich gar nicht ausmahlen was das später mal für asoziale Chefs werden, wenn die in der Schule schon so rücksichtslos zu ihren Mitschülern waren.

Auch ich wüsste genügend Beispiele aus meiner Schulzeit.
Frage mich nur, was man daraus lernen soll. Wie würde ich meine Kinder erziehen? Zu liebenswerten Verlierern oder zu Siegertypen, die für alles stehen, was ich eigentlich verachte?

Dämliche Welt! :wuetend:
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Homer J. Simpson, amerik. Nukulartechniker und Philosoph

Leichtmatrose

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Leichtmatrose » Mittwoch 10. November 2010, 22:58

ABtheist hat geschrieben:

Auch ich wüsste genügend Beispiele aus meiner Schulzeit.
Frage mich nur, was man daraus lernen soll. Wie würde ich meine Kinder erziehen? Zu liebenswerten Verlierern oder zu Siegertypen, die für alles stehen, was ich eigentlich verachte?
Wirkliche ne extrem schwierige Sache, aber möglicherweise ist sogar nichtmal die Erziehung alleine ausschlaggebend, ob das Kind ein Alpha-Mobber, ein Mitläufer oder ein Mobbing-Opfer wird. Man siehts ja oft in Familien, dass Geschwister gleich erzogen werden und sie trotzdem komplett verschiedene Persönlichkeiten entwickeln. Die Gene alleine werdens aber auch nicht sein. Irgendwie ist das ganze ein extrem komplexes Thema und ich befürchte man kann nie komplett ausschließen, daß die Kinder sich anders entwickeln als man sich das gerne wünscht.

Hopeless85

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Hopeless85 » Donnerstag 11. November 2010, 17:33

Therapie, nene. Vor 5 Jahren vielleicht, inzwischen bin ich zumindest einigermaßen wieder hergestellt, durch viel Selbstdisziplin. Achja und ich geh auch weg zwar nicht oft, hab ich früher auch nicht gemacht. Problem ist auch ich finde realtiv wenig Leute sympathisch, die meisten Nerven mich nur irgendwie.

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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Darkness » Donnerstag 11. November 2010, 17:48

Hallo Hopeless85,

wir sind gleich alt und ich musste auch jahrelang Mobbing ertragen. Das verändert einen. Ich habe lange gebraucht das einigermaßen zu verarbeiten und weil Vergebung göttlich ist werde ich meinen Mobbern das auch nie verzeihen. :evil:

Bei dir hat sich ja auch schon einiges getan. Ich wünsch dir Kraft und Selbstbewusstsein, damit du "ein ganz normales" Leben leben kannst. :vielglueck:

Liebe Grüße
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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von ewigersingle80 » Donnerstag 11. November 2010, 18:00

Ich hab mir jetzt diesen Thread durchgelesen und mich auch in einigen Punkten wiedererkannt.
Insbesondere in den Schuljahren 7-10 war ich auch Mobbingopfer. In der Oberstufe war ich dann auf ner anderen Schule (nicht wegen dem Mobbing, sondern weil die Gesamtschule im Nachbarort nur bis zur Klasse 10 ging - gottseidank, wie ich heute sagen muss) und auf dieser anderen Schule war alles viel besser, ich war auf einmal akzeptiert. Also kann es nicht nur an mir gelegen haben.

Auf meine berufliche Karriere hat das gottseidank keinen schlechten Einfluss genommen. Ich hab eine Ausbildung und ein Studium erfolgreich absolviert und einen sicheren Job.

Aber wenn ich das in dem Thread hier so lese, hab ich wohl einen der vielen Gründe für mein AB-Darsein gefunden. Solche seelischen Narben, die durch so etwas entstehen, heilen wohl ein Leben lang nicht zu und haben doch mehr Einfluss, als man so denkt. Die Klasse 7-10, also Alter so 14 bis 16 ist ja grade die Zeit, wo man anfängt, mal mit Freunden wegzugehen, sich am anderen Geschlecht auszuprobieren und so. Bei mir war das halt nicht so, weil ich zu dem Zeitpunkt keine Freunde hatte. Und auch damals hab ich mich schon immer in die falschen Mädels verliebt. Seltsamerweise hab ich mich aber zu der Zeit mit einigen Mädchen recht gut verstanden, aber die waren dann in ihrer Entwicklung irgendwie schon ein Stück "weiter" wie ich, hatten schon Freunde und so, so dass sich hier für mich nichts ergeben hat. Und die, von denen ich was gewollt hätte, die haben mich nicht beachtet. Wie heute halt auch. Mache Dinge ändern sich wirklich nie :?
Küssen und Knutschen sollen schön sein, sagt man.
Sex soll geil sein, sagt man.

