Ich habe nichts zu sagen!

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Honigbiene

Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Honigbiene » Montag 26. März 2018, 15:06

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Das würde mich auch interessieren! :D
Können die Stillen bitte antworten :flirten:

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Tyralis Fiena » Montag 26. März 2018, 15:07

Solche Erfahrungen habe ich auch sehr oft erlebt und ist mitunter auch ein Grund, warum ich tendenziell Gesellschaft aus dem Weg gehe. Die Ahnung, dass es dem anderen auf Dauer unangenehm ist, wurde ja hier auch bestätigt. Bei mir ist es auch übergreifend, auch wenn ich mal Phasen habe, wo das aufbricht. Aber egal, ob familiär oder arbeitstechnisch, tendenziell sage ich eher nichts. Familiär kommt es auch häufig vor, dass ich mich wochenlang nicht melde - was selbst da die Frage aufwirft, was mit mir los sei.

Die Empfindung, dass es zumeist nicht sagenswert ist, habe ich auch oft - selbst hier im virtuellen Raum, wo der überwiegende Teil meiner Beiträge unter die Kategorie "es wurde alles gesagt, nur nicht von jedem " fällt. Real ergeht es mir da nicht anders. Dazu kommt der Umstand, dass das aktive Gestalten von Kommunikation sehr anstrengend ist. Mit wenig Energie wird das zum echten Problem.

Dagegen ist das Zuhören kein Problem, zumal es mir ermöglicht, mich viel besser in den Anderen hineinzuversetzen, wenn ich nicht soviel rede. Beeeindrucken wollen spielt zumindest bei mir keine wirkliche Rolle. Ich denke sogar, dass Gegenteil ist der Fall, also ich versuche unterschwellig viel, um ungreifbar und unverbindlich zu bleiben, was wiederum sehr erleichtert, dennoch in der interessierten Beobachterposition zu bleiben.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Endura » Montag 26. März 2018, 15:16

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
Oder anders gefragt: In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Schwierig zu beantworten. Ich hatte im Vorjahr einen Trainer bei einer Schulung, der hat es geschafft, dass ich auch rede. Keine Ahnung wie er das gemacht hat.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Xiangni » Montag 26. März 2018, 15:19

Hellblau hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 14:03
Ein Problem, welches ich mit extrem redeseligen Leuten hab: Mir fällt oft nichts ein, was ich auf ihren Aussagen erwidern soll.
Ich würde vielleicht von meiner Erfahrung zu diesem Thema erzählen. Oder Nachfragen stellen.
Ich möchte jetzt nicht alle "Vielredner" über einen Kamm scheren, aber meiner Erfahrung nach reden Leute, die besonders viel reden, auch besonders viel unwichtiges Zeug. So Sachen wie: "Ich war gestern beim Bäcker". Irgendwelche ganz alltäglichen Dinge, die ich gar nicht erwähnenswert fände.
Hm, vielleicht ist das der Unterschied zwischen mir als Vielrednerin und den Stillen? Mich interessiert auch so Zeug wie "Ich war gestern beim Bäcker", ich bin einfach neugierig! Ausserdem freut es mich, wenn jemand mit mir mündlich seinen Alltag teilt. Ich habe dann das Gefühl der Person näher zu sein. Natürlich sollte das nicht in einer monotonen Aufzählung erfolgen. Mich interessiert einfach, was die Leute denken und machen. Ich würde dann natürlich schon noch einen weiteren Satz erwarten.
Also irgendwas wie: Ich war gestern bei diesem neuen Bäcker. Die Brötchen sind echt der Hammer! Wir sollten da unbedingt mal frühstücken gehen.
Oder: Ich war gestern beim Bäcker in XY. Dort bin ich Anna über den Weg gelaufen. Die hab ich schon sicher seit 3 Jahren nicht mehr gesehen. Sie hat jetzt ein Kind.
Oder: Ich war gestern beim Bäcker. Du glaubst es nicht, aber die hatten so kurz vor Feierabend kein Baguette mehr. Und ich wollte doch abends Fondue machen. Darum musste ich dann noch schnell in den Supermarkt und hätte fast meinen Zug verpasst.
Andererseits finde ich Unterhaltungen mit Menschen, die wirklich so gut wie nichts sagen, auch unangenehm. Also Menschen, die weder von sich erzählen, noch Fragen stellen, und wenn man sie etwas fragt, antworten sie nur mit Ja oder Nein.
Das ist das, was ich meine. Wenn jemand in einer Gruppe nicht viel sagt, finde ich dies auch nicht tragisch. Aber wenn man sich zu zweit trifft und dann eine solche Person wie du beschreibst als Gesprächspartner hat, sehe ich einfach keinen Sinn an einem weiteren Treffen...

