Sexualität bei Menschen mit Behinderung

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John McClane
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Sexualität bei Menschen mit Behinderung

Beitrag von John McClane » Donnerstag 31. Januar 2019, 23:00

Ich möchte auf einen Artikel hinweisen, den ich gestern gelesen habe. Darin geht es um eine bemerkenswerte Frau Anfang 40, die seit ihrem 18. Lebensjahr querschnittsgelähmt ist und wie sie Intimitäten und Sex erlebte und erlebt. Auch wenn in einer modernen und liberalen Gesellschaft Menschen mit Behinderung immer mehr thematisiert werden, sie sich barrierefreier bewegen können und ihnen eine Stimme gegeben wird, wird oft vergessen oder tabuisiert, dass auch sie Nähe und Sexualität brauchen, suchen und erleben.

https://www.zeit.de/gesellschaft/2019-01/umarm-mich

Auch interessant: gleich um 23:15 im ZDF ist bei "Markus Lanz" u.A. Kristina Vogel zu Gast. Die Ex-Bahnradsportlerin ist die erfolgreichste Bahnradsportlerin der Welt ; sie stieß 2018 bei einer Trainingsrunde mit einem anderen Fahrer zusammen und seit dem ist sie querschnittsgelähmt. Sie wird über ihr neues Leben erzählen.


Was denkt ihr über Maria-Cristina? Kennt ihr Menschen wie sie privat oder beruflich oder seid selbst stark eingeschränkt in eurem Alltag und mögt vielleicht eure Gedanken und Sorgen mit uns teilen, auch speziell was Sexualität betrifft (keine Details, wenn es euch zu persönlich ist)?
https://www.youtube.com/watch?v=74gx0v5ZJzw
https://www.youtube.com/watch?v=ttwJbTLLyXI
https://www.youtube.com/watch?v=M2qroMuIluI
https://www.youtube.com/watch?v=v-xLmI352vE&t=5s

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TheRealDeal
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Re: Sexualität bei Menschen mit Behinderung

Beitrag von TheRealDeal » Freitag 5. April 2019, 12:05

Hallo Bruce, äh John natürlich... ;)

Ich bin selbst körperbehindert, zwar nur relativ leicht, habe aber große Sympathien für Menschen mit Behinderungen. Wahrscheinlich kommt das auch daher, weil ich leicht auch schwerstbehindert hätte geboren werden können. Ich bin ein 29. Woche Frühchen. Ich vermeide in diesem Zusammenhang bewusst Begriffe wie "Glück", oder "Pech". Weil es vielmehr ein Thema ist, was meine Seele, bzw. die von Maria-Christina in diesem Leben lernen möchte. So schwer ich mir Ihr Leben vorstelle, Sie kann das, was Sie zu tragen hat, eben tragen. Ob ich das könnte, weiß ich nicht. Aber deshalb habe ich es halt nicht ganz so schwer in meinem Leben. Wobei meist Projektionen das Heft in die Hand nehmen, wenn wir glauben, der eine Mensch müsste es besser oder einfacher haben, als ein anderer Mensch. Das Leid, was Menschen empfinden, kann man halt nicht vergleichen. Und wer will sich anmaßen zu entscheiden, wie "schlimm" das eine oder andere Schicksal ist, bzw. wie betroffene Menschen das zu empfinden haben ? Ganz pragmatisch betrachtet gibt es keine Alternative zum (weiter-)Leben und das Beste daraus zu machen. In dieser Beziehung sind wir alle gleich. Und wenn wir glauben, wir könnten nicht weiter leben, dann müssen wir unser Leben halt beenden. Wer allerdings diese Gedanken hat, trägt mit Sicherheit Sachen "in seinem Bündel" herum, die ihm nicht gehören. Denn der Schöpfer packt jedem Menschen nur so viel in's Bündel, wie er auch bewältigen kann.

Ich habe damals, vor 7 oder 8 Jahren, den Film "The Sessions - Wenn Worte berühren" mit Helen Hunt gesehen. Da geht es um einen Mann, der vom Hals abwärts gelähmt ist, der seine Lust auf Sex ausleben möchte. Helen Hunt spielt die Rolle einer Sexualbegleiterin spielt. Der in mir ausgelöste Impuls, dass es in Deutschland so etwas auch geben müsste, mündete in einer Tantramassage. Die Masseurin hatte eine Ausbildung als Sexualbegleiterin für Menschen mit Behinderung. Das habe ich auch deutlich gemerkt. Es war eine tolle Erfahrung für mich. Bei der Massage kam ich vor allem mit mir selbst in Kontakt, deshalb würde ich eine Tantramassage nicht für gänzlich untherapierte Menschen empfehlen.