Keine Ahnung....hab's noch niemals erlebt... :gruebel:

Bergfan

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Bergfan » Donnerstag 11. November 2010, 22:07

Hopeless85 hat geschrieben:Therapie, nene. Vor 5 Jahren vielleicht, inzwischen bin ich zumindest einigermaßen wieder hergestellt, durch viel Selbstdisziplin. Achja und ich geh auch weg zwar nicht oft, hab ich früher auch nicht gemacht. Problem ist auch ich finde realtiv wenig Leute sympathisch, die meisten Nerven mich nur irgendwie.
Ich will dich nicht bekehren. Trotzdem der Hinweis auf meine persönlichen Erfahrungen. Ich habe auch keine Therapie gemacht, sondern wollte alles allein schaffen ("Selbstdisziplin"), weil mir einige Probleme schon klar waren und weitere im Laufe der Jahre klar wurden. Vermutlich hätte ich mit einer Therapie auch nur den gleichen Stand wie jetzt erreicht - allerdings mit einem wesentlichen Unterschied: 10 Jahre früher!

Darkness
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Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Darkness » Donnerstag 11. November 2010, 22:20

Zum Thema Therapie: Ich weiß das es da ganz unterschiedliche Meinungen gibt, aber mir hat mein Psychologe sehr geholfen, er war sowas wie ein Fahrlehrer für meine geistige Gesundheit. ;)

Ich wusste immer garnicht wie ich mit bestimmten Gedanken und Situationen umgehen soll und hab leider oft das ganz falsche getan, er hat mir da rausgeholfen.

Ich glaube in manchen Fällen reicht Selbstdiplizin nicht aus, um wieder richtig zurück ins Leben zu finden, ist jetzt nicht unbedingt auf dich bezogen Hopeless85, du schriebst ja, das es dir auch schon besser geht. :)
Optimisten stehen nicht im Regen. Sie duschen unter einer Wolke.

Flachparker

Re: Warum ich nie eine Chance hatte...

Beitrag von Flachparker » Donnerstag 11. November 2010, 22:52

Man kann sich mit seiner Selbstdisziplin auch ziemlich verrennen und - wenn man von niemandem in die richtige Richtung gelenkt wird, dann arbeitet man möglicherweise an den falschen Dingen, oder stürzt sich mit voller Selbstdisziplin in Vermeidungsstrategien...

Bsp: "Erstmal 20 Kg abnehmen, und Selbstbewusstsein aufbauen... UND DANN gehe ich raus auf Partnersuche..."

... schlechte Vorgehensweise. Das sind diese Dinger die locker mal 10 Jahre kosten.


Ein wenig Fachexpertise kann auch hilfreich sein. Ich habe z.B. Jahrelang (auch beinahe 10 Jahre) die Augen vor meiner Schüchternheit verschlossen, weil ich das nicht als Teil von mir akzeptieren konnte... passte nicht in mein Selbstbild. Hätte ich doch schon vor 10 Jahren schon eben DAS als Ursache erkannt und daran gearbeitet... Wäre ich heute sicher schon Ex-AB... Seit ich das Thema konzentriert angehe, kann ich richtig Erfolge vorweisen! :)

Ich habe mir dazu viel, viel Fachwissen angelesen, wodurch ich das Problem erstmal erkennen und meine Bewältigungsstrategien erstmal entlarven konnte.. Jetzt habe ich etwas in der Hand mit dem ich arbeiten kann. Mit einer Therapie wäre das sicherlich schon viel früher gegangen. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Ich beginne demnächst auch eine Therapie. Bin mal gespannt, ob der Therapeut meine Diagnose bestätigt und genauso herangeht wie ichs eh' schon tue... ;)

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