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Endura » Montag 26. März 2018, 15:23

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:19
Das ist das, was ich meine. Wenn jemand in einer Gruppe nicht viel sagt, finde ich dies auch nicht tragisch. Aber wenn man sich zu zweit trifft und dann eine solche Person wie du beschreibst als Gesprächspartner hat, sehe ich einfach keinen Sinn an einem weiteren Treffen...
Wenn man, wie ich in einer Gruppe völlig ruhig ist, der bekommt keine Einladung auf ein Einzeltreffen.
Vielleicht bin ich zu zweit auch viel kommunikativer.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von selina » Montag 26. März 2018, 15:43

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 12:48
Wie gesagt stelle ich Nähe vor allem auch über Gespräche her. Von daher ist Kommunikation für mich essentiell. Und darum hätte ich auch keine Lust mich mit jemandem zu treffen, wenn wir uns dann nichts zu sagen haben. Oder ich das Gespräch als erzwungen empfinde.
Kannst du denn Gesprächspausen generell nicht aushalten oder nur mit Leuten nicht die dir nicht so vertraut sind? Oder geht es dir nicht um Gespächspausen, sondern nur um Leute denen man jedes Wort aus der Nase ziehen muss? Ist ja ein gewaltiger Unterschied.
Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 12:48
Ich könnte selbst über einen normalen Büroalltag sicher eine halbe Stunder erzählen, wenn es denn sein müsste.
Das könnte ich ebenso. Nur ich lasse es halt oft, einfach weil es für viele Leute überhaupt nicht interessant ist.
Und ich mir im Gegenzug auch nicht den Büroalltag von anderen anhören möchte. :lol:
Mal ne Geschichte oder Anekdote ist ja ganz nett, aber mehr muss echt nicht sein.

Wenn ich alt bin, werde ich nur noch nörgeln. Das wird ein Spaß. :oma:

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Xiangni » Montag 26. März 2018, 16:07

Xanopos hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:23
Wenn man, wie ich in einer Gruppe völlig ruhig ist, der bekommt keine Einladung auf ein Einzeltreffen.
Vielleicht bin ich zu zweit auch viel kommunikativer.
Kann ich mir gut vorstellen. In diesem Fall könnte mir Folgendes vorstellen:
- Du gehst die Dame später anquatschen wenn sie mal alleine rumsteht. Oder bietest ihr zumindest an ein Getränk zu holen. (Mal angenommen du bist an ner Party von Kumpels)
- Du triffst dich generell mit Frauen nur zu zweit (sprich via Tinder, weiss-ich-was)
- Du versuchst ab und zu mal was in der Gruppe einzuwerfen. Und wenn du auch nur die Meinung anderer wiederholst.
- Diese Gruppe mehrmals versuchen zu treffen. Falls du einfach eine "Anfangs-Schüchternheit" hast.
- Warten bis dich jemand nach einer Meinung/sonstwas fragt, aber dann nicht nur mit Ja/Nein antworten und Gegenfragen stellen. Ich war gerade am Wochenende an ner Geburiparty. Eine Frau sass alleine rum und hörte nur zu, weil sie niemanden ausser dem Gastgeber kannte. Ich habe sie dann angesprochen und gefragt, woher sie den Gastgeber kennt etc. Daraus ist ein Gespräch entstanden. Aber das mache ich auch nicht immer.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Xiangni » Montag 26. März 2018, 16:17

