Armut und ABtum

Rund um die persönliche Situation, Erlebnisse und was einem auf dem Herzen liegt

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Wie sehr hat finanzielle Armut mit deinem AB-Status zu tun?

Ich war nie von Armut betroffen
48
52%
Zur Zeit keine Armut, aber sie hat früher zur Entwicklung meines ABtums stark beigetragen
3
3%
Zur Zeit keine Armut, aber sie hat früher zur Entwicklung meines ABtums etwas beigetragen
7
8%
Zur Zeit keine Armut, und auch frühere Armut hatte kaum Einfluss
3
3%
Armut ist der Hauptgrund für mein ABtum
0
Keine Stimmen
Armut trägt zu meinem ABtum bei
11
12%
Ich bin arm, aber etwas anderes behindert mich weit stärker
11
12%
Ich bin arm, es hat mit AB aber praktisch überhaupt nicht zu tun
5
5%
Ich will einfach nur was anklicken, um das Ergebnis zu sehen
4
4%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 92

Reinhard
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Armut und ABtum

Beitrag von Reinhard » Freitag 26. Februar 2016, 00:25

Hallo,

seit dem Abschieds-Beitrag von e-schredder reizt es mich, einen Thread mit einem dort angesprochenen Thema zu machen, nur um zu zeigen, dass man sowas hier auch diskutieren kann. Also Leute, lasst mich nicht hängen :daumen:

Es ging natürlich auch darum, ein Thema zu finden, bei dem man den AB-Bezug diskutieren kann. Deshalb jetzt eine Umfrage zum Thema Armut. Gemeint ist relative Armut. Absolute Armut, also sich Lebensnotwendiges nicht leisten zu können, ist im deutschen Sprachraum doch relativ selten. Oder solche Leute haben dann noch seltener Internet, so dass man keine sinnvolle Umfrage machen kann.

Zum Konzept relative Armut: die liegt dann vor, wenn man aus finanziellen Gründen nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann. Also Leute treffen, Kontakte halten, und gegebenenfalls mit ihnen gemeinsam was unternehmen. Der Bezug zum ABtum ist dann auch klar, wenn Nicht-teilnahme am gesellschaftlichen Leben im Einzelfall heißt: wenig Möglichkeiten zur Beziehungsanbahnnung.

Zum besseren Verständnis ein Beispiel:
Wenn du nur die finanziellen Mittel hast für entweder die Teilnahme am runden Geburtstag deines Vaters (gesellschaftliches Leben) oder Ersetzen von alten Schuhen, in die durch die Sohle schon Wasser eindringt (Grundbedüfnis: Schutz vor Witterung), dann bist du arm. Im Sinne der relativen Armut. Wenn du vorher im Monat schon eine Haufen Geld rausgehauen hast für die Geburtstagsfeier des besten Freundes/der besten Freundin und deswegen kein Geld mehr hast für eines der beiden, dann ist das eher ein Anzeichen für schlechte Ausgabenplanung als für Armut. Aber im Zweifelsfall: auch das ist dann Armut, es ist ja durchaus angemessen, zweimal im Monat irgendjemandes Geburtstag zu feiern :).

Das Einkommen in Euro gemessen kommt hier übrigens erstmal nicht vor ... das brauchen die Statistiker dann als Hilfsgröße, weil sie nicht zu jedem möglichem Betroffenen mit einem Riesenfragebogen hinlaufen wollen. Deswegen wird gerne nur in Armutsrisiko in Abhängigkeit vom Einkommen formuliert (darunter ist man wahrscheinlich arm, und darüber wahrscheinlich nicht, aber so genau weiß es auch der Statistiker nicht) und führt dann zu Wortungetümen wie "Armutsrisikoschwelle". Allerdings bleibt trotzdem festzuhalten, dass Armut auch am Einkommen im gesellschaftlichen Umfeld liegt: mit demselben Einkommen ist mal als Student weniger wahrscheinlich arm, wie als Vollzeitberufstätiger, weil Studenten, als relevante Vergleichsgruppe, sich darauf eingerichtet haben mit weniger auszukommen (Leben in einer WG, Privat-Party mit Mitbring-Getränken statt im Lokal, usw.).