Was mich betrifft, glaube ich nicht, dass mein Wunsch nach Sexualität geringer ist, als bei nicht behinderten Menschen. Wobei ich noch immer feststelle, dass ich den Körperkontakt und die Streicheleinheiten vermutlich mehr brauche, als andere Männer. Das macht mir aber nichts aus... ;)
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Re: Sexualität bei Menschen mit Behinderung

Beitrag von schmog » Freitag 5. April 2019, 12:18

Nicht zu vergessen sind geistig und psychisch Behinderte!

https://www.sexcare.ch
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Re: Sexualität bei Menschen mit Behinderung

Beitrag von Melli » Freitag 5. April 2019, 13:26

John McClane hat geschrieben:
Donnerstag 31. Januar 2019, 23:00
Kennt ihr Menschen wie sie privat oder beruflich oder seid selbst stark eingeschränkt in eurem Alltag und mögt vielleicht eure Gedanken und Sorgen mit uns teilen, auch speziell was Sexualität betrifft (keine Details, wenn es euch zu persönlich ist)?
Ich hatte mal ein OdB, das auf den Rollstuhl angewiesen war. Eine Beziehung wurde daraus allerdings nicht. Soll heißen, er hatte ein sogar sehr reges Sexualleben, ich dagegen gar keines.

Ich hatte auch den Eindruck, sein Umfeld hielt mich für ein arrogantes reiches Arschloch mit ein paar caritativen Anwandlungen, dessen Engagements und Hilfen Einmischungen die allseitig liebgewonnen Routinen nur stören. Wahrscheinlich haben die jubiliert, als sie mich endlich los waren.
TheRealDeal hat geschrieben:
Freitag 5. April 2019, 12:05
Wobei meist Projektionen das Heft in die Hand nehmen, wenn wir glauben, der eine Mensch müsste es besser oder einfacher haben, als ein anderer Mensch. Das Leid, was Menschen empfinden, kann man halt nicht vergleichen. Und wer will sich anmaßen zu entscheiden, wie "schlimm" das eine oder andere Schicksal ist, bzw. wie betroffene Menschen das zu empfinden haben ? Ganz pragmatisch betrachtet gibt es keine Alternative zum (weiter-)Leben und das Beste daraus zu machen. In dieser Beziehung sind wir alle gleich. Und wenn wir glauben, wir könnten nicht weiter leben, dann müssen wir unser Leben halt beenden. Wer allerdings diese Gedanken hat, trägt mit Sicherheit Sachen "in seinem Bündel" herum, die ihm nicht gehören. Denn der Schöpfer packt jedem Menschen nur so viel in's Bündel, wie er auch bewältigen kann.
Das sind sehr weise Worte.

Die Zeiten, in denen Leute ihre Probleme zu meinen manchen wollten, dürften zwar endlich mal vorbei sein, aber von Ängsten werde ich immer noch heimgesucht, und ich fühle mich arg kaputt.
Голова устает думать, душа чувствовать.
(Марина Цветаева)
["The head grows weary of thinking, the soul of feeling."]

Morkel

Re: Sexualität bei Menschen mit Behinderung

Beitrag von Morkel » Freitag 5. April 2019, 23:20

John McClane hat geschrieben:
Donnerstag 31. Januar 2019, 23:00
Was denkt ihr über Maria-Cristina? Kennt ihr Menschen wie sie privat oder beruflich oder seid selbst stark eingeschränkt in eurem Alltag und mögt vielleicht eure Gedanken und Sorgen mit uns teilen, auch speziell was Sexualität betrifft (keine Details, wenn es euch zu persönlich ist)?
Schon beeindruckend sowas zu lesen. Vorallem auch unter dem Hintergrund dessen, wie manche von uns hier mit ihren realen (oder halt lediglich in ihren Gedanken existierenden) Einschränkungen so umgehen. Der Artikel zeigt für mich doch sehr deutlich, wie wichtig unsere innere Einstellung und der Mut unser Leben selbst zu gestalten für unser eigenes Glück zu sein scheinen, und dass die ganzen körperlichen und sonstigen äußeren Zustände einen wohl doch nicht automatisch zu einem Leben im ewigen Unglücklich- und Alleinsein verdammen, wie es von manchen gerne dargestellt wird.

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