selina hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:43
Kannst du denn Gesprächspausen generell nicht aushalten oder nur mit Leuten nicht die dir nicht so vertraut sind? Oder geht es dir nicht um Gespächspausen, sondern nur um Leute denen man jedes Wort aus der Nase ziehen muss? Ist ja ein gewaltiger Unterschied.
Wenn sich die Gesprächspausen für mich natürlich anfühlen, sind sie okay.
Aber ja, generell habe ich Mühe mit Leuten, denen man jedes Wort aus der Nase ziehen muss. Das gibt dann so ein mühsames Frage-und-Antwort-Spiel.
Das könnte ich ebenso. Nur ich lasse es halt oft, einfach weil es für viele Leute überhaupt nicht interessant ist.
Und ich mir im Gegenzug auch nicht den Büroalltag von anderen anhören möchte. :lol:
Mal ne Geschichte oder Anekdote ist ja ganz nett, aber mehr muss echt nicht sein.
Es ist nicht so, dass ich das effektiv tue. Aber ich könnte. Ich habe bei den Leuten, die sich hier als ruhig/still bezeichnen, das Gefühl, dass dies einige nicht könnten. Vielleicht weil sie ihre Erfahrungen/Meinungen/Ansichten/Erlebnisse/Gedanken als zu wenig wichtig/interessant einstufen?

Irgendwas Spannendes erlebt man ja trotzdem praktisch jeden Tag. Wenn dann erzähle ich meist auch nur eine kurze lustige Anekdote von meinen Kunden oder so. Vielleicht ist es auch effektiv so, dass ich so was erzähle/erzählen würde, weil ich bei anderen auch spannend finden würde?! Und vielleicht empfinden die Stillen hier es als langweilig/uninteressant, wollen so was gar nicht hören und erzählen so was darum auch nicht?

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Endura » Montag 26. März 2018, 16:29

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 16:07
Kann ich mir gut vorstellen. In diesem Fall könnte mir Folgendes vorstellen:
- Du gehst die Dame später anquatschen wenn sie mal alleine rumsteht. Oder bietest ihr zumindest an ein Getränk zu holen. (Mal angenommen du bist an ner Party von Kumpels)
Ich habe keine Kumpels, die mich auf Partys einladen würden.
- Du triffst dich generell mit Frauen nur zu zweit (sprich via Tinder, weiss-ich-was)
Hab ich vor Jahren mal probiert, bekam aber keine Reaktion vom anderen Geschlecht dort.
- Du versuchst ab und zu mal was in der Gruppe einzuwerfen. Und wenn du auch nur die Meinung anderer wiederholst.
Ich bin auch recht selten in Gruppen unterwegs, eigentlich nur zu AB-Treffen.
- Diese Gruppe mehrmals versuchen zu treffen. Falls du einfach eine "Anfangs-Schüchternheit" hast.
Schwierig, wenn ich kaum in Gruppen unterwegs bin.
- Warten bis dich jemand nach einer Meinung/sonstwas fragt, aber dann nicht nur mit Ja/Nein antworten und Gegenfragen stellen. Ich war gerade am Wochenende an ner Geburiparty. Eine Frau sass alleine rum und hörte nur zu, weil sie niemanden ausser dem Gastgeber kannte. Ich habe sie dann angesprochen und gefragt, woher sie den Gastgeber kennt etc. Daraus ist ein Gespräch entstanden. Aber das mache ich auch nicht immer.
Da ich immer mehr sozial isoliert lebe, werden solche Gelegenheiten immer seltener für mich.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Talbot » Montag 26. März 2018, 16:36