Naja, jedenfalls, ich hoffe mit diesen Informationen bewaffnet, kann jetzt jeder seine ihm geeignete Antwort geben. Ein Teil der Antworten bezieht sich auf die Entwicklung in der Vergangenheit, gerade weil die Zeit, in der man normalerweise erste Beziehungen hat oft auch die ist mit geringerem Einkommen (Ausbildung, Studium, Berufseinstieg, ...).

Gruß
Reinhard
Mag ja sein, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

Aber dabei sollte nicht vergessen werden, dass manche von Haus aus eine komplette Werkstatt mitbekommen, und andere nur einen Hammer und nicht mal einen Amboss.

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Cylon
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Cylon » Freitag 26. Februar 2016, 01:59

Zum letzten Punkt: Ich konnte das Ergebnis auch ohne anklicken sehen.
Albert Einstein: "Eine Frage raubt mir den Verstand: Bin ICH verrückt oder all die anderen im Land?"

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Reinhard » Freitag 26. Februar 2016, 06:05

Cylon hat geschrieben:Zum letzten Punkt: Ich konnte das Ergebnis auch ohne anklicken sehen.
Ja ja. Es ist Tradition in solchen Polls, eine nichtssagende Option einzubauen und haben ja auch schon prompt ein paar ausgewählt (vielleicht ein paar am Thema interessierte Nicht-ABs, für so jemanden habe ich eine explizite Option vergessen ...). Der Zusatztext ist nur eine Art, sich ein bisschen über die Motivation der Anklicker lustig zu machen :). Man könnte sich ja auch einfach enthalten.

Aber wenn man die letzte Option anklickt, merkt sich das Board die Auswahl und wer später nochmal in den Thread schaut, sieht man immer gleich das aktuelle Ergebnis. Insofern passt das schon.
Mag ja sein, dass jeder seines Glückes Schmied ist.

Aber dabei sollte nicht vergessen werden, dass manche von Haus aus eine komplette Werkstatt mitbekommen, und andere nur einen Hammer und nicht mal einen Amboss.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Nonkonformist » Freitag 26. Februar 2016, 07:22

Ich bin jetzt arm, aber habe als trickfilmer/trickfilmregisseur jahrenlang überdurschschnittlich
verdient, und das hat mich auch nichts gebracht. (Ich habe mich für statusartikel etc nie
interessiert, man konnte bei mir an nichts sehen das ich gut verdient habe.)

Mit ein Harz IV ist wenig möglich.
Zur zeit lebe ich in einen betreuten WG in einen winzig kleinen zimmer zusammen mit
zwei alkoholiker die wegen gewaltsdelikten im knast waren, (separaten zimmer, geteiltes
bad und küche)und wird ich mit sicherheit niemanden bei mir einladen.
Mit ein lagerraum für meinen bücher und andere eigentümme, und eine mietrückstand
die ich zurückbezahlen müßte (das jobcenter hat mich erst sehr spät den arbeitslosengeld
genehmigt), und geld das ich sparen müßte für meinen zugfahrt nach meinem bruder über
weihnachten, und einen neuen pass, hatte ich bis vor kurzem nicht viel mehr als etwa 140
euro die monat zur verfügung für mein nährung, haushaltartikel und kleidung - sachen wie
ausgehen, kino, bücher, magazinen, CDs etc waren nicht mehr drinn. In diesen periode waren
kneipenbesuche, daten etc kaum möglich.

Mit einen 1.5 Euro-job, und den mietschulden abbezahlt und das geld für den pass zusammen,
habe ich jetzt wieder etwas mehr geld zur verfügung.

Mit wenig geld hat man wenig möglichkeiten zum frauen umwerben.
Und in meine Großstadt verlangen die meisten Frauen das der Mann kohle hat.
Aber das spielt bei mir erst seit einige jahren eine rolle, vorher hatte ich dazu ausreichend
geld. Dabei waren die frauen in den ich mich verliebte nicht materialistisch, und es als
künstlerinnen gewöhnt nicht immer viel geld zur verfügung zu haben.
Damit ist es nicht der hauptgrund meines AB-tums und trägt es höhestens zu der
jetzige lage bei.
I Yam What I Yam & Dats What I Yam - (Popeye the Sailorman.)

NBUC
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von NBUC » Freitag 26. Februar 2016, 08:23

Und wenn man in eine Eliteinternat nur mit einem S3 statt mit einem Porsche 911 vorfährt ist man auch relativ arm ... - und sieht sich ggf der abschätzigen Einstufung der Mitschüler ausgesetzt.

Wir waren zu meiner Kindheit sicher nicht "arm", aber meine Eltern haben ein etwas heruntergekommenes Haus gekauft und dieses dann mühselig und eben mit Kosten verbunden wieder hergerichtet. Zusätzlich war ich dann auf einer der "besseren" Schulen der Stadt, wo eine Menge des Klassenstatusses an diversen Markenartikeln festgemacht worden ist und wer da nicht mithalten konnte auch potentielles Ziel für Mobbing war. Auch das Taschengeld für irgendwelche Aktivitäten war schon merklich knapp bemessen.

Das als "arm" zu sehen wäre jedoch ein Hohn für Leute, wo es wirklich an etwas wesentlichem fehlt.

Einen Einfluss auf die Beziehungsfindung hat dies sicher schon, aber eben an den Ansprüchen und Lebensgewohnheiten der Peergroup gemessen. Umgekehrt kann man dann aber mit fast jedem Einkommen irgendwo "arm" sein.
(Ich erinnere mich auch noch an die "Wechselwelle", als die ersten Jungs Autos hatten und die anderen noch nicht. Das war teils eine Alters- statt einer Armutsfrage, aber eben charakteristisch)
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Stefan73 » Freitag 26. Februar 2016, 09:26

Ich hatte immer meiner Geld, als ich eigentlich brauchte. Das hat allerdings an meinem AB-Dasein null geändert, da ich auch nie versucht habe, das Geld irgendwie "lockend einzusetzen". Im Gegenteil, z.B. von meiner Kleidung her wurde ich wohl immer "sozial schwächer" eingeschätzt.
Bei der letztendlichen Partnerschaft hat es auch keine Rolle gespielt, da meine Frau schlicht nicht wusste, was bei mir auf dem Konto liegt (oder halt nicht). Sie ging wohl davon aus, wesentlich mehr als ich zu verdienen. Vielleicht war es dann vor der Familiengründung ein gutes Argument, denn sie wusste, dass die Kinder versorgt sein werden.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Esperanza » Freitag 26. Februar 2016, 09:34

Ich hatte und habe immer genug Geld gehabt, allerdings gehe ich auch sorgsam damit um und wenn ich etwas teureres anschaffen will, wird halt gespart. Umso mehr freue ich mich wenn ich es mir leisten kann.

Mit Geld hat mein Abtum nichts zu tun, wobei ich als Teenie auch nur wenig Markenartikel besessen habe.
Ich weiß jetzt nicht ob der Besitz von angesagten Klamotten mir mehr Selbstbewusstsein gebracht hätte, aber diese Sachen waren einfach verdammt teuer damals und meine Eltern sparsam.
Ob du glaubst etwas erreichen zu können oder nicht - du liegst immer richtig. Henry Ford.
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Ringelnatz » Freitag 26. Februar 2016, 09:49