Sehe das ebenfalls ähnlich wie Xiangni.
Mal eine Gesprächspause ist ja okay, aber wenn es zu oft vorkommt und der Gesprächsteilnehmer (egal ob jetzt Date oder einfach so ein Gespräch) zu zurückhaltend ist wirkt es halt sehr schnell uninteressiert.
Dazu kommt noch, dass ich mich in einer solchen Situation dann sehr schnell selbst unter Druck setzen würde das Gespräch am Laufen zu halten, da mir persönlich die Gesprächspausen unangenehm werden würden, und ich mich daher irgendwann einfach unwohl fühlen würde.
Auch in Gruppen fühle ich mich grundsätzlich besser bzw komme besser zurecht mit Leuten, die auch am Gespräch teilnehmen und nicht nur ruhig danebensitzen.
Es muss jetzt keinesfalls auf dem Level eines Alleinunterhalters sein, aber da ich selbst immer recht schnell in Gruppen an Gesprächen teilnehme, selbst wenn ich niemanden kenne, fühle ich mich auch eher zu anderen hingezogen/verbunden, denen es da ähnlich geht.
Zu ruhige Personen würde ich in Gruppen also wohl eher auch nicht groß beachten bzw. als interessant wahr nehmen.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Tyralis Fiena » Montag 26. März 2018, 17:26

Xanopos hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:16
Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
Oder anders gefragt: In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Schwierig zu beantworten. Ich hatte im Vorjahr einen Trainer bei einer Schulung, der hat es geschafft, dass ich auch rede. Keine Ahnung wie er das gemacht hat.
Dafür kenne ich keine passende Atmosphäre. In Gruppen tendiere ich dazu, noch ruhiger zu sein, weil sich eh meist dominierende Unterhalter herauskristallisieren. Wenn man dann doch versucht, sich einzubringen, wird das eher weniger wahrgenommen, manchmal sogar abrupt unterbrochen oder übergangen. Von daher ziehe ich mich da lieber aufs Zuhören zurück (was nicht heisst, dass ich alles annehme). In einer Zweiersituation mag ich da eher rauskommen, aber ich bei vielen Belangen halte ich es besser zu schweigen, gerade wenn das eigene Leben eh schon recht bescheiden ist.

Was die aufgeworfene Aussage angeht, dass es doch jeden Tag etwas spannendes zu berichten gäbe.....Nein, überhaupt nicht. Aus meiner Wahrnehmung heraus sind das seltene Ereignisse. Sehr vieles verschwindet durch den mangelnden emotionalen Nachhall wieder. Insofern findet sich auch nix wirklich relevantes zu berichten. Aber fremde Erfahrungen sind für mich schon interessant, zumal es dann auch nicht nur die Sache an sich ist, sondern auch wie jemand es versucht, das Erlebte wieder mit Leben zu erfüllen.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Solstice » Montag 26. März 2018, 17:39

Tyralis Fiena hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 17:26
In Gruppen tendiere ich dazu, noch ruhiger zu sein, weil sich eh meist dominierende Unterhalter herauskristallisieren. Wenn man dann doch versucht, sich einzubringen, wird das eher weniger wahrgenommen, manchmal sogar abrupt unterbrochen oder übergangen.
Interessanter Punkt. Die Erfahrung habe ich auch gemacht.

In Gruppen entsteht schnell eine Eigendynamik und Rollenverteilung, und Leute schlüpfen fast immer in die gleichen Rollen. Ich bin in so ziemlich jeder Gruppe der stille, zurückhaltende Typ. Sobald sich die Gruppe - ganz natürlich und nonverbal - auf eine Rollenverteilung geeinigt hat, ist es sehr schwierig, da wieder herauszukommen.