Das Konzept der "relativen Armut" ist ein bißchen schwierig über verschiedene Lebenssituationen zu vergleichen finde ich. Viele Studenten sind relativ arm. Ich habe mir als Student 300 Euro selbst verdient und 300 Euro von meinen Eltern bekommen. Später auch ein wenig Bafög, was meine Eltern dann nicht von ihrer Unterstützung abgezogen haben ( :D ). Davon musste ich aber auch alles bezahlen (Miete, Unizeugs, Fahrkarten, täglicher Lebensbedarf). War sicher nicht mehr als Hartz IV, wenn man es so betrachtet. Trotzdem ist man als Student damit nicht "arm" und ich kam mir nie so vor. Irgendwie ging es immer trotzdem, genug Geld für eine Woche Skiurlaub, eine Woche Sommerurlaub, Theater, Kino und Konzerte beiseite zu legen. Ich habe z.B. sehr selten Klamotten gekauft - habe seit dem Abi immer die gleiche Figur gehabt, somit passte alles noch. In meiner WG war die Toilette im Treppenhaus, somit war die Miete nur bei ca. 200 Euro. Einkaufen beim Bioladen ging nicht, auch wenn das netter wäre... Kostenloser Unisport oder Laufen gehen statt Fitnessstudio. Usw. Mit ein paar Prioritäten kommt man da gut zurecht. Das ist sicher kein Grund für's AB-Sein.

Ich glaube, das "Arm-Sein-Gefühl" von z.B. arbeitslosen Hartz-IV Empfängern ist ein ganz anderes. Da gibt es vielleicht keine Eltern, die einen zur Not auffangen, die dem Vermieter bürgen und dir einfach insgesamt das Gefühl einer gewissen Sicherheit vermitteln. Irgendwann will man mal Rücklagen bilden. Noch schlimmer, wenn man Schulden abbezahlen muss... Man wird älter. Will vielleicht nicht mehr jeden Urlaub in der Jugendherberge verbringen. Etc. Es hat auch was mit Identität zu tun, auch wenn menschlicher Wert natürlich nicht am Gehaltscheck messbar wird. Es sind dann vielleicht solche Sorgen, die einen weniger unbeschwert machen. Das merkt dann auch ein (potentieller) Partner.
Auf der anderen Seite ist "relativer Reichtum" auch kein Glücksgarant. Ich glaube, wer seine Prioritäten konsequent lebt, den schränkt Armut bei der Partnerfindung nicht unbedingt ein. Maximal schreckt man damit Kandidaten ab, denen Materielles sehr wichtig ist. Worauf man, glaube ich, achten sollte ist, dass die finanziellen (Nicht-)Möglichkeiten nicht ständig im Fokus stehen.
Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Darth Bane » Freitag 26. Februar 2016, 09:56

Ich hatte in meinem Leben auch nie Geldsorgen, dennoch bin ich AB geworden. Das mag daran liegen, dass ich es für nicht sonderlich sinnvoll erachtet habe, Geld für Partys am Wochenende zum Fenster rauszuwerfen. Ich investiere mein Geld lieber in materielle Güter wie Unterhaltungselektronik, DVDs oder Videospiele.
Genau zwei sollen es sein. Nicht mehr, nicht weniger. Einer, der die Macht verkörpert, und einer, der nach ihr giert.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von schmog » Freitag 26. Februar 2016, 09:59

Ich fühle mich als Frührentner finanziell arm.
Ein Auto und Urlaub kann ich mir nicht leisten.
Dazu bin ich als nicht mobiler Bewohner eines Kaffs gezwungen im überteuerten Laden im Ort einzukaufen.
Ich habe relativ hohe Ausgaben für Wohnen, Steuern und KK. Sparen kann ich nichts, es reicht gerade so für mich zum leben.
Dazu habe ich im Moment eine wöchentliche Wohnbetreuung.
Würde mir das nicht durch eine Stiftung finanziert könnte ich es mir nicht leisten und müsste darauf verzichten.
Schreib dein Leben auf ein Stück Papier und warte bis die Zeit vergeht.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von NBUC » Freitag 26. Februar 2016, 10:05

Naja, es gibt halt einmal das Problem des "nichtmitmachen könnens".
Das ist teilweise eine Frage, mit wem man mithalten will, aber auch relativ niedrig angesetzte Level können schon mal kräftig ins Geld gehen. Und wenn ich zurück blicke war es wohl oft weniger der Alltag im Verein als die besonderen Aktionen und Fahrten, wo sich Päärchen gebildet haben.