Selbst wenn ich dann etwas zum Gespräch beizutragen habe: So viel Aufmerksamkeit und Bedeutung wird meinen Beiträgen nicht zugemessen. Ich kann auch nicht so spannend erzählen, wie es der Entertainer-Typ kann. Selbst wenn meine Story gut ist: Der Typ Alleinunterhalter verkauft seine Geschichte vom letzten Zahnarztbesuch wie eine saukomische Abenteuergeschichte, und mein 3wöchiger Trekkingurlaub durch Asien kann dagegen nicht anstinken ;)
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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Hellblau » Montag 26. März 2018, 17:49

Honigbiene hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:06
Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Das würde mich auch interessieren! :D
Können die Stillen bitte antworten :flirten:
Ich kann zwar nicht für alle Stillen reden (und es gibt bestimmt auch Personen, die noch um einiges zurückhaltender sind als ich ;) ), aber was ich bei Gesprächen wichtig finde:

1. Dem Gesprächspartner überhaupt die Möglichkeit geben, was zu sagen (also selber nicht ohne Punkt und Komma reden). Ich mag es nicht, unterbrochen zu werden und vermeide es deshalb auch, andere beim Reden zu unterbrechen. Ich warte also, bis das Gegenüber fertig ist, nur bei manchen "Vielrednern" wartet man darauf leider vergebens ;)
2. Nicht nur von sich erzählen, sondern auch selbst Fragen stellen.
3. Und dabei vorallem vermitteln, dass man wirklich interessiert ist. Es gibt leider viele Leute, die stellen zwischen ihren Monologen mal kurz eine Frage, und wenn man dann gerade selbst mal fünf Worte gesagt hat, unterbrechen sie einen schon wieder um weiterzuquatschen.

Ich denke aber auch, dass es Menschen gibt, die leider so schüchtern/unsicher sind, dass man unter normalen Umständen kein Gespräch mit ihnen zustande bringt, selbst wenn man die "perfekte Atmosphäre" für sie schaffen würde. Solche Personen habe ich (und ich bin ja selbst eher zurückhaltend) auch schon erlebt.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Hellblau » Montag 26. März 2018, 18:05

Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:19
Hellblau hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 14:03

Ich möchte jetzt nicht alle "Vielredner" über einen Kamm scheren, aber meiner Erfahrung nach reden Leute, die besonders viel reden, auch besonders viel unwichtiges Zeug. So Sachen wie: "Ich war gestern beim Bäcker". Irgendwelche ganz alltäglichen Dinge, die ich gar nicht erwähnenswert fände.
Hm, vielleicht ist das der Unterschied zwischen mir als Vielrednerin und den Stillen? Mich interessiert auch so Zeug wie "Ich war gestern beim Bäcker", ich bin einfach neugierig! Ausserdem freut es mich, wenn jemand mit mir mündlich seinen Alltag teilt. Ich habe dann das Gefühl der Person näher zu sein. Natürlich sollte das nicht in einer monotonen Aufzählung erfolgen. Mich interessiert einfach, was die Leute denken und machen. Ich würde dann natürlich schon noch einen weiteren Satz erwarten.
Also irgendwas wie: Ich war gestern bei diesem neuen Bäcker. Die Brötchen sind echt der Hammer! Wir sollten da unbedingt mal frühstücken gehen.
Oder: Ich war gestern beim Bäcker in XY. Dort bin ich Anna über den Weg gelaufen. Die hab ich schon sicher seit 3 Jahren nicht mehr gesehen. Sie hat jetzt ein Kind.
Oder: Ich war gestern beim Bäcker. Du glaubst es nicht, aber die hatten so kurz vor Feierabend kein Baguette mehr. Und ich wollte doch abends Fondue machen. Darum musste ich dann noch schnell in den Supermarkt und hätte fast meinen Zug verpasst.
Ja, ich denke da gibt es definitiv einen Unterschied, was jeder Mensch für erzählenswert hält und was nicht. Manche interessieren sich schon für relativ alltägliches und andere erst, wenn es was außergewöhnlicheres ist.

Übrigens hängt es glaube ich auch damit zusammen, wie sehr man die Person mag. Also, ich kann mich eher für "unwichtige" Erzählungen interessieren, wenn ich den Menschen mag, der sie erzählt ;)

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von DerUnsichtbare » Dienstag 27. März 2018, 10:34

Ui, hier geht's ja rund :-)
Erst mal danke für die Beiträge.

Da jetzt beide Extreme zur Sprache gekommen sind - einerseits Leute, die ohne Punkt und Komma quasseln und 5 Sekunden Stille schon als Desinteresse interpretieren, und andererseits Leute, die den Mund gar nicht auf bekommen - will ich meine Erfahrungen mal etwas konkretisieren.

Es ist nicht so, dass ich bei so einem Date gar nichts sage. Aber ich hatte jetzt mehrfach den Fall, dass es nach 30 oder 60 Minuten gutem Gespräch (dachte ich zumindest) zu einer Pause kam - z.B. als wir nach dem langen Spaziergang in ein Lokal eingekehrt sind und uns an heißen Getränken gewärmt haben. Ich fand es gemütlich und war zufrieden, aber nach einer Minute: "Ist alles OK? Du bist auf einmal so still!?". Und ab dem Moment wird es dann verkrampft :?

Okay, beim letzten mal war da evtl. auch der Zufall dran Schuld. Da habe ich eine Frau auf einer Veranstaltung kennengelernt, bei der ich ehrenamtlich mitgeholfen habe. Und da war ich natürlich sehr aktiv, habe Leute begrüßt, herumgeführt, Sachen erklärt, kurze Vorträge gehalten etc. (Ja, sowas kann ich ;-) - aber es kostet seeehr viel Energie und danach brauche ich einen Ruhetag)
Und vermutlich hat sie dann gedacht, ich bin immer so, und war bei unserem Date enttäuscht, dass ich doch eher der ruhige Typ bin.

Ich brauche einfach jemanden, mit dem man auch schweigen kann.
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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Kief » Dienstag 27. März 2018, 10:48

Hellblau hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 17:49
Honigbiene hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:06
Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Das würde mich auch interessieren! :D
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Ich kann zwar nicht für alle Stillen reden (und es gibt bestimmt auch Personen, die noch um einiges zurückhaltender sind als ich ;) ), aber was ich bei Gesprächen wichtig finde:
[Raum lassen]
Ebenso habe ich gemerkt, wie wichtig eine vertrauensvolle Atmosphaere ist.

Beides kann man noch vertiefen, wenn jemand erheblich zurueckhaltend ist.
Indem ich beispielsweise herauszuhoeren versuche, was den Menschen bewegt, ihm wichtig ist, und _seine_ Themen vertiefe.
(Thema "aktives Zuhoeren" und so.)
Auf diese Weise kann man schrittweise versuchen, dass sich jemand oeffnet.

Ist natuerlich umso anspruchsvoller, je zurueckgezogener und unvertrauter die Beziehung zwischen den beiden Personen ist.


K
Deeskalation, ohne danach die Probleme anpacken zu wollen,
das ist wie Ablenkung, oder Hinhalte-Taktik/Aussitzen wollen:
als Gespraechsverweigerung die getarnteste Form von Eskalation.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Endura » Dienstag 27. März 2018, 14:27

DerUnsichtbare hat geschrieben:
Dienstag 27. März 2018, 10:34
Ich fand es gemütlich und war zufrieden, aber nach einer Minute: "Ist alles OK? Du bist auf einmal so still!?". Und ab dem Moment wird es dann verkrampft :?
Quasi auf Befehl etwas sagen zu müssen, fand ich auch immer schlimm.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Reinhard » Dienstag 27. März 2018, 21:15

Hellblau hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 17:49
Honigbiene hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:06
Xiangni hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 15:03
In welcher Atmosphäre kann sich denn eine ruhige Person öffnen, so dass sie auch was sagt?
Das würde mich auch interessieren! :D
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Ich kann zwar nicht für alle Stillen reden (und es gibt bestimmt auch Personen, die noch um einiges zurückhaltender sind als ich ;) ), aber was ich bei Gesprächen wichtig finde:

1. Dem Gesprächspartner überhaupt die Möglichkeit geben, was zu sagen (also selber nicht ohne Punkt und Komma reden). Ich mag es nicht, unterbrochen zu werden und vermeide es deshalb auch, andere beim Reden zu unterbrechen. Ich warte also, bis das Gegenüber fertig ist, nur bei manchen "Vielrednern" wartet man darauf leider vergebens ;)
2. Nicht nur von sich erzählen, sondern auch selbst Fragen stellen.
3. Und dabei vorallem vermitteln, dass man wirklich interessiert ist. Es gibt leider viele Leute, die stellen zwischen ihren Monologen mal kurz eine Frage, und wenn man dann gerade selbst mal fünf Worte gesagt hat, unterbrechen sie einen schon wieder um weiterzuquatschen.