Dazu kommt eben auch der Zugang zu so Sachen wie Kino, Disko etc. wo sich Leute und damit potentielle Partner treffen.
Und die Tradition des Einladens (durch Männer) auf der einen Seite und die deutlich berechtigtere und inzwischen auch zunehmend paritätischere Anforderung vor der Familiengründung eine Basis zu bilden kommt auch noch hinzu.

Da muss man nicht mitmachen, in nicht wenigen Umfeldern ist es auch egal, weil da kaum einer regelmäßig mitmachen kann, aber es ist halt ein nicht zu übersehender Einfluss.

Mein allgemeiner Eindruck jetzt ist aber, dass sich viele Leute diese Extras zunehmend eh nicht mehr leisten können oder mit emsigen sparen auf anderen Gebieten oder gar Schulden kompensieren müssen. Das frei verfügbare Einkommen ist offenbar auf recht breiter Front gesunken, nur Werbung, Fernsehen und Sozis haben das nicht mitbekommen, prägen aber weiter die Ansprüche und die Debatten.
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Hoppala » Freitag 26. Februar 2016, 10:55

Ich finde, Reinhard hat das hierzulande (und wohl auch auf UN-Ebene) geltende Konzept der "relativen Armut" sehr gut dargestellt.
Und damit die Grundlage für seine Umfrage gelegt.
Es gibt Abgrenzungsprobleme. Das liegt bei relativen, zueinander in Beziehung stehenden Bezugsgrößen in der Natur der Sache. In der praktischen Umsetzung werden dann pragmatische Festlegungen getroffen, über die man - liegt auch in der Natur der Sache - immer trefflich streiten kann. Und muss, wenn es um eben diese pragmatischen Festlegungen geht.

Das ist hier aber nicht der Fall.

Mir ist nicht klar, was für irgendwen hilfreich daran ist, dieses Konzept nun wiederum zu relativieren.

"frei verfügbares Einkommen" ist in der Tat eine spannende und oft übersehene Fragestellung, aber nicht im Sinne der Umfrage. Wenn jemand nicht am gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, weil er seine Millionen dummerweise in langjährig unkündbaren Festanlagen mit sofortiger Reinvestiionsklausel aller Erträge angelegt hat und darum keine 2,50 fürn Bier liquide hat, wird der Armutsbegriff eher nicht greifen.
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Monozyt » Freitag 26. Februar 2016, 11:30

Und dann gibt es noch paradoxe Situationen, so wie meine:
Ich bin gewissermaßen gleichzeitig reich und arm.
Will heißen, ich hab genug auf dem Konto um keine akuten Geldsorgen zu haben, da ich aber noch keine abgeschlossene Berufsausbildung und im Moment auch kein Einkommen habe muss ich doch sehr sparsam sein damit das auch so bleibt. Ich versuche im Moment mit meinen Ausgaben unter 600€/Monat (für alles zusammen) zu bleiben, da bleibt nicht viel für Luxus übrig.
Das hat vor allem psychologisch interessante Konsequenzen: Man wird irgendwie geizig, weil es ja kein hartes Limit ist (im Sinne eines chronisch leeren Kontos auf das jeden Monat ein mickriger Lohn oder Hartz IV kommt), sondern Geld das ich mir selber zuteile um längerfristig klarzukommen. D.h. klar könnte ich mit anderen groß auf den Putz hauen, feiern oder ins Kino gehen oder was weiß ich...
bloß erhöht das eben stark das Risiko in einem Moment pleite zu sein in dem ich es so gar nicht gebrauchen kann. So bestell ich dann eben auch mal nur ein Getränk, oder lauf die meisten Strecken zu Fuß um mir das Ticket zu sparen und festige so meinen Ruf als Geizhals.
Zu meinem AB-tum trägt das alles wahrscheinlich eher indirekt bei, entscheidend ist da nicht die finanzielle Armut (die bei mir strenggenommen ja nichtmal ansatzweise vorliegt) sondern die "soziale Armut", also dass all die fest im Beruf stehenden Leute mich als Langzeitstudenten-ähnlichen Typen ohne unmittelbare Zukunftsperspektive nicht wirklich ernst nehmen können.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Hoppala » Freitag 26. Februar 2016, 13:41

Monozyt hat geschrieben:Will heißen, ich hab genug auf dem Konto um keine akuten Geldsorgen zu haben,
Nach Definition bist du damit nicht relativ arm oder armutsgefährdet. Wer 10 Millöionen unter dem Kopfkissen hat, aber kein laufendes Einkommen, ist nunmal nicht arm.
Wobei richtig ist, dass sehr oft nur das laufenden Einkommen betrachtet wird, beispielweise bei Ermäßigungen für Eintritt oder ÖPNVTickets. Dabei hat mancher ermäßungsberechtigte Renterne oder Student mehr Mittel verfügbar, als mancher voll zahlungspflichtige Vollzeitbeschäftigte.
Monozyt hat geschrieben:.
bloß erhöht das eben stark das Risiko in einem Moment pleite zu sein in dem ich es so gar nicht gebrauchen kann.
Ein ebenfalls oft vernachlässigter Aspekt: Fast wichtiger als die aktuelle relative Armut oder Reichtum ist die Verlässlichkeit, auch morgen noch zurecht kommen zu können. Diese Sicherheit wird immer mehr Einkommensschichten (von unten beginnend) an vielen Ecken entzogen (Zeitverträge sind nur ein Beispiel; der Wechsel von Regelungen und Verhandlungsrahmen ist ja inzwischen schon fast jährliche Übung aller Institutionen, und erfordert fortwährend neue Anpassungsprozesse; das erzeugt Unsicherheit, und dann werden selbst reiche Leute knauserig, weil sie ja nicht mehr so recht wissen ...) Planbarkeit mit einem gewissen Zeithorizont gehört meines Erachtens in die Verarmungs- bzw. Wohlstandsdiskussion; aber das Gegenteil ist faktisch der Fall (noch höhere Mobilität/Flexibilität wird als Patentrezept gefördert).
Monozyt hat geschrieben:Zu meinem AB-tum trägt das alles wahrscheinlich eher indirekt bei, entscheidend ist da nicht die finanzielle Armut (die bei mir strenggenommen ja nichtmal ansatzweise vorliegt) sondern die "soziale Armut", also dass all die fest im Beruf stehenden Leute mich als Langzeitstudenten-ähnlichen Typen ohne unmittelbare Zukunftsperspektive nicht wirklich ernst nehmen können.
"Soziale Armut" ist ja gerade Teil der offiziellen Armutsdefinition. Wie gesagt, über die konkreten Indikatoren lkässt sich trefflich streiten.
Warum meinst du, "können" dich "solidere" Leute nicht ernstnehmen? Heutzutage ist "fest im Beruf" doch eine Illusion, die morgen mit der Entscheidung eines Controllers dahin sein kann Wesentlicher erscheint mr auch hier die Zukunftsperspektive. Nach meiner Erfahrung wird jeder, der glaubhaft klar machen kann, dass er was will und was er dafür tut, meistens ernstgenommen, ganz egal wie seine aktuelle Situation aussieht. Erst wenn du selbst nicht so recht weiß, wie und wohin, wächst die Skepsis.
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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Peter » Freitag 26. Februar 2016, 13:56

@Reinhard
Worum geht es Dir jetzt genau? Ob Armut zu häufigerem ABtum führt?

Rein von der Beobachtung her nein.
Und wenn man sich die Kinderverteilung in Deutschland so anschaut, haben Gutverdiener wohl weniger Sex als bildungsferne Schichten mit geringem Einkommen.
Der Windfisch beobachtet Dich.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Reni » Freitag 26. Februar 2016, 13:58

Peter hat geschrieben:@Reinhard
Worum geht es Dir jetzt genau? Ob Armut zu häufigerem ABtum führt?