Ich denke aber auch, dass es Menschen gibt, die leider so schüchtern/unsicher sind, dass man unter normalen Umständen kein Gespräch mit ihnen zustande bringt, selbst wenn man die "perfekte Atmosphäre" für sie schaffen würde. Solche Personen habe ich (und ich bin ja selbst eher zurückhaltend) auch schon erlebt.

Genau auf diese drei Punkte bin ich auch gekommen. :good:

Ich bin ja auch eher einer der Stillen, aber mit Tania kann ich doch auch längere Gespräche und Telefonate führen. Ich weiß nicht, ob sie die Gesprächsführung halt beherrscht, oder vielleicht gelingt es einfach, wenn man aneinander interessiert ist :shylove: . Aber man kommt schon weit damit, wenn man dem anderen Raum für seine Gedanken gibt. Und vielleicht auch abwartet, wenn die Gedanken mal eher tröpfchenweise kommen ...

... bei Introvertierten sind da schon mal mehr Gedanken dahinter, als was derjenige gerade an Worten findet. :-|
Mag ja sein, dass jeder seines Glückes Schmied ist.
Aber dabei sollte nicht vergessen werden, dass manche von Haus aus eine komplette Werkstatt mitbekommen, und andere nur einen Hammer und nicht mal einen Amboss.

Wer will findet sucht Wege; wer nicht will findet Gründe erfindet Ausflüchte.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Siegfried » Dienstag 27. März 2018, 22:17

Ich gehöre auch zu den allzeit stillen. Dabei ist es auch völlig egal ob es um Fremde, Kollegen oder nicht mehr vorhandenen Freunde geht und auch völlig egal ob in Gruppen oder zweier Konstellation. Ich habe auch keinen Plan was ich erzählen soll. Ich habe nur ein erbärmliches, langweiliges, einsames Privatleben wovon ich eigentlich keinem was erzählen will. Ich bin auch kein witziger Alleinunterhalter der gut erzählen kann und eine nach der anderen Anekdote und Story raushauen kann sondern eher rational und nüchtern.... in Gruppen sitz ich nur dabei und sag nichts. Irgendwelche alltäglichen Banalitäten sind mir eben zu banal das ich das als Gesprächsthema schon gar nicht in Betracht ziehen würde.... ich könnte das auch schon gar nicht interessant rüberbringen. Was bleibt denn da noch ? Das einzige wo ich mal mit schwätzen kann ist bei allgemeinen Diskussionen oder Themen. Bei Dates bekomm ich es auch nur hin nüchtern mal paar langweilige allgemeine Fragen zu stellen "woher kommst du", "was machst du", "was Arbeitest du" etc. Nachdem das mal geklärt ist wird es für mich äußerst schwierig das Gespräch noch am laufen zu halten und fang an Krampfhaft nach irgendwelchen Themen zu suchen da mir dann nichts mehr groß einfällt was ich noch sagen oder fragen könnte. Man brauch nicht groß erwähnen das nach so einem Date auch nie ein zweites folgt.

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Re: Ich habe nichts zu sagen!

Beitrag von Hellblau » Dienstag 27. März 2018, 22:22

Reinhard hat geschrieben:
Dienstag 27. März 2018, 21:15
Hellblau hat geschrieben:
Montag 26. März 2018, 17:49
[...]
Genau auf diese drei Punkte bin ich auch gekommen. :good:
Wir haben halt beide Ahnung ;) :good:

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