Rein von der Beobachtung her nein.
Und wenn man sich die Kinderverteilung in Deutschland so anschaut, haben Gutverdiener wohl weniger Sex als bildungsferne Schichten mit geringem Einkommen.
Du machst beim Sex jedes Mal n Kind? :shock:

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Peter » Freitag 26. Februar 2016, 14:12

Reni hat geschrieben: Du machst beim Sex jedes Mal n Kind? :shock:
Bei mir gibt es keine halben Sachen :cooler:
Der Windfisch beobachtet Dich.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Strange Lady » Freitag 26. Februar 2016, 14:28

Ich hatte immer das Glück, von meinesgleichen umgeben zu sein: zuerst hundsgewöhnliche studentische Armut (hatte nur 800 DM BaföG zum Leben) und dann akademisches Prekariat. Während meiner Studizeit hätte mir ein wenig mehr Geld durchaus geholfen, mich etwas besser und moderner zu kleiden. Denke ich. Oder öfter mal abends auszugehen. Andererseits: wenn ich jemanden hätte kennenlernen wollen/können, hätte ich das auch durchaus recht kostengünstig - bzw. for free - an der Uni oder im Freundeskreis bewerkstelligen können.
Später kam dann eine Phase der Arbeitslosigkeit/Depressionen, wo es mir echt mies ging ... da hatte ich dann nicht mal mehr Geld für KLamotten und zwischenzeitlich auch 1000 Eur Miese auf dem Konto. Von Ausgehen, Sozialleben, libidoförderlicher Lebenslust und Leichtigkeit etc. ganz zu schweigen. Zum Glück konnte ich mir bei meiner Familie was leihen. Tatsaächlich war aber weniger die Armut denn die Depression das ausschlaggebende Moment.
Heute verdiene ich z.T. mehr als meine Freunde, bin aber immer noch recht studentisch und unaufgeregt unterwegs ... sind wir im Grunde alle, trotz Besitz, Erbe, elterlichen Zuschüssen etc. Nur besser gekleidet bin ich heute, kaufe auch qualitativ bessere Nahrungsmittel, Kosmetika etc. Meine Existenzängste sind nun etwas schwächer ausgeprägt.

Auf die Beziehungsfähigkeit hat der monetäre Status bei mir aber genau NULL Einfluss: bin weiterhin psychisch gestört, episodisch stark depressiv und führe phasenweise ein ziemliches Einsiedlerleben.
“Happiness is like a butterfly: The more you chase it, the more it will elude you. But if you turn your attention to other things, it will come and sit quietly on your shoulder.”
Henry David Thoreau

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Arsonist » Freitag 26. Februar 2016, 17:43

Partnersuche findet meistens im gleichen sozialen Milieu statt. Daher würde ich ausschließen dass Armut AB sein begünstigt. Salopp formuliert: Wenn ein arbeitsloser Dachdecker nur Medizinerinnen und Juristen sucht, ist es sehr wahrscheinlich dass er nie eine Frau in diesem Umfeld abbekommen wird.

Liegt nur das Merkmal monetäre Armut vor, halte ich es zwar für nachteilig bei der Partnersuche, es macht sie aber nicht unmöglich. Ich denke es müssen noch weitere Defizite vorliegen dass man AB wird.

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Re: Armut und ABtum

Beitrag von Montecristo » Freitag 26. Februar 2016, 19:51

Ringelnatz hat geschrieben:In meiner WG war die Toilette im Treppenhaus, somit war die Miete nur bei ca. 200 Euro.
Hatte ich während meiner Abschlussarbeit in der Schweiz. Aber das Zimmer kostete meiner Erinnerung nach 650 Franken und das war vor 20 Jahren. :mrgreen:
You've come far pilgrim. - Feels like far. - Was worth the trouble? - ugh... What trouble